Posts mit dem Label Autoausflug werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Autoausflug werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 10. Februar 2024

Das Elbsandsteingebirge und die Festung KÖNIGSTEIN

 

Die Bastei

In meinen RHÖN-Beitrag habe ich erwähnt, welche Reiseziele Jutta in Deutschland bisher ausgesucht hat (allerdings ist die Aufzählung nicht vollständig, denn es fehlen noch die MÜRITZ und der WALCHENSEE). Diesmal führte uns die Reise an der Elbe entlang fast an die Grenze nach Tschechien. Dort liegt Bad Schandau. Diese Anreise am 20. Juni 2023 war nicht ganz einfach, aber mit dem Navi in Jutta's Smart Phone klappte die Fahrt ausgezeichnet (für die Entfernung von 375 km benötigten wir 5 h).

Parkhotel Bad Schandau
 

Mit der Auswahl des Parkhotels Bad Schandau hatten wir offensichtlich einen Glücksgriff getan.  Zum Hotel gehört eine größere Gartenanlage und man hat einen ausgezeichneten Blick zur Elbe (in 200 m Entfernung). Beim Parkhotel gab es auch ein Schwimmbecken mit mehreren Kirschbäumen am Rande. Wir haben einige Kirschen geerntet und diese genossen. Unter ihrem Schatten konnte man wunderbar entspannen. Diese Möglichkeit nutzten wir nach unserem Ausflug in den Kurpark (am 3. Tag). Die Lufttemperatur lag an diesem Tag bei 32 grd. C und die Wassertemperatur im Pool bei 25 grd. C. Wir nutzten am ersten Tag die schöne Stimmung auf der Terrasse des Parkhotels und aßen dort zu Abend. Unser Essen war vorzüglich und wurde gepflegt serviert. Es bestand aus mehreren Gängen und hatte schließlich auch seinen Preis (was wir als angemessen empfanden).

Die Elbe

 

Der folgende Tag begann erst einmal mit der Suche nach einer günstigen Tankstelle. Diese fanden wir am Ortsende von Bad Schandau (damals - im Juni 2023 - zahlten wir ca. 25 c mehr als heute). Von der Tankstelle aus gelangte man sehr leicht zur BASTEI. Der Weg dorthin erinnerte an die Anfahrt zur Burg Eltz in der Eifel. Die Bastei gehört zum Elbssandsteingebirge und von dort hat man einen herrlichen Ausblick auf die Elbe. 

Hinweis auf NAHKAUF (im Hintergrund)

 

Auf dem Rückweg kauften wir bei NAHKAUF ein, denn wir hatten uns vorgenommen, uns teilweise selbst zu versorgen. Dies klappte hervorragend. So konnten wir den Ärger über die überhöhten Preise und die verminderte Qualität der Speisen vermeiden und fühlten uns trotzdem gut versorgt. Ich habe eine positive Bewertung über den NAHKAUF in Bad Schandau geschrieben. Darüber freute sich das Management und hat mir geantwortet. Zum Thema überhöhte Preise: Für das Parken bei der BASTEI mussten wir 7,- € für den ganzen Tag bezahlen, obwohl wir nur eine Stunde unterwegs waren.

Endstation KURPARK

 

Am späten Nachmittag unternahmen wir eine Wanderung entlang der Elbe in Richtung Stadtzentrum. Wir erkundigten uns an der Schiffsanlegestelle über die Abfahrtszeiten (9 Uhr 30) zur Festung Königstein, die wir am Freitag, den 23. Juni 2023, mit dem Raddampfer durchgeführt haben. Die Fahrkarten kauften wir uns am folgenden Morgen in der Touristinformation. Nun waren wir wieder im Zentrum und besuchten den wunderschönen Kurpark. Es war sehr heiß und wir erfreuten uns am kühlenden Wasser im Swimmingpool des Parkhotels (das habe ich bereits erwähnt.

Der Raddampfer PIRNA

 

Ein sehr interessanten Tag erlebten wir auf unser Fahrt mit dem originellen Raddampfer, der vor 125 Jahren in Betrieb genommen wurde. Die Antriebstechnik war umwerfend und man konnte alles als Passagier beoachten - selbst das Kippen des Schornsteins, um unter den Brücken durchfahren zu können. Relativ schnell (nach 30 min) waren wir in Königstein und hatten trotzdem Zeit die interessante Flusslandschaft zu genießen.

 

Festung Königstein

In Königstein machten wir uns auf die Suche nach dem roten Doppelbus, der uns zum Parkhaus bei der Festung bringen sollte. Mit der Bimmelbahn ging es dann weiter zum Eingang mit der Kasse zur Festung Königstein. Zur Auffahrt auf den oberen Teil der Festung stand ein gläserener Aufzug zur Verfügung, mit Jutta sich nicht anfreunden konnte. Nach einigem Suchen fanden wir einen Lastenaufzug (mit Bedienung), der uns nach oben brachte. Dies Aussicht von dort oben war phänomenal. Wieder war es uns gelungen, ein verlängertes Wochenende in einem sehr schönnen Teil Deutschlands zu verbringen. Bei unseren zahlreichen Ausflügen in die Bundesländer der ehemaligen DDR gewannen wir den Eindruck, dass diese im westlichen Teil nicht so geschätzt werden, wie sie es verdient haben.

                                   Reisen in die NEUEN Bundesländer (ehemals DDR)


 

 


Freitag, 9. Februar 2024

Das Segelflieger-Paradies WASSERKUPPE auf der RHÖN

 

Segelflugzeug auf der Wasserkuppe

Es ist interessant, warum Jutta als Reiseorganisatorin dieses Ziel in Deutschland ausgesucht hat: Nach dem Besuch des Schwarzwaldes und des Bodensees,  mehrmaliger Ausflüge in den Harz, Reisen in den Thüringer Wald und in die Eifel wollte sie die berühmte Wasserkuppe mit dem "Paradies" für Segelflieger in der Rhön (Hessen) kennenlernen.

Die  Anreise, am 7. April 2023, velief völlig unkompliziert bei einer Entfernung von ca. 250 km nach Poppenhausen. Allerdings kam das  dicke Ende fünf Wochen später. Am Morgen des 16. Mai 2023 hatte ich mit Jutta darüber gesprochen, dass ich seit längerer Zeit kein "Ticket" mehr bekommen habe. Gerade an diesem Morgen hätte es uns im Kurzparker-Bereich des Hildesheimer Klinikums erwischt. Jutta konnte die Politesse überzeugen, dass ich nur kurz etwas abgeben wollte. Der Spaß hätte 40,- € gekostet.

In unserem Briefkasten fand ich danach Post aus Fulda. Man teilte mir mit, dass ich vor Poppenhausen bei einer zulässigen Geschwindigkeit von 70 km/h 8 km/h zu schnell gefahren sei. Wir diskutierten nicht lange und Jutta hat den Betrag von 20,- € umgehend überwiesen. Wir hatten ja 40,- € gespart!

Brunnen in Poppenhausen

 

Nach einigem Suchen fanden wir unser Landhaushotel Hof Wasserkuppe. Wie in der anschließenden  Rezension von Jutta beschrieben, hat es uns im Landhaushotel sehr gut gefallen. Nach einem Abendessen im Gasthof Stern, den wir zu Fuß erreichten. freuten wir uns auf den folgenden Tag in der RHÖN.  Zum Landhaushotel gehörte ein kleines Schwimmbad, das wir vor dem Frühstück gerne nutzten.

Der Altar in der Klosterkirche
 

Über Bischofsheim fuhren zum Kloster Kreuzberg.  Es ist ein Kloster der Franziskaner im Ortsteil Klosterkreuzberg der Stadt Bischofsheim in der Rhön (Unterfranken) in der Diözese Würzburg. Es liegt am Westhang des Kreuzbergs in der RHÖN auf 864 m. Jährlich finden etwa 70 bis 80 Wallfahrten aus ganz Franken zum Kreuzberg, dem „Heiligen Berg der Franken“, und zu seinem Kloster statt. Es gibt eine Klosterwirtschaft mit Übernachtungsmöglichkeiten für bis zu 250 Personen. Insgesamt werden etwa 500.000 bis 600.000 Besucher im Jahr gezählt. Zur Zeit unseres Besuches gab es eine sehr interessante Franz von Assisi-Ausstellung, die sehr stimungsvoll gestaltet war. 

Schwarzes Moor
 

Über Fladungen (über Bischofsheim) fuhren wir anschließend zum Schwarzen Moor. Über das Moor gibt es einen gut angelegten Rundweg von 2,5 km Länge, den man in einer Stunde leicht zurücklegen kann. Nach diesem vorzuüglichen Besuchsprogramm, das eindeutig Jutta's Handschrift trug (Landschaft und Kultur mit Besichtigungen), wollten wir  uns am folgenden Sonntag, den 9. April 2023, zu unserem Highlight, der Wasserkuppe, begeben.

Singender Pfarrer mit der Guitarre

 

Wenn sich die Gelegenheit ergab, nutzten wir den Sonntagvormittag am Ferienort gerne zum Besuch der Heiligen Messe in der katholischen Kirche. Diese Messe in der Kirche St. Georg von Poppenhausen war etwas ganz Besonderes, denn der ältere Pfarrer spielte mit der Guitarre und sang dazu.

Flugplatz Wasserkuppe

 

Über Gerstfeld fuhren wir anschließend  zur berühmten Wasserkuppe auf der RHÖN. Seit über 100 Jahren starten und landen dort Segelflieger. Nach dem 1. Weltkrieg war dies die einzigste Möglichkeit, zu fliegen, da Motorflugzeuge verboten waren. Ich bin selbst kein Flieger, aber ein Studienfreund, dem ich während des Studiums Nachhilfe gab, hat mich aus Dankbarkett zu einem Segelflug eingeladen. Leider war die Thermik an diesem Tag nicht besonders und er lud mich deshalb zu einem Motorflug mit der CESSNA ein. Zehn Jahre später flog ich wieder mit einer CESSNA über den Maracaibosee in Venezuela.

 

 

 


Mittwoch, 7. Februar 2024

COBURG und GOTHA - schicksalshafte Verbindungen

Schloss Ehrenburg in Coburg

 

Erst mit dem Besuch der bayrischen Stadt Coburg und der Besichtigung der Ehrenburg erlangte ich wichtige Hintergrundinformationen über das traurige Schicksal der Mutter von Prinz Albert, dem späteren Gemahl der Königin Victoria von Großbritannien. Luise stammte aus dem Hause Sachsen-Gotha -Altenburg mit dem Sitz in Gotha. Sie wurde als Tochter des Herzogs August von Sachsen-Gotha-Altenburg und dessen erster Ehefrau Luise Charlotte zu Mecklenburg-Schwerin am 21. Dezember 1800 auf Schloss Friedenstein geboren.

Schloss Friedenstein in Gotha
 

Sie verlor ihre Mutter bereits kurz nach ihrer Geburt und wuchs in Gotha am Hofe ihres Vaters und seiner zweiten Frau Karoline Amalie von Hessen-Kassel auf. Am 20. Dezember war die Verlobung mit dem damaligen Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Am 31. Juli 1817 folgte in Schloss Friedenstein die Hochzeit im Alter von 16 Jahren mit dem fast 17 Jahre älteren Ernst. Ihre offensichtlich aus politischen Gründen arrangierte Ehe begann schon nach der Geburt ihres ersten Sohnes Ernst zu kriseln. Ein Jahr später kam ihr zweiter Sohn Albert zur Welt. 

Das Ehepaar lebte sich auseinander. Ernst hatte mehrere Mätressen und Luise 1823 ein Verhältnis mit dem Kammerjunker Gottfried von Bülow, sowie im Sommer 1824 eine Liaison mit dem Reisestallmeister Maximilian Alexander von Hanstein.  Es kam schließlich zur Trennung von ihrem Mann, was zu einigen Unruhen in der Coburger Bevölkerung führte. Im Trennungsvertrag bekam Luise ein Schloss in Altenburg zugewiesen.

Nachdem bereits 1822 ihr Vater, Herzog August, gestorben war, verzichtete sie auf ihre weiteren Ansprüche. Ihre Vermögensrechte gingen auf die Söhne über. Am 2. September 1824 musste Luise um Mitternacht ohne ihre beiden Söhne Coburg verlassen. Als neuer Wohnort wurde ihr St. Wendel im Fürstentum Lichtenberg, das Herzog Ernst aufgrund seiner Verdienste in den Kämpfen gegen Napoleon in der Schlussakte des Wiener Kongresses 1815 erhalten hatte, zugewiesen. Sie litt jedoch sehr unter der Trennung von ihren beiden Söhnen. Bilder der Kinder und Besuchsrecht wurden ihr verweigert. Luises Geliebter, Freiherr Alexander von Hanstein, zog mit nach St. Wendel. Die Scheidung gegen ihren Willen folgte am 31. März 1826. Sie nannte sich aber weiterhin Luise Herzogin zu Sachsen.

Alexander von Hanstein wurde zur Schaffung der standesmäßigen Voraussetzungen für eine Ehe mit Luise am 19. Juli 1826 von Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg, nach ihren Gütern im Altenburger Land, zum Grafen von Pölzig und Beiersdorf ernannt. Am 18. Oktober 1826 heirateten Luise und Alexander und lebten bis Februar 1831 in St. Wendel. Am 16. Februar 1831 reiste Luise mit ihrem Mann aufgrund eines zunehmend schlechteren Gesundheitszustandes zwecks Untersuchungen nach Paris. Es wurde ein unheilbarer Gebärmutterkrebs festgestellt. Bettlägerig verstarb Luise am 30. August 1831 in Paris. 1832 wurde sie in einer Gruft der Dorfkirche von Pfeffelbach bestattet. 1846 wurde sie in die herzogliche Gruft in der Coburger Morizkirche überführt und 1860 fand sie im neuerbauten Herzoglichen Mausoleum auf dem Coburger Friedhof am Glockenberg ihre letzte Ruhestätte. Ihre Privatbibliothek befindet sich seit 1954 in der Landesbibliothek Coburg.

Als wir an einer Führung durch die Ehrenburg in Coburg teilnahmen, wunderte ich mich über die umfangreichen und kostspieligen Renovierungsarbeiten, die Herzog Ernst I. in der Ehrenburg ausführen ließ und fragte, wie man die Kosten in dem relativ armen Herzogtum Coburg aufbringen konnte. Eine Erklärung liegt in der raffinierten Vorgehensweise, mit der Ernst I. sich bereits vor der Hochzeit durch Verträge mit dem Hause Gotha abgsichert hat. Er wußte auch von Anfang an, dass seine Hochzeit mit Luise keine Zukunft haben würde und dies obwohl die Herzogin Luise in Coburg bei den Bürgern sehr beliebt war. Einfach ausgedrückt: Er wollte sich mit dem Herzogtum Gotha bereichern und deswegen mußte Herzogin Luise in die Isolierung vertrieben werden, die dann mit der ungewollten Scheidung endete.

Es gibt ein sehr interessantes Buch mit dem Titel "Die Schand-Luise" von Ulrike Grunewald.

Das Schicksal der Herzogin Luise von Coburg

Ich  hatte dieses Buch bereits nach unserem Besuch in Gotha gelesen. Die genauen Zusammenhänge und das dramatische Schicksal der in Coburg sehr beliebten Herzogin Luise habe ich erst nach unserem Besuch in Coburg und dem erneuten Lesen verstanden. 

Im Naturkundemuseum

 

Eigentlich wollten wir am Sonntag zur Feste Coburg. Aber der Weg im Regen vom Stadtzentrum zur Festung war uns dann dann doch zu anstrengend. Wir entdeckten auf halbem Wege das Naturkundemuseum , das wir besuchten und dabei interessante Zusammenhänge lernten.

Karnevalsumzug
 

Auf dem Rückweg zum Stadtzentrum fanden wir ein gemütliches Café am Marktplatz. Dort warteten wir bis der jährliche Karnevalsumzug vorbeikam. Alles war sehr bunt und laut. Dies hing auch damit zusammen, dass wir uns unter das maskierte Karnevalsvolk gemischt haben und von der Stimmung mitgerissen wurden. Danach begaben wir uns in unser IBIS Styles Hotel, das nahe am Stadtzentrum lag und deshalb zu Fuß erreichbar war. Für diese Reise hatten wir erstmals unsere kleineren Bord Cases mitgenommen, die wir ursprünglich für unsere Reise nach Sardinien gekauft hatten. Sie waren nicht notwendig da wir mit dem Zug zum Flughafen Frankfurt reisten und dort reichlich Transferzeit für unsere großen Koffer hatten. Im relativ kleinen IBIS-Zimmer (für Geschäftsreisende) haben sich beide bewährt.

Thai-Restaurant
 

Eigentlich hatten wir um 17 Uhr 30 einen Platz im Ratskeller reserviert. Als wir die Türe öffneten hatten wir den Eindruck, in einer lauten "Räucherbude" gelandet zu sein und machten umgehend kehrt. Auf dem Weg zum Ratskeller hatte ich ein Thai-Restaurant mit dem Namen KIM YIN JADE entdeckt. Dort fanden wir auch ohne Reservierung einen Platz. Das Essen war vorzüglich und eine freundliche Bedienung schuf eine sehr angenehme Atmosphäre.

Schloss Rosenau
 

Der folgende Montag, der 20. Februar 2023, war unser 25. Hochzeitstag und er sollte noch eine große Überraschung für uns bereithalten. Wir wollten das Schloss Rosenau, besuchen, das im Leben der beiden Brüder Ernst und Albert eine große Bedeutung hatte und später auch von Königin Victoria gerne besucht wurde. Leider  waren am Montag alle kulturellen Einrichtungen geschlossen und wir konnten das Schloss Rosenau nur von außen besichtigen.

Feste Coburg

 

Da wir an diesem Tag auch die Feste Coburg besuchen wollten, verliessen wir uns auf unseren Google-Navigator, der uns zu unserer Überraschung auf einen Waldweg führte, der immer enger wurde und ein Wenden nicht mehr möglich war (vielleicht hatte Jutta an ihem Smart Phone einen falschen Schalter eingestellt?). Plötzlich ging nichts mehr und unser Wagen blieb am Hang hängen. Zur normalen Strasse (unterhalb der Veste) war es nicht mehr weit und Jutta bat drei vorbeifahrende Strassenarbeiter um Hilfe. Mit ihrer geballten Kraft konnten wir  unser Auto aus dem "verbotenen" Bereich schieben (ich entdeckte ein Schild "Durchfahrt verboten").

Der verbotene Hang

Nachdem wir tief Luft geholt hatten, um diesen Schreck zu verarbeiten, besichtigten wir die Feste Coburg, die leider auch geschlossen war. Wir konnte die Aussicht über Coburg sehr gut genießen. Während dieser gesamten Aktion hörten wir Hubschraubergeräusche über uns und dachten schon, man würde uns suchen, da wir auf "verbotenem" Gebiet unterwegs waren. Die Erklärung war einfach: Es wurde ein Häftling gesucht, der aus dem Gerichtsgebäude in den Wald (in unserer Nähe) geflohen war. Am daruffolgenden Tag - wir waren bereits wieder zu Hause - erfuhren wir aus dem Fernsehen, dass man ihn in Coburg  an diesem Morgen wieder eingefangen hat.

Altar der Stadtkirche St. Moriz

Nach unserer Rückkehr zum Hotel, gingen wir zu Fuss noch einmal in das Stadtzentrunm, um die  Stadtkirche St.Moriz zu  besichtigen. Dort hatte Luther 1530 gepredigt. Bei herrlichem Sonnenschein und einer Bratwurst tauschten Jutta und ich unsere Eindrucke von Coburg aus und waren uns über die große historische Bedeutung einig. Jutta erinnerte ich mich an ein weiteres, interessantes "Frauenbuch":

                                  "Die Frauen aus dem Hause Coburg" von Erika Bestenreiner

 


Dieses Buch hatte ich 2015 ohne Bezug zum Haus Coburg gelesen. Dies änderte sich mit dem Besuch 2016 in Gotha und jetzt (2023) in Coburg. Es war immer noch ein Gewinn.


 




 

 

 

Montag, 19. September 2022

Die Grafschaft Bentheim mit der eindrucksvollen Burg

Burg Bentheim

 

Diesen Ausflug nach Bad Bentheim wollte Jutta eigentlich alleine durchführen, denn sie plante eine Freundin zu besuchen, mit der sie sich im Juli 2019 in Lüneburg getroffen hatte. Alles war organisiert. Die Übernachtung sollte im Niedersächsischen Hof stattfinden, denn die Bekannte konnte dort  Jutta sehr leicht erreichen. Dann kam die traurige Nachricht, die Freundin war an Krebs verstorben.

Niedersächsischer Hof

 

Die Hotelreservierung wollte Jutta nicht mehr rückgängig machen und so fuhren am 1. Wochenende im August 2022 nach Bad Bentheim. Es war sehr heiß (37 grd. C) und trotz Klimaanlage in unserem Auto kamen wir "genudelt" bei unserem Hotel in Gildehaus (4 km von Bad Bentheim entfernt) an. Deshalb waren wir froh, dass wir unsere Suite im Niedersächsischen Hof früher bekamen und ausgiebig duschen konnten. Den etwas anstrengenden Tag (wegen der Hitze)  beschlossen wir mit einem gepflegten Abendessen im vornehmen Restaurant des Hotels.

 

Blick auf die Kronenburg

Am Freitag fuhren wir erstmals die kurze Strecke von Gildehaus nach Bad Bentheim, um die imposante Burg auf dem Hügel zu besichtigen. Ein kleiner Burgführer half uns bei der Orientierung  auf dem Burggelände. Auf der Innenseite des Büchleins und auf einer Video-Leinwand in der Kronenburg begrüsste uns der jetzige Besitzer, Erbprinz Carl Ferdinand zu Bentheim und Steinfurt, der auch in der Burg wohnt (genau: im OG des Batterieturmes).

Die Burg wurde erstmals 1050 erwähnt. Seit 1421 wird sie kontinuierlich von den Mitgliedern der Grafen und Fürsten zu Bentheim und Steinfurt bewohnt. Im Rahmen eines Rundganges können alle Teile dieser Anlage besichtigt werden. Es beginnt mit dem Oberen Burgtor, der als Zugang dient. Der Zwinger ist ein Vorbau, der im 16. Jahrhundert errichtet wurde. Dort standen zur Verteidigung Geschütz.  Der Marstall aus dem 18. Jahrhundert wurde zur Unterbringung der Pferde verwendet. Heute finden dort Ausstellungen statt.

Der Rittersaal

 

Die Galerie ist der Verbindungsgang von der Wohnung der fürstlichen Familie im Batterieturm (aus dem 15. Jahrhundert) zu den Repräsentationsräumen in der Kronenburg. Als letzte Fluchtmöglichkeit diente das Ausfalltor mit einer in den Fels gehauenen Treppe. Der Burgbrunnen ist 23 m tief und soll von Gefangenen gegraben worden sein. Der sogenannte Pulverturm ist ein mittelalerlicher Bergfried, ist 30 m hoch und diente als Wachturm. Schließlich gibt es noch die Katharinenkirche aus dem 12. Jahrhundert.

Das Schlafgemach
  

Unter den Repräsentationsräumen der Kronenburg ist das Schlafgemach am Interessantesten, denn es wurde zum Gästezimmer ausgebaut. Es war für besondere Adlige vorgesehen. Dazu zählte die Königin Emma der Niederlande, die als Gast ihrer Schwester, der Fürstin Pauline zu Bentheim und Steinfurt, bis zu ihrem Tod 1934 desöfteren nach Bad Bentheim kam. Mit dem schwarzen Landauer, der heute noch in der Kutschenausstellung im rechten Flügel der Kronenburg zu sehen ist, wurde sie vom Bentheimer Bahnhof abgeholt und fuhr sie regelmäßig ins örtliche Kurbad. Königin Emma und Fürstin Pauline stammten beide aus dem deutschen Fürsenhaus zu Waldeck und Pyrmont.

Gedächtnisplatte

 

Am folgenden Vormittag besuchten wir den Jüdischen Friedhof von Gildehaus. Er lag nicht allzuweit vom Niedersächsischen Hof und wir erreichten ihn im Rahmen eines kurzen Spazierganges. Der jüdische Friedhof in Gildehaus wurde während der Nazi-Zeit vollständig zerstört. Grabsteine wurden als Fußwegplatten entweiht. Bereits kurz nach dem Kriege 1945 gedachte die jüdische Gemeinde mit einer Gedächtnisplatte (vor Ort) an die jüdischen Opfer.

Springbrunnen

 

Nach dem Besuch des Friedhofes fuhren wir wieder von Gildehaus nach Bad Bentheim. Diesmal  wollten wir den Schloßpark besichtigen. Dieser liegt unterhalb der Burg Bentheim und wurde 1913 zum Besuch Wilhelm II. eingeweiht. Interessant ist das runde Arrangement verschiedener Fontänen, die nach einem bestimmten Rhythmus aufeinander abgestimmt sind.

Otto Pankok Museum

 

Auf unserer Liste stand dann nur noch der Besuch des Otto Pankok Museums in Gildeshaus.Der Maler, Grafiker und Bildhauer wurde von den Nationalsozialisten verfolgt. Er ist bei einer Nazi-Größe, namens Schmelzer untergekommen, die ihn beschützt hat. Während dieser Zeit 1936 in Gildehaus entstanden sehr interessante Kunstwerke. Pankok hat selbst Juden versteckt, wie das Ehepaar Bartz.

Ostmühle von Gildehaus

 

Da die Mühle von Gildehaus oberhalb des Museums zu sehen war, wanderten wir den kurzen Weg hinauf, um sie zu besichtigen. Bei der Gildehauser Ostmühle handelt es sich um eine holländische Turmwindmühle bzw. einem so genannten Erdholländer. Die Mühle wurde in den Jahren 1749/1750 aus Bentheimer Sandstein erbaut und hat eine lange ereignisreiche Geschichte hinter sich. Mehrmals war sie vom Abriss bedroht. Seit 1986 ist sie wieder funktionsfähig und wird von Hobbymüllern des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Gildehaus betrieben und gepflegt. Und bei Mahlwind stellen Hobbybäcker im alten Backhaus nebenan aus dem frisch gemahlenen Korn knuspriges Brot her. Führungen für Gruppen sind nach vorheriger Anmeldung möglich.

Mit interessanten Eindrücken ("Sehenswürdigkeiten in Niedersachsen") fuhren war am folgenden Sonntag wieder nach Hause.




Freitag, 19. August 2022

Die Saalfelder Feengrotten und weitere Sehenswürdigkeiten

Saalfelder Feengrotten
 

Als JUTTA vorschlug, die Saalfelder Feengrotten an einem  verlängerten Wochenende zu besichtigen, war ich erst einmal überrascht, denn diese Sehenswürdigkeiten waren mir völlig unbekannt. Dies ist aber nicht neu für mich, denn JUTTA ist sehr geschickt im Finden neuer Reiseziele, die mit dem Auto, der Bahn oder dem Bus erreichbar sind.

Wir haben früher zahlreiche Fernreisen nach Indien, China, Südafrika, Vietnam und in den Oman unternommen. Das bedeutete immer eine größere Vorbereitung (Visa, Impfungen usw.) - aber die Flüge klappten und das Gepäck kam an. Wir haben Anfang Oktober 2022 eine Woche Ferien auf Sardinien gebucht. Wir fliegen mit der Lufthansa von Hannover nach Frankfurt mit einer 3/4 h Transferzeit auf den LH-Flug nach Sardinien. Da in Frankfurt das totale Chaos bei der Sicherheitskontrolle und der Gepäckabfertigung herrscht, wollten wir 4 h früher fliegen bzw. "rail and fly" buchen. Beides ging nicht! Wir kauften uns deshalb 2 Handgepäck-Kabinentrolley, die wir mitnehmen können. Von der Sorge bezüglich verlorengegangener Koffer sind wir erst einmal befreit. Über uns schwebt aber immer noch das Damoklesschwert, dass Flüge überraschend gestrichen werden können. Es wird also sehr spannend.

Nachtrag: TUI hat den Zubringerflug gestrichen. Dafur gibt es den "Rail and Fly" Zusatz. Ob die zahlreichen Gespräche, die Jutta geführt hat oder mein Beitrag, den ich auch bei Twitter und LinkedIn veröffentlicht habe, dazu geführt haben, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Nun ist also nachvollziehbar, warum wir gerne auf Flugreisen (die auch noch sehr teuer geworden sind) verzichten wollen und Unternehmungen mit unserem eigenen Auto vorziehen. So begannen wir unseren Ausflug nach Saalfeld am Donnerstag, den 14. Juli 2022, voller Begeisterung, denn wir fuhren erst einmal die Strecke nach Erfurt über die kurvenreiche B4 ab Nordhausen. Über die A71, die wir bereits auf dem Weg nach Masserberg/Rennsteig kennengelernt hatten, ging es bis zur Abfahrt Rudolstadt und dann weiter bis Saalfeld.

Eingang zum Street Food Festival
  

Auf dem Parkplatz von Saalfeld wurde gerade das Street Food Festival (15. bis 17. Juli 2022) vorbereitet und dafür waren mehrere Zufahrtsstrassen gesperrt und in Einbahnstrassen umgewandelt. So war es für uns schwierig, den Zugang zum Hotel Anker zu finden. Wir parkten unseren Wagen in der Nähe und gingen zu Fuß zum Hotel. Dort erklärte man uns die Anfahrt zum hoteleigenen Parkplatz.

Das Zimmer gefiel uns sehr gut, denn es war großzügig angelegt und die Aussicht war in Richtung Marktplatz, von wo allerdings der Lärm der Veranstaltung "Street Food Festival" bis 22 Uhr herüberschwappte. Erst dann konnten wir die Fenster öffnen. Eine Überraschung war auch das Himmelbett mit Baldachin. So etwas haben wir in Pushkar in Indien 2007 erstmals erlebt. Später hat sich dies im Schlafzimmer des Niedersächsischen Hofes wiederholt.

Eigentlich wollten wir das Abendessen beim Chinesen in der Nähe einnehmen. Leider hatte dieser seit einiger Zeit geschlossen. Nach einigem Suchen fanden wir den Inder "Naan n Curry" in der Blankenburgerstrasse 8. Das Essen hat uns sehr gut geschmeckt und wir konnten unsere Erinnerungen an die Rajasthan-Rundreise 2007 pflegen - und das in einer freundlichen, deutschen Stadt, die vor nicht allzulanger Zeit zur DDR gehörte.

Da wir uns selbst versorgten, besuchten wir am folgenden Morgen den CAP-Markt am Marktplatz. Dieser lag sehr günstig, denn so konnten wir zu Fuß unseren Einkauf erledigen. Erst bei den Recherchen zu diesem Bericht, habe ich erfahren, dass GAP zu EDEKA gehört und ich meine Deutschlandccard hätte verwenden können.

Der Zitronenfalter zu Besuch
 

Die Saalfelder Feengrotten lagen etwas außerhalb und waren Dank der guten Beschilderung leicht zu finden. Jutta organisierte die Führung durch die Saalfelder Feengrotten und bekam dabei Besuch von einem Zitronenfalter. Vor Beginn der Führung wurden wir mit einem Cape und einer Mütze eingekleidet. Dann gab es das obligatorische Gruppenfoto mit einer Kamera, die hoch im Baum befestigt war, und wo nach dem Schnappschuss Rauch aufstieg. Der Fotograf war in einem Häusschen versteckt. Die fertigen Fotos konnten am Ausgang gekauft werden.

 

Die Saalfelder Feengrotten sind ein Schaubergwerk, das aus einem stillgelegten Bergwerk entstanden ist. Es wurde 1914 eröffnet. Berühmt sind die Feengrotten vor allem für ihre bunten Tropfssteinhöhlen. Das ehemalige Alaunschieferbergwerk hieß „Jeremias Glück“. Seit 1993 steht das Schaubergwerk  als „Die farbenreichsten Schaugrotten der Welt“ im Guinness-Buch der Rekorde.

Villa Bergfried

 

Nach diesem eindrucksvollen Besuch der Feengrotten wollten wir den Park und die Villa Bergfried  besichtigen. Dies war kein einfaches Unterfangen, denn der Weg dorthin war nicht eindeutig ausgeschildert. Wir landeten erst einmal beim Sanatorium Bergfried. Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum von Saafeld lag der Park  auf der rechten Seite und war dann entsprechend ausgeschildert.

Am 3. Juni 1855 eröffnete der damals 25-jährige Franzose André Mauxion (1830–1905) als gelernter Confiseur in Berlin eine Confiserie. Diese Fertigung wurde 1872 um eine Schokoladenproduktion erweitert. André Mauxion übertrug 1895 seinen Söhnen Alfred und Felix die Geschäftsführung. Er zog sich aus dem Unternehmen zurück. Da die Berliner Fabrikräume nicht mehr ausreichten, kauften die Söhne die Neumühle bei Köditz in der Nähe von Saalfeld/Saale. Im Winter 1900/1901 war der Umzug der Fabrik von Berlin nach Saalfeld. Man nutzte die Wasserkraft für neuartige Conchiermaschinen, die man nach eigenen Plänen bauen ließ. 

Unternehmer Ernst Hüther mit Gattin

 

Am 5. September 1911 wurde die bisherige offene Handelsgesellschaft André Mauxion in Neumühle bei Saalfeld an der Saale in die Chocoladenfabrik Mauxion mbH umgewandelt. Es traten drei neue Gesellschafter ein, darunter der spätere Alleineigentümer Ernst Hüther (1880–1944). Die Brüder Mauxion zogen sich aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr aus dem Geschäft zurück. Am 28. Juni 1913 endete die Vertretungsbefugnis von Alfred Mauxion. Ernst Hüther übernahm die Unternehmensleitung und erhöhte am 12. November 1913 das von ihm eingebrachte Stammkapital von 100.000 Mark auf 330.000 Mark. Die Brüder Mauxion verließen zu diesem Zeitpunkt die Stadt Saalfeld und zogen zurück nach Berlin. Sechs Jahre nach Eintritt in das Unternehmen Mauxion übernahm es Ernst Hüther 1917/1918 als Alleininhaber. Hüther stammte aus Pößneck in Thüringen und absolvierte dort eine kaufmännische Lehre bei dem 1876 gegründeten Schokoladenhersteller Robert Berger (heute Schokoladenwerk Berggold). Im Jahr 1909 arbeitete er in Berlin als Generalvertreter der Tangermünder Schokoladenfabrik.

Die Zeit des Ersten Weltkriegs war die erste große Herausforderung für den Geschäftsführer Hüther. Als wegen der Seeblockade Deutschlands durch die britische Royal Navy die Kakao-Lieferungen ausblieben, entwickelte Mauxion ein besonderes Verfahren zur Nutzung von Getreidekeimen. Ersatzlebensmittel wie Nährsuppen und ein sogenannter „Morgentrank“ wurden hergestellt; zeitweise waren es 300 Zentner pro Tag. 

Zwischen 1921 und 1928 wurden die alten Mühlenanlagen abgerissen und ein moderner Industriebetrieb errichtet. Die Neubauten waren erforderlich, da der Umsatz nach dem Ersten Weltkrieg stetig anstieg. Das spiegelte sich auch in der Zahl der Beschäftigten wieder: Von 500 im Jahr 1920 stieg die Zahl der Arbeiter und Angestellten auf etwa 1800 im Jahr 1925. 1924 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 17,4 Millionen Reichsmark. Dieser Wert konnte bis 1933 nicht wieder erreicht werden. 

Anfang der 1920er Jahre erlebte die Schokoladenproduktion in  Deutschland einen rasanten Aufschwung, der im Jahre 1924 seinen Höhepunkt erreichte. Im Winter 1925/1926 kam es dann zu einer Krise, die das Werk vorübergehend stillegte. Ausgelöst wurde sie durch Neugründungen und Fabrikvergrößerungen in Deutschland, in deren Folge eine Überproduktion vorlag. Die Schokoladenfabrik Mauxion geriet in Zahlungsschwierigkeiten. Der Konkurs konnte nur mit Hilfe des Thüringer Regierung abgewendet werden. 

Danach normalisierten sich die Umsätze. Von 1931 bis 1933 fielen die Umsätze weniger und sanken auf weniger als die Hälfte des Niveaus von 1929. In Anbetracht der Verluste, die das Unternehmen verzeichnete, versuchten die Kreditgeber unter Führung der Dresdner Bank in den Besitz von Gesellschaftsanteilen zu kommen. Die Banken kündigten sämtliche Kredite, worauf Hüther alle Zahlungen einstellte und keine Bilanzen mehr vorlegte. 

Da die Vermittlungsversuche scheiterten, setzten die beteiligten Banken die Schokoladenfabrik Mauxion in Verzug. Die Commerzbank eröffnete wegen eines Teilbetrags von 200.000 Reichsmark gegen das Unternehmen und auch gegen Ernst Hüther als Bürgen ein Verfahren, das vor dem Landgericht Rudolstadt ausgetragen wurde. Das Urteil am 27. Februar 1936 ging in vollem Umfang zu Gunsten der Commerzbank aus. Daraufhin schaltete sich Otto Eberhardt als Thüringer Gauwirtschaftsberater der NSDAP ein. Unter seinem Druck lenkte das Bankenkonsortium ein. Die Forderungen nach Ablösung Hüthers von der Geschäftsleitung wurde zurückgenommen. Außerdem fanden sich die Banken bereit, ihre Zinsansprüche deutlich zu reduzieren. 

Zwischenbemerkung:  Nachdem ich diese detaillierten  Informationen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des "erfolgreichen" Unternehmers Ernst Hüther bei WIKIPEDIA gefunden und hier zitiert habe, hat sich mein Bild dieser Saalfelder Persönlichkeit, der in seiner Villa Bergfried rauschende Feste veranstaltet hat, drastisch verändert. Waren es doch schließlich die Nazis, die ihn 1936 vor großer Not gerettet haben - wie bereits 1925/1926 die Thüringer Regierung ihn vor dem Konkurs bewahrt hat.

Wie viele andere Unternehmer war Ernst Hüther bemüht, möglichst autark zu sein. So ließ er unter anderen eine eigene Buchbinderei, ein Sägewerk, eine Kistenfabrik, ein Kraftwerk und eine Autohalle errichten und eine Obstplantage anlegen. Eine Ziegelei wurde ebenfalls gekauft. Hüther besaß außerdem zahlreiche Häuser und Werkswohnungen, darunter das Mauxion-Hotel „Roter Hirsch“, die Gaststätte „Das Loch“ und Schloss Wetzelstein. Für sich und seine Familie ließ er die Villa „Bergfried“ anlegen, inklusive eines 20 Hektar großen Landschaftsparks mit Weiherhäuschen, Pförtnerhaus, Gärtnerei und Glockenturm mit Carillon. Den Mitarbeitern standen eine Gartenkolonie und ein Erholungsheim zur Verfügung. In den 1930er Jahren besaß Hüther in Saalfeld einunddreißig Immobilien und weitere im nahen Pößneck sowie in Garmisch-Partenkirchen und Frankfurt am Main. Die Stadt Saalfeld war untrennbar verbunden mit der Unternehmerfamilie und ihrer Schokoladenfabrik, die weit und breit der größte Arbeitgeber war. 

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Unternehmen in die staatlich gelenkte Kriegswirtschaft einbezogen. Es musste auf andere Erzeugnisse ausweichen und stellte neben Süßwaren kriegswirtschaftliche Nährmittel wie Malzkost, Melakost, Haferkakao, Suppenpulver, Trockenkartoffeln sowie Trockenobst und Trockengemüse her. Ab 1939 wurden 10,5-cm-Granaten, gegen Mitte des Jahres 1940 auch 8,8 cm-Granaten hergestellt. 1943 wurde eine vollständige Fabrikationsstraße mit kompletter Ausrüstung von den BMW-Werken in Eisenach und München nach Saalfeld verlagert, mit der auf eigene Rechnung Flugzeugmotorenzylinder hergestellt wurden. Im August 1944 starb Ernst Hüther. 

Stadtmuseum Saalfeld im Franzikanerkloster
 

Der dritte Tag war  für den Besuch des Stadtmuseums Saalfeld  vorgesehen. Dieses befindet sich im ehemaligen Saalfelder Franziskanerkloster. Es erstreckt sich über das gesamte Gebäude. Somit ist auch die ursprüngliche Klosteranlage, mit den Kreuzgängen und dem gotischem Dachstuhl, Teil der Ausstellung. Die Ausstellungsfläche beträgt insgesamt rund 2700 m².

Das Museum sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt in seinen Ausstellungen Objekte und Informationen zur Saalfelder Stadt- und Regionalgeschichte. Zeitlich reichen die Museumsinhalte von der Besiedelung des Saalfelder Raumes in der Steinzeit, über die Stadtgründung im Mittelalter, bis in die Gegenwart.

Die Besichtigung der gesamten Austellung war an dem Vormittag, den wir dafür vorgesehen hatten, nicht zu schaffen. Es gab aber trotzdem mehrere Highlights, die uns besonders interessierten: Die „Naturkundliche Sammlung Emil Weiske“ beinhaltet unterschiedliche Präparate exotischer Tiere und ethnologische Gegenstände, die der deutsche Naturforscher und Sammler Emil Weiske (geb. 19.5.1867 in Dolsenhain bei Altenburg - gest. am 15.3.1950 in Saalfeld) auf seinen Forschungsreisen mitgebracht hat. Von 1890 bis 1900 bereiste Weiske die USA, Hawaii, Fidschi, Neuseeland, Australien und Neuguinea. 1908 besuchte er Sibirien und die nördliche Mongolei. Seine letzte Reise führte ihn 1911 nach Argentinien, Brasilien und Paraguay. 

Die Tagebücher von Emil Weiske

 

Es ist interessant, dass der Naturforscher Emil Weiske zahlreiche Länder bereist hat, die ich 70 Jahre später ebenfalls kennengelernt habe. So entstand auch sofort ein besonderes Interesse für seine Sammlung.Als Emil Weiske am 9. Februar 1900 Fische mittels einer Dynamitpatrone fangen wollte, um für die Expeditionsteilnehmer Nahrung zu beschaffen, explodierte sie zu früh und zerschmetterte seine rechte Hand, die daraufhin amputiert werden mußte. Weiske fuhr deshalb nach Deutschland zurück und traf am 20. Mai 1900 nach zehnjähriger Abwesenheit wieder in Dolsenhain ein. Hier heiratete er Maria Lina Mäder, eine Nachbarin, mit der er dann sechs Kinder hatte. Dieses Handikap hielt ihn nicht davon ab, weitere Forschungsreisen zu unternehmen.

Flügelaltar

 

Das Stadtmuseum Saalfeld sammelt seit seiner Gründung Sakralgegenstände und spätmittelalterliche Bildwerke. 1928 gelangten drei in Saalfeld entstandene spätgotische Flügelaltäre als Leihgaben des Herzoglichen Hauses Sachsen-Meiningen in das Museum: Der Große Marienaltar aus Oberpreilipp, der Kleine Marienaltar aus Obernitz und der Annenaltar aus Oberpreilipp. Alle drei Altäre gingen zwischen 2001 und 2020 in musealen Besitz über. Sie sind als Teil der Dauerausstellung im ehemaligen Kapitelsaal beherbergt.

Auf dem Weg zum Fahrgastschiff

 

Als zweiter Programmpunkt dieses dritten Tages war eine Tour mit dem Fahrgastschiff auf dem Hohenwartestaussee vorgesehen. Der Weg von Saalfeld nach Hohenwarte war nicht sehr gut ausgeschildert. Trotzdem kamen wir rechtzeitig zur Abfahrt unseres Schiffes um 13 Uhr an. Der Stausee ist 27 km lang und bis zu 1 km breit. Die Rundfahrt ging nur über eine Entfernung von 11 km und dauerte 1,5 Std. An der Staumauer bei Hohenwarte befindet sich die tiefste Stelle mit 68 m Wassertiefe. Mit einem Wasserinhalt von 182 Mio. m³ ist er der drittgrösste Stausee Deutschlands und nimmt eine Fläche von 7,3 km² ein. Die Sperrmauer ist 75 m hoch und 412 m lang. Die Mauer wurde von 1936 bis 1942 gebaut.

Johanneskirche

 

Dies war wirklich ein besonders eindrucksvoller Tag und wir freuten uns schon auf die Heimfahrt am darauffolgenden Sonntag. Mit dem Besuch der Messe in der Johanneskirche um 9 Uhr 30 stimmten wir uns ein und baten um Gottes Segen. Wir bedankten uns auch für die wunderschönen Tage in Saalfeld.


                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                

 

 

 

 

 


 




 


Dienstag, 26. Mai 2020

Zwei Harzer Talsperren zu Corona-Zeiten (Söse- und Rappbodetalsperre)

Sösetalsperre

Nach 28 Tagen selbstauferlegter Quarantäne drängte es uns hinaus in die frische Luft und den herrlichen Sonnenschein. Bereits vor der Corona-Krise wollten wir unbedingt die Sösetalsperre bei Osterode besichtigen. Dies war also das Ziel unseres ersten Corona-Ausfluges.

Über die B243 gelangten wir relativ schnell nach Osterode am Harz (in 60 km Entfernung von Hildesheim). Auffallend war unterwegs der geringe Verkehr auf der Bundestrasse. Hinter Osterrode mußten wir in Richtung Goslar abbiegen und erreichten nach 10 km den großen Parkplatz der Sösetalsperre.

An der Sösetalsperre waren an diesem Karfreitag (10.04.2020) gegen 11 Uhr bei herrlichem Sonnenschein erstaunlich wenige Wanderer unterwegs. Den Sicherheitsabstand von 2 m konnte sehr gut eingehalten werden. Wir wanderten entlang dem südlichen Ufer der Sösetalsperre und fanden interessante Fotomotive Interessant waren auch die zahlreichen Informationstafeln entlang des Wanderweges. Wir waren an der Söstalsperre über 2 Stunden unterwegs und freuten uns wieder auf die Heimfahrt über die B243.

Überlaufbecken

Die Sösetalsperre wurde als erste Talsperre der Harzwasserwerke 1928 bis 1931 an der Söse gebaut und dient der Trinkwasserversorgung, dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung und der Stromerzeugung. Der Bau der Talsperre kostete damals 14,7 Millionen Reichsmark. Betreiber sind die Harzwasserwerke. 1933 begann der Bau einer Fernwasserleitung von der Sösetalsperre, deren nördlicher Ast bis Bremen reicht. Heute werden eher Städte und Kommunen im Raum Hildesheim und Hannover versorgt. Seit 1980 erhält auch die Stadt Göttingen Trinkwasser aus der Talsperre.

Damm der Sösetalsperre

Der Staudamm ist ein Erddamm mit einem mittigen Betonkern und Lehmdichtung. Das Wasserkaftwer, das zur Abdeckung von Spitzenlasten dient, hat eine Leistung von 1,44 MW und ein jährliches Arbeitsvermögen von 3,10 GWh. Die Hochwasserentlastungsanlage (Überlauf) ist am südlichen Übergang vom Damm zum Hang platziert.

Rappbodetalsperre

Der zweite Corona-Ausflug (am 3.5.2020) zur Rappbodetalsperre wäre beinahe zu einem finanziellen Fiasko geworden. Wir hatten dieses Reiseziel ausgewählt, da wir uns für die Hängebrücke bei Elbingerode interessierten. Nach einigen Schwierigkeiten (es gibt zwei Elbingerode - bei Herzberg und im Ostharz) kamen wir zu einem großen Parkplatz und ich löste fälschlicherweise einen Parkschein für ein Motorrad und einer Dauer von 4 h..

Später erfuhren wir von einer Mitatbeiterin des Grenzmuseums in Sorge, dass am Vormittag (wir kamen gegen 13 Uhr an) auf diesem Parkplatz die Polizei strenge Kontrollen durchgeführt hat. Sie überprüften die Nummerschilder und ihre Bekannte aus Braunlage (Niedersachsen) musste ein Bußgeld von 250,- € bezahlen, da sie unerlaubterweise in das gesperrte Sachsen-Anhalt gefahren ist.

Hängebrücke

Genau dies hätte uns auch passieren können, denn wir waren uns garnicht darüber im klaren, dass die Rappbodetalsperre in Sachsen-Anhalt lag. Wir fuhren über Osterrode an Braunlage vorbei, um zur Talsperre zu gelangen. Das Wetter war nicht so optimal wir beim ersten Ausflug und haben trotzdem die Hängebrücke gefunden, die allerdings gesperrt war. Nun wissen wir, wo sie sich befindet und wir werden nach dem Ende der Corona-Sperren wiederkommen.

Staudamm

Die Rappbode-Talsperre oder Rappbodetalsperre ist eine 1952 bis 1959 errichtete, aus Talsperre, Wasserwerk Wasserkraftwerk und Stausee bestehende Stauanlage im Harz, die besonders im Stadtgebiet von Oberharz am Brocken im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt liegt.

Ihre maximal 106,0 Meter hohe Staumauer, die höchste Deutschlands, staut besonders die Rappbode und deren Zufluss Hassel zum etwa 3,9 Quadratkilometer (km²) großen Rappbodestausee auf, der mit 109,08 oder, anderen Angaben zufolge, 113 Mio. Kubikmetern (m³) der volumenmäßig größte Harzstausee ist. Die Rappbode-Talsperre zählt mit der Großen Dhünntalsperre zu den beiden größten Trinkwassertalsperren Deutschlands.

Die Rappbode-Talsperre bildet mit weiteren Tal- und Vorsperren sowie Rückhaltebecken das Rappbode-Talsperrensystem zum Hochwasserschutz im Ostharz, wobei sie die unterhalb ihrer Staumauer besonders an der Rappbode gelegenen Ortschaften schützt und zudem der Trinkwasser- und Stromversorgung vieler naher Ortschaften dient.