Dienstag, 8. Januar 2019

Weihnachten 2018 im HARZ

Weihnachtsmesse in der Kirche St. Josef in Herzberg am HARZ
Bereits 2003 haben wir Weihnachten in der Ferne gefeiert. Damals flogen wir am 21. Dezember von Hannover nach Hurghada in Ägypten und kehrten am 4. Januar 2004 zurück in das kalte Deutschland. Wir erlebten in dem völlig anderen Kulturkreis eine andere Art, Weihnachten zu feiern.
Gartenanlage des Moon Valley Hotels in Hurghada
Insbesondere Heiligabend war spannend. Nach einem normalen Abendessen gingen wir in die gegenüberliegende Gaststätte, um bei einer Flasche Wein, den besonderen Abend zu feiern. Wein gab es erst einmal nicht. Aber der freundliche Kellner, den wir bereits vorher kennengelernt hatten, wollte uns eine Flasche Wein besorgen. Dafür gaben wir ihm 5 Euro und warteten eine halbe Stunde. Wir hatten schon damit gerechnet, dass er nicht mehr zurückkommen würde. Aber er enttäuschte uns nicht und wir konnten in diesem anderen Kulturkreis Heiligabend feiern. Am folgenden 1. Weihnachtstag, dem 25. Dezember 2003, ging es mit dem Bus im Polizeikonvoi nach Luxor, wo das Nilkreuzfahrtschiff CORAL I  auf uns wartete.

Abendstimmung auf dem Nil
Besonders schön war Silvester auf dem Nilkreuzfahrtschiff. Wir hatten zahlreiche altägyptische Sehenswürdigkeiten besichtigt und waren zurück auf dem Weg nach Luxor. Die Schiffsbesatzung hatte sich große Mühe mit dem prächtigen Buffet gegeben. Gegen Mitternacht begaben wir uns auf das Oberdeck und genossen dort den wunderschönen Sternenhimmel. Es war sehr ruhig und nirgendwo war ein Feuerwerk zu sehen. Bei einem Glas Sekt wünschten wir uns ein frohes, neues Jahr 2004 und dachten an die vielen Glücksmomente, die wir seit 1996 (dem Jahr unseres Kennenlernens) immerwieder erlebt haben und die auch jetzt erkennbar waren.

Sieben Jahre (2010) später erlebten wir  Weihnachten erneut in der Ferne. Wir flogen wieder am 21. Dezember von Hannover; aber diesmal nach Antalya in der Türkei. Der Rückflug erfolgte ebenfalls am 4. Januar des darauffolgenden Jahres 2011. Allerdings gab es im Dezember 2010 große Schwierigkeiten wegen der umfangreichen Schneefälle auf mehreren deutschen Flughäfen. Über mehrere Tage konnten Flugzeuge in Frankfurt weder starten noch landen. Wir flogen aber vom Flughafen Hannover, wo es weder Probleme beim Hinflug noch beim Rückflug gab.

Empfangskomitee in der Hotellobby
Es war in dieser ausgezeichneten Hotelanlage sehr schnell zu erkennen, dass man sich an die Traditionen der europäischen Hotelgäste angepasst hatte. Es gab an Heiligabend eine größere Weihnachtsveranstaltung, bei der Cocktails und Sekt serviert wurden. Gegen 19 Uhr begann das Abendessen mitTruthahn und anderen Köstlichkeiten. An der Bar, wo wir interessante Dauergäste kennenlernten, tranken wir einige Erfrischungsgetränke. Ab 21 Uhr spielte eine Band und gab uns die Gelegenheit, wieder einmal zusammen zu tanzen.

Verzierungen in der Moschee
Am 1. Weihnachtsfeiertag spazierten wir durch Kemer und besuchten bezeichnenderweise eine Moschee. Dafür mussten wir allerdings die Schuhe ausziehen.und Jutta durfte ein Kopftuch tragen. Die Moschee stand offen und wir konnten uns unbefangen umsehen. Nach einer schönen Standwanderung bei einer angenehmen Frühlingstemperatur von 20 grd. C kamen wir zum Hotel zurück.

Weihnachten 2018 wollten wir diesmal in der Nähe verleben. Nach sehr unangenehmen Erfahrungen mit Flugreisen, insbesondere mit Verspätungen und Ausfällen, suchten wir uns diesmal ein Ziel in der Nähe von Hildesheim aus und da kam natürlich der HARZ und Herzberg (80 km Entfernung) in Frage. Jutta hat den HARZER HOF in Scharzfeld bei Herzberg ausgesucht. Wir waren auf Schnee eingestellt, der uns allerdings nur an Heiligabend kurz erfreute.

Interessant war die erste Kontakt mit dem Hotel. Wir kamen am Sonntag, den 23. Dezember, gegen 12 Uhr 30 an und fanden das Schild "Geöffnet ab 17 Uhr" am Eingang. Alles war dunkel! In der Küche wurde aber gearbeitet. Ich klopfte ans Fenster. Eine ältere Frau kam heraus und fragte: "Sie wollen nur aufs Zimmer? Ich mache Ihnen auf!" In der Zwischenzeit hat Jutta telefonischen Kontakt mit der Rezeptionsdame bekonmen, die an die Eingangstür kam. Diese war offen. Das Schild bezog sich nur auf das  Restaurant. Es gab noch weitere, interessante Erfahrungen, die ich in meiner Hotelbewertung beschrieben habe.

Burgruine Scharzfels
An Heiligabend fuhren wir zur Burgruine Scharzfels, die sich in der Nähe in Richtung Bad Lauterberg befand. Dies war sinnvoll, denn die Wanderung entlang der befahrenen Harzstrasse war nicht ganz ungefährlich. Danach folgte auch noch ein längerer Anstieg. Die Burg Scharzfels ist die Ruine einer mittelalterlichen Befestigungsanlage im Harz bei Scharzfeld. Seit ihrer Errichtung im 10. Jahrhundert galt sie als uneinnehmbare Festung. Im 17. Jahrhundert wurde Scharzfels Staatsgefängnis.

Erinnerung an die berühmte Gefangene
Ab 1695 saß hier Eleonore von dem Knesebeck (* 1655) ein, die aus angesehenem Lüneburger Uradel, entstammte. Sie war ab deren Verehelichung die Zofe der Prinzessin Sophie Dorothea von Ahlden. Gegen ihren Wunsch heiratete Prinzessin Sophie Dorothea am 18. November 1682 in der Kapelle auf Schloss Celle ihren Cousin, den späteren britischen König Georg I. (1660–1727), den ältesten Sohn des Herzogs und späteren Kurfürsten Ernst August von Braunschweig-Lüneburg und seiner Gattin Prinzessin Sophie von der Pfalz

Zwischen der schutzlosen Sechzehnjährigen, nach Hannover verheirateten Sophie Dorothea und Eleonore entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung, eine Art Mutter-Tochter-Verhältnis und sie war Mitwisserin eines außerehelichen Liebesverhältnisses ihrer Herrin mit dem draufgängerischen Grafen von Königsmarck, bei dem sie als Briefüberbringerin fungierte. 
 
Eingang zur Burgruine

Die Familie von Eleonore von dem Knesebeck versuchte immerwieder, ein ordentliches Gerichtsverfahren einleiten zu lassen und bot auch vergeblich eine Kaution von 100.000 Taler an. Die Gefangene blieb in einer winzigen Kammer eingesperrt, nur einmal täglich sah eine alte Wärterin nach ihr. Ihre Familie bestach schließlich den Dachdecker Veit Rentsch. Dabei wurde Eleonore 1697 mit Hilfe von außen durch eine abenteuerliche Abseilaktion über 20 m abwärts vom hohen Burgfelsen befreit, Körper an Körper gefesselt mit ihrem Retter, der sich mit ihr abseilte.
 
Treppe zur Burgruine

Zuvor hatte er eine Öffnung in die Zimmerdecke der Gefangenen eingebracht und sie mit einem Strick nach oben geholt. Unten wartete ihr Schwager mit einer Handvoll Berittener und brachte sie in Sicherheit. Sie reiste nach Wien, wo sie es schaffte einen kaiserlichen Schutzbrief zu erlangen und fuhr nach Braunschweig. 1717 soll sie in einem Dorf nahe dieser Stadt gestorben sein. Die Burg wurde erst während des Siebenjährigen Krieges 1761 nach einer Belagerung durch französische Truppen erobert und gesprengt. Von der Burgruine führt ein Wanderweg zur Einhornhöhle, die in 1 km Entfernung liegt.

Das Heiligabend-Menu  war für abends ab 18 Uhr im Parkhotel in Bad Lauterberg geplant. Da wir nicht genau wußten, wo sich dieses genau befand und auch noch unser Navi ausfiel (wie erwas später auch unser Smart Phone) entschieden wir uns in Bad Lauterberg durchzufragen. In einem Frisörsalon erhielt die Jutta die relevanten, aber etwas verklausulierten Informationen. Wir waren froh über diese Probefahrt, denn am Abend wäre im Dunkeln mit den wenigen Fussgängern  das Parkhotel kaum zu finden gewesen.

Die Teilnehmer dieser Veranstaltung waren fast alle älter als wir, zum größten Teil weiblich und wohnten im Parkhotel. Alles war sehr harmonisch gestaltet und fand in einer freundlichen Atmosphäre statt. Das Menü war entsprechend der Bedeutung des Abends ausgewählt und auch der Wein von.vorzüglicher Qualität. Zum Abschluss übergab der Weihnachtsmann noch jedem Teilnehmer ein kleines, rotes Päckchen, das -neben einer Vase - noch kleine Weihnachtsgeschenke enthielt. Wir werden diesen Abend in bleibender Erinnerung behalten. Auf dem Heimweg ins 7 km entfernte Scharzfeld schneite es und dicke Schneeflocken behinderten die Sicht. Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages war der Zauber schon wieder vorbei.

Ursprünglich wollten am 1. Weihnachtsfeiertag die katholische Kirche in Bad Lauterberg besuchen. Als wir an Heiligabend von Bad Lauterberg zurückkamen entdeckte ich in Scharzfeld in der Nahe des Harzer Hofes einen Kirchturm. Er gehörte zur evangelischen Thomaskirche. Ich fand heraus, dass dort am 25. Dezember um 9 Uhr eine Messe stattfinden würde. Als wir am Morgen kurz vor Beginn kamen, war die Kirche noch verschlossen. Die Gestaltung des Gottesdienstes hatte einige Mängel und es wollte auch keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen.

Unterwegs im Regen
Wir freuten uns deshalb auf die anschließende Wanderung zur Einhornhöhle, die oberhalb von Scharzfeld liegt. Wir wanderten bergaufwärts eine Stracke von ca. 3 km. Es fing stärker an zu regnen und wir entschieden uns, mit dem Auto die Gesamtstrecke zurückzulegen. Der asphaltierte Weg endete an einem großen Parkplatz und von dort ging es noch durch den Wald zum Eingang der Einhornhöhle. 

Jutta und ihre Erinnerungszeichen (Klaus + Jutta)
  
Die Einhornhöhle ist eine Karst­höhle im Zechstein-Dolomit. Die Höhle ist die größte Besucherhöhle im Westteil des Harzes. Sie ist als Naturdenkmal ausgewiesen und wurde 2006 als ein Bestandteil der Zechstein-Karstlandschaft am Südharz in die Liste der 77 bedeutenden Nationalen Geotope aufgenommen. Seit 2017 ist die Einhornhöhle Teil des UNESCO-Geoparks und offizielles Informationszentrum. 
 
Die Landschaft bei der Höhle

Am 1. Weihnachtsfeiertag war die Höhle leider geschlossen. Wir werden im Sommer im Rahmen eines Tageausfluges zur Besichtigung wiederkommen. Dann werden wir auch sehen, was aus Juttas Schnitzereien geworden ist. Die Burgruine Scharzfels kann über einen Wanderweg in 1 km Entfernung erreicht werden.
 
Hinweis auf den Wanderweg zur Steinkirche

Eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe war die Steinkirche. Auf dem Weg zur Einhornhöhle hatte ich ein Hinweisschild entdeckt. Wir fuhren den abenteuerlichen Weg hinauf und kamen auf der anderen Seite des Waldes wieder herunter. Von der Steinkirche war nichts zu sehen. Wir entschieden uns, zur Harzstrasse in Scharzfeld zu fahren, wo ich ebenfalls ein Hinweisschild gesehen hatte. Ich fand zwar den Wanderweg - mußte aber erst einmal einen Parkplatz unter der Autobrücke finden. Die letzte Strecke legten wir zu Fuß zurück. 
 
Der Altar der Steinkirche

 Die Steinkirche im Harz ist eine Höhle bei Scharzfeld im HARZ. Es handelt sich um eine rundbogige Höhle in Dolomitfelsen. Sie ist etwa 28 m lang, 6 bis 8 m hoch und ebenso breit. In der Altsteinzeit diente die Höhle Rentierjägern als Lagerplatz. Im Mittelalter wurde sie zu einem Kirchenraum mit Friedhofsvorplatz, der ab dem 16. Jahrhundert in Vergessenheit geriet. Der Fussweg ist etwas schwierig zu finden.

Der Altar der Kirche St. Josef
Am 2. Weihnachtsfeiertag  fuhren wir nach dem Frühstück nach Herzberg, um in der katholischen Kirche St. Josef die Weihnachtsmesse zu besuchen. Alles war sehr stimmungsvoll und beeindruckend - so ganz anders als in der protestantischen Thomaskirche am Tag zuvor. Der Hausmeister, der den Gottesdienst richtete, nahm sich persönlich Zeit für uns und erklärte uns den Weg zum Welfenschloss Herzberg, wo wir anschließend das Museum besichtigen wollten.

Das Wappen des Schlossbesitzers
Wir entschieden uns wieder (wie bei der Einhornhöhle) mit dem Auto zum Welfenschloss Herzberg zu fahren. In Anbetracht des schlechten Wetters war dies die richtige Entscheidung und der Besuch des Museums hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das Schloss Herzberg liegt oberhalb von Herzberg am Harz. Die heutige Vierflügelanlage hat ihren Ursprung im 11. Jahrhundert als mittelalterliche Burg. Nach einem Brand im Jahr 1510 wurde sie als Schloss neu aufgebaut. Sie ist mit 180 Zimmern die größte Schlossanlage Niedersachsens, die in Fachwerkbauweise errichtet wurden. 
 
Im Rittersaal

Da es sich über 700 Jahre im Besitz des Adelsgeschlechts der Welfen befand, wird die Anlage auch als Welfenschloss Herzberg bezeichnet. Wir besuchten am 2. Weihnachtstag das Museum im Schloss. Der junge Mann an der Kasse freute sich, denn wir waren die ersten Besucher und er schloss den Museumsbereich für uns auf. Es war sehr informativ, einiges über Welfen zu erfahren. In einer weiteren Abteiling folgten Ausstellungsstücke über die Gewehrfertigung und die Feilenherstellung. Nach dem Rittersaal mit Porträtgemälden begeisterten wir uns über die industriellen Entwicklungen und über das nachhaltige Arbeiten im HARZ. Sehr interessant war auch die Sonderaustellung über den österreich-ungarischen Weltreisenden und Forscher Tibor Sekelj (1912 - 1988).

Drei Tage nach unserer Rückkehr aus dem erholsamen Weihnachtsurlaub im Harz, genossen wir am Sonntag, den  30. Dezember 2018, ein besonderes, kulturelles Higlight zum Jahresabschluss:
Das BOLSCHOI Staatsballett Belarus im Theater am Aegi in Hannover.


Schwanensee (russisch Лебединое Озеро, Lebedinoje osero), op. 20, ist eines der berühmtesten Ballette zur Musik Pjotr Iljitsch Tschaikowskis. Es gehört zum Standardrepertoire klassischer Ballettkompanien. Insbesondere das Allegro Moderato aus den Schwanentänzen des 2. Akts ist in der Choreografie von Lew Iwanow Gegenstand unzähliger Parodien und daher als Tanz der vier kleinen Schwäne weit über das ballettinteressierte Publikum hinaus bekannt.Wir erlebten gottseidank keine Parodie, sondern eine künstlerische Darbietung, die uns begeisterte.

Immer noch verliebt?
Zum Jahresende übermittelte uns GOOGLE ein kleines Video mit dem interessanten Titel:
"Lächelnde Gesichter aus dem Jahr 2018" Es enthält eine Auswahl von Aufnahmen, die während unserer zahlreichen Reisen und Tagesausflüge im vergangenen Jahr entstanden sind. An dieser Stelle möchte ich Dir, liebe JUTTA für die vielen, schönen Bilder danken, die wir für unsere spannenden Reisebücher verwendet haben. Ja, GOOGLE har Recht: Wir freuen uns aufrichtig über unsere vielen schönen Erlebnisse im Jahr 2018.

Literatur:
Sehenswürdigkeiten in NIEDERSACHSEN 

 




Lächelnde Gesichter aus dem Jahr 2018

Sonntag, 6. Januar 2019

Am 2. Weihnachtsfeiertag in Herzberg am HARZ

Freitag, 14. Dezember 2018

Eindrücke vom SPREEWALD und dem Schlosspark BRANITZ bei COTTBUS


Unterwegs im Spreewald
Bereits 1859 schrieb Theodor Fontane einen interessanten Reisebericht über seinen Wochenendausflug mit drei Freunden in den Spreewald. Am 6. August 1859 rollte die Nachtpost durch das Hallesche Tor. Auf der Cottbuser Chaussee ging es über Lichtenrade und Zossen, Baruth und Golßen durch die märkische „Streusandbüchse".  Unter dem Titel "In den Spreewald" veröffentlichte er vom 31. August bis 3. September 1859 in der Neuen Preußischen Zeitung seine Eindrücke. Dieser Zeitungstext liegt uns in dem Buch "Reisebilder von Gerstäcker bis Fontane" vom Hanser-Verlag vor. Das Studium dieses Fontane-Artikels war eine ausgezeichnete Einstimmung für unsere geplante Reise in den Spreewald, die in der Zeit vom 23. bis 29. Oktober 2018 stattfand.


Theodor Fontane fuhr mit der Nachtkutsche von Berlin nach Lübben (ca. 100 km) und kam dort am frühen Morgen an. Wir benötigten für die Strecke von Hildesheim nach Lübben (ca. 330 km - größtenteils Autobahn) 5 Stunden und trafen gegen 13 Uhr 30 im Spreewaldhotel Stephanshof in Lübben  ein.

Zu unserer Überraschung fiel unser Zimmer 303 (im 3. Stock mit Dachschräge) relativ klein aus. Der Grund war schnell gefunden: Wir hatten über Booking.com  gebucht, was bedeutet, dass dieses Vergleichsportal mindestens 15 Prozent Provision vom Hotelier erhält. Entsprechend schlechter war das reservierte Zimmer (Standard-Version). Wir gewöhnten uns an das Zimmer und fanden es schließlich ganz gemütlich. Daraus lernten aber auch, dass wir unsere Übernachtungen in Deutschland und den angrenzenden Ländern  direkt beim Hotel-Management vor Ort buchen.

Spreewaldhotel Stephanshof
Von Vorteil war die Lage unseres schönen Hotels, denn bis zum interessanten Stadtzentrum konnten wir sehr leicht zu Fuß gelangen. Jutta und ich erkundigten am nächsten Morgen auf  einer Entdeckungstour die verschiedenen Sehenswürdigkeiten auf getrenntem Wege. Mich zog es zuerst zur Paul-Gerhardt-Kirche und Jutta besuchte das Museum Schloss Lübben


Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben
Die Paul-Gerhardt-Kirche ist evangelisch  und gehört zum Kirchenkreis Niederlausitz. Sie wurde nach dem Theologen und Liederdichter Paul Gerhardt benannt, der hier von 1669 bis 1676 als 2. Pastor (Archidiakon) diente. Am 5. September 1668 war der Pfarrer von Lübben (Spreewald), Konrad Cnisius, verstorben. Der Rat von Lübben, das damals nicht zu Brandenburg, sondern zu Kursachsen gehörte, suchte einen geeigneten Nachfolger und entschied sich nach einer Gastpredigt – am 14. Oktober 1668 – für Paul Gerhardt.

Paul-Gerhardt-Denkmal vor der Kirche
Am 29. Oktober 1668 erhielt er durch den Bürgermeister und den Rat die Berufung in das Amt des Archidiakons (2. Pastor) an der damaligen Nikolaikirche. Wegen der Krankheit seines Sohnes und eines notwendigen Ausbaus der Pfarrwohnung verzögerte sich der Amtsantritt bis zum 16. Juni 1669. In Lübben leistete Gerhardt die geistlich-seelsorgerische und die organisatorische Arbeit zur Zufriedenheit der Kirchengemeinde. Er lebte bis zu seinem Tod  am 27. Mai 1676 (im 70. Lebensjahr) dort in bescheidenen Verhältnissen. Am 7. Juni 1676 wurde er im Chorraum nahe dem Altar seiner letzten Wirkungsstätte beigesetzt, die seit 1930 seinen Namen trägt.

Die frühen Erfahrungen (er wurde 1607 in Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg geboren) von Krieg, Krankheit und Tod prägten Gerhardt. Das spiegelt sich besonders in seinen Gedichten, die in ihrer Schlichtheit, Gefühlswärme und Singbarkeit zu Volksliedern geworden sind. Ob er Eigenes schuf oder aus den Psalmen der Bibel schöpfte, ob er die lateinischen Hymnen eines Arnulf von Löwen oder die Gebete Johann Arndts seinen Liedern zu Grunde legte, stets gelang es ihm, den bekannten Inhalt emotional zu bearbeiten.


In der Kirche entdeckte ich auch eine beklemmende Ausstellung über das Speziallager Ketschendorf mit dem Titel: Die Strasse, die in den Tod führte!
Das Speziallager Ketschendorf, am südlichen Ortsrand von Ketschendorf bei Fürstenwalde/Spree gelegen, war als Speziallager Nr. 5 eines von zehn solchen Lagern der sowjetischen Besatzungsmacht in der Sowjetischen Besatzungszone. Es bestand von April 1945 bis Februar 1947.

Über 4600 Internierte starben unter unmenschlichen Bedingungen, zum Beispiel an Unterernährung und Tuberkulose; sie wurden zwischen dem Lager und der Autobahn in Massengräbern verscharrt. 1952 wurden bei Ausschachtungsarbeiten für Wohnhäuser mehrere tausend Leichen gefunden.  Nach 1990 wurde in Ketschendorf eine Gedenkstätte für die Opfer des stalinistischen Terrors errichtet.

2013–2014 ist für das Internierungslager ein Totenbuch mit Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, letztem Wohnort und Sterbedatum erarbeitet worden. In ihm sind die Namen von 4.722 Opfern des Lagers erfasst, 100 mehr, als bisher bekannt war. Pfarrer Eckhard Fichtmüller, seit 2010 Vorsitzender der Initiativgruppe Internierungslager Ketschendorf, wurde 2015 für seine Verdienste um die historische Aufarbeitung der Geschichte des Lagers die Ehrenbürgerschaft der Stadt Fürstenwalde verliehen.

Brücke zur Schloss-Insel


Nach diesen erbaulichen und auch beklemmenden Erlebnissen wanderte ich am Schloss mit dem Museum vorbei und begab mich auf die Schloss-Insel, von der ich beeindruckt war. Sie ist von Kanälen nahezu umschlossen und kam nur über mehrere Holzbrücken erreicht werden. Zwei Tage später waren wir während unserer 3,5-stündigen Kahnfahrt auch im Bereich der Schloss-Insel unterwegs und gewann so einen noch besseren Eindruck von dieser herrlichen Landschaft.

Der Kirchplatz von Lübbenau
Theodor Fontane fuhr 1859 am gleichen Tag mit der Kutsche weiter nach Lübbenau. Er schreibt von einer "guten Meile" Entfernung (7,5 Kilometer) zwischen Lübben und Lübbenau. Seine Reisegesellschaft übernachtete im Gasthof  "Zum Braunen Hirsch". Das Hotel existiert nicht mehr. In den Räumlichkeiten am Kirchplatz 1 befindet sich heute das Rathaus und die Touristinformation, Für uns waren es am nächsten Tag unserer Ferien im Auto ca. 12 km. Wir fuhren direkt auf den großen Parkplatz vor dem Hotel Schloss Lübbenau..Erstaunlicherweise war das Parken kostenlos, die Absperrschranken entfernt - nur ein Schild wies noch darauf hin, dass ein Tagesticket 7 Euro kosten würde.

Als die Fontane-Reisegruppe in der Kutsche am Sonntagmorgen den damaligen Gasthof "Zum Braunen Hirsch (heute Rathaus und Touristinformation,  Kirchplatz 1) erreichten, war es genau eine Stunde zu spät, um den bunten Korso der Spreewälder vom Hafen zur Lübbenauer Sankt-Nikolai-Kirche mitzuerleben. So konnte die Festtagstracht erst nach dem „wendischen Gottesdienst" begutachtet werden. Über das verpasste Eintreffen schrieb Theodor Fontane:

 ... wenn icn aller Sonntagsfrühe die Kirchgänger und Kirchgängerinnen des Spreewalds auf 50 bis 100 Böten die verschiedenen Spreearme herunterkommen und im vollen Sonntagsschmucke vor- und nebeneinander herfahrend, endlich am Parkufer anlangen und unter den Laubengängen des Lynarschen Schlosses hin still und bedächtig der Stadt und Kirche zuschreiten.

Wir waren in der entgegengesetzten Richtung unterwegs, denn wir wollten - an dem Lynarschen Schloss vorbei - die eindrucksvolle Parklandschaft genießen. Im Gegensatz zu den  buntgekleideten sonntäglichen Messebesuchern, war es an diesem Donnerstag unseres Ausfluges nach Lübbenau sehr ruhig. Wir waren im Park nahezu alleine unterwegs.

Graf zu Lynar ließ 1817 die alte Wasserburg im Renaissancestil abtragen und an gleicher Stelle das klassizistische Schloss  bauen (1817 bis 1820), das dem heutigen Aussehen entspricht. Nach 1817 entstand auch die wunderschöne Parklandschaft Nach schwierigen Rückgabeverhandlungen an die Lynarsche Familie erfolgte 1992 der Ausbau des Schlosses in ein 4-Sterne-Hotel.

Aber dann zog es uns auch in die Sankt-Nikolai-Kirche im Zentrum von Lübbenau, die auch Theodor Fontane am Sonntag, den 7. August 1859, besucht hat und wegen der sorbischen/wendischen  Sprache nichts verstand.. Die Sankt-Nikolai-Kirche ist eine evangelische Kirche.Sie zählt zum Dresdner Barock in der Niederlausitz und gehört zum gleichnamigen Kirchenkreis. Von 1738 bis 1741 entstand auf den Fundamenten des Vorgängerbaus ein neues Kirchengebäude nach Plänen von Johann Gottfried Findeisen aus Dresden im Barockstil.

Sankt-Nikolai-Kirche
Das Fundament des gesamten Gebäudes ruht auf Erlenstämmen. Im Jahr 1736 wurde das Vorgängergebäude wegen Baufälligkeit gesperrt und später abgerissen. Ursache der Baufälligkeit dürfte der sumpfige Untergrund gewesen sein, der auch der neuen Kirche Probleme bereitet hat und deshalb eingerammte Erlenstämme verwendet wurden.. Erster Patronatsherr der Kirche war Moritz Carl Graf zu Lynar. Die erste Predigt fand am 12. Februar 1741 statt. Am 25. September 1754 wurden drei Glocken im Turm installiert. Eine 1625 in Prag gegossene Glocke gehörte bereits zur alten Kirche.

Taufengel
Aus dem Jahr 1864 stammt der aus Bronze gefertigte Taufengel. Die Skulptur ist ein Abguss eines dänischen Originals, welches von Bertel Thorvaldsen für die Frauenkirche in Kopenhagen geschaffen worden war. Den Abguss hatte die Gräfin zu Lynar (geborene von der Marwitz) anlässlich der Genesung ihres Kindes gestiftet und er wurde vermutlich in der Werkstatt des preußischen Bildhauers Christian Daniel Rauch gefertigt. Alexander Linnemann aus Frankfurt hat für die Kirche Glasfenster geschaffen.

Erinnerungskreuz an Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar

In der Kirche befindet sich auch eine Gedenktafel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder. Weitere Gedenktafeln ehren die Familienmitglieder der Lynars zwischen 1781 und 1928. An der nordöstlichen Wand erinnert ein Holzkreuz an Wilhelm Friedrich Rochus Graf zu Lynar. Dieser war am 29. September 1944 als Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten, infolge des Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944, hingerichtet wurden. Das Johanniterkreuz stammt vom Dorffriedhof Seese, der einem Braunkohletagebau weichen musste. Wilhelm Graf zu Lynar hatte in Seese gelebt. Das Kreuz trägt den Bibelvers „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“

Nach dem Besuch der sonntäglichen Messe in Lübbenau zog es Theodor Fontane zur Kahntour. Er spricht von der Gondel, die er durch dsen Lynarschen Park in 5 Minuten am Hauptspreearm erreichte. Im Boot befanden sich drei Bänke mit Polster und Rückenlehne. Auch für die Verpflegung war gesorgt. Das Ziel war erst einmal das beliebte Spreewalddorf Lehde.

Haus in Lehde
Da für uns die große Kahnfahrt noch bevorstand, wählten wir fast 160 Jahre später die kurze Fahrt mit dem Auto nach Lehde (ca. 2 km) . Allerdings endeten wir ca. 1 Kilometer vor dem Ziel auf einer Wiese, die von einem älteren Parkwächter als Parkplatz ausgewiesen wurde und wofür er 4 Euro Parkgebühr verlangte.

Das Feuerwehrhaus in Lehde
Der Fußmarsch gab uns die Gelegenheit, einen ersten Eindruck von dem idyllischen Lehde zu erhalten. Es scheint sich seit dem Besuch von Theodor Fontane nicht allzuviel verändert zu haben. In unserem Hotel wurde uns das Freilandmuseum Lehde empfohlen. Obwohl uns der Parkwächter die Richtung genannt hatte, waren wir erst nach einigem Suchen erfolgreich. Wir freuten uns die frühere Lebensweise der Wenden/Sorben.

Das Freilandmuseum Lehde
Die Sorben/Wenden gehören zu den slawischen Volksstämmen, die sich im 6. Jahrhundert im Spreewald ansiedelten und bis heute untrennbar mit der Region verbunden sind.
Den Besuchern des Spreewalds sticht vielerorts die Zweisprachigkeit der Beschilderungen ins Auge. Nach der großen Völkerwanderung im 6. Jahrhundert ließen sich hier die slawischen Siedler nieder. Die slawischen Burgwälle gehören noch heute zu den Zeugnissen dieser Ansiedlung.

Holzbrücke im Freilandmuseum

Der Name „Sorben“ ist dem slawischen Wort „Serby“ entlehnt und bezeichnet einen der rund 20 slawischen Volksstämme, die sich im Spreewald ansiedelten. Aus der Zeit der Römer stammt die Bezeichnung „Wenden“, die sich bis in die Neuzeit gehalten hat und alle slawischen Volksstämme umschließt. Beide Begriffe werden heutzutage synonym verwendet.

Sorbische Führerin
Da es den Sorben nach ihrer Einwanderung nicht gelang, einen eigenen Staat zu gründen, wurden sie im Laufe der Jahrhunderte in das deutsche Kaiserreich eingegliedert. Um 1200 ließen sich dann deutsche Bauern, Kaufleute und Handwerker in der Region nieder und mischten sich mit dem slawischen Stamm der Sorben.

Waschtag im Freilandmuseum
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden vermehrt deutschsprachige Lehrer an den Schulen eingesetzt, so dass die sorbische Sprache zunehmend zurückgedrängt wurde. Gegenwärtig leben noch 60.000 Sorben in der Lausitz, von denen nur noch wenige ihre sorbische Muttersprache sprechen. Lediglich die älteren Generationen pflegen die Sprache noch bei sorbischen Bräuchen und Veranstaltungen im Spreewald. Alle diese Zusammenhänge wurden von der sorbischen Führerin im Freilandmuseum sehr gut erklärt und wir fuhren mit einem guten Eindruck in unser Hotel in Lübben zurück..

Nun kam am nächsten Tag der Freitag - der Tag unserer sehnsüchtig erwarteten Kahnfahrt mit Bernd. Jutta hatte bereits von Hildesheim aus unsere persönliche Kahnfahrt organisiert. Es wurde aber auch vereinbart, dass sie sich nach unserer Ankunft in Lübben bei Bernd melden sollte. Dieser schlug bereits den Mittwoch (wir kamen am Dienstagnachmittag an) vor, da an diesem Tag schönes Wetter herrschen würde. Wir zogen den Freitag vor und wurden vom Wetter ebenfalls nicht enttäuscht.

Begrüssung am Startplatz der Kahntour
Die Abfahrtsstelle lag in den Schrebergärten an der Berste ca. 500 m vom Hotel entfernt. Um 11 Uhr ging es los und wir waren über 3,5 h unterwegs. Bernd stellte sich als sehr geschickter Bootsführer und kommunikationsfreudiger Reisebegleiter dar. Wir gewannen sehr schöne Eindrücke und zahlreiche Fotomotive.

Proviant für die Kahntour
Wie schon bei der Kahnfahrt von Theodor Fontane 1859 nach Lehde war auch für uns im Jahre 2018 der Tisch reichlich gedeckt. Wir führen zuerst auf der relativ breiten Spree in Richtung Berlin. Dann überlegte es sich Bernd aber anders und drehte rechts ab, um in die schmalen Kanäle zu gelangen.

Gegenverkehr
Interessant war der wechselseitige Einsatz der 4 m langen Eschenstange und des Bootamotors. Letzterer kam nur zum Einsatz, wenn die Wassertiefe über 3 m lag und die Stange keinen Grund mehr hatte. Mit der Stange verlief alles sehr gräuschlos. Auf der gesamten Strecke gab es 4 Schleusen, wovon zwei  durch ehrenamtliche Helfer bedient wurden. Diese freuten sich über ein kleines Trinkgeld von 0,5 bis 1 Euro. Die beiden anderen bediente Bernd alleine und beanspruchte dabei auch unsere Hilfe
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Unterwegs im Spreewald
Wir haben sehr viel gesehen und waren von der längeren Kahnfahrt tief beeindrückt. Und ich fühlte mich wieder an meine Jugendzeit erinnert als ich mit 16 Jahren mit meinem eigenen Kanu in den Altrheimarmen unterwegs war, um dann über den Rhein in ein Wasserparadies zu gelangen, wo ich auf einer kleinen Insel mein Zelt aufbaute und als einsamer Trapper im Schlafsack übernachtete.

Das Grab des Fürst Pückler in der Seepyramide
Bei der Suche nach interessanten Schlössern in der häheren Umgebung sind wir auf das Stammschloss des berühmten Fürst Pückler und dem dortigen Park Branitz gestoßen. Dies wollten wir am Samstag besichtigen. Dazu fuhren wir nach von Lübben nach Cottbus (ca. 40 km)  und fanden den sehr schönen Parkanlage mit dem Schloss sudlich davon gelegen.


Mit dem Besuch der Parkanlage, die Fürst Pückler, mit großem Aufwand geschaffen hat, stieg auch mein Interesse an dieser Personlichkeit und fand viele Aspekte seiner Biographie sehr bewundernswert. Es war vor allen Dingen sein Können als Gartenbauarchitekt und sein Interesse für fremde Völker, die er besucht und über die er ausfühlich berichtet hat. In der Seepyramide, die sich Park Branitz befindet, liegt er mit seiner Gattin Lucie begraben.

Haupfriedhof  Lübben

Der letzte Tag vor der Heimreise war ein Sonntag.  Wir besuchten den Gottesdienst (Mirjamsonntag) in der Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben und den Hauptfriedhof. Um 1745 wurde an dieser Stelle ein Weinberg angelegt. Jedoch war das Gelände wegen der klimatischen Bedingungen für den Weinanbau nicht geeignet. Deshalb wurde der Weinberg für die Anlage eines neuen Friedhofes 1856 verkauft und am 24. November 1872 eingeweiht. Uns hat der Friedhof sehr gut gefallen und wirkte wie ein Platz der Stille. Bemerkenswert fanden wir die Anordnung der Urnengräber und die zahlreichen, formschönen schmiedeeisernen Gitter.

Literatur:
REISEN in die Neuen Bundesländer