Mittwoch, 11. Juni 2014

Entspannte Ferien am GARDASEE/Italien


Limone am Gardasee
Nachdem wir bereits im Frühjahr 2014 mit dem Fernbus (Hamburg III) nach Hamburg gereist waren und uns von diesem Transportsystem überzeugt hatten, freuten wir uns auf die Busreise zum Gardasee. Allerdings mussten wir sehr viel Geduld aufbringen.

Der Bus holte uns pünktlich am Mittwochabend, den 30. April 2014, gegen 22.50 Uhr am P+R-Parkplatz beim Cafe del Sol (wo wir unseren Wagen abgestellt haben) in Hildesheim ab. Die ersten Fahrgäste waren bereits in Hannover zugestiegen (wir waren die Einzigsten aus Hildesheim). Dann ging es weiter nach Bockenem, Seesen, Göttingen, Homburg (Efze) und Kirchheim (am Autobahndreieck), wo weitere Fahrgäste zustiegen.

Gegen 4 Uhr in der Früh waren alle Passagiere an Bord und wir hatten - ausgehend von unserem Startpunkt "Hildesheim" - ca. 200 km zurückgelegt. Es lagen noch ca. 800 km vor uns. Dieses Einsammeln kostete sehr viel Zeit und wir dachten auf der Rückreise würden wir weniger Zeit benötigen. Das zeigte sich aber als ein Trugschluss.

Nun kamen wir bei leichtem Regen ganz zügig voran und gegen 6.30 Uhr gab's auf einem Rastplatz den ersten Kaffee und eine Möglichkeit für den Toilettenbesuch bzw. sich die Beine zu vertreten. Das Wetter hatte sich auf dem Weg Richtung "Süden" entscheidend verbessert. Hinter Kufstein (Österreich) gab es eine weitere Pause (gegen 10 Uhr) auf einem größeren Parkplatz mit dem Landzeit Motorhotel in der Nähe von Angath. Hier hatte ich Gelegenheit, einige Informationen (z. B. kam das Busunternehmen südlich von Hamburg) vom ersten Busfahrer Thomas (es stand auch ein zweiter Fahrer zur Verfügung) zu erfahren.

Der Autor unterhält sich mit dem Busfahrer Thomas

Kurz vor dem Ziel gab es gegen 12 Uhr noch ein "reichliches" Mittagessen (heiße Bockwurst, Kartoffelsalat, Bier bzw. Cola) aus der Bus-Kombüse und es schmeckte ausgezeichnet. Trotzdem dauerte es noch bis 15 Uhr (insgesamt 15 Stunden Reisezeit) bis zu unserem Eintreffen im Hotel "La Limonaia" in Limone am Gardasee.

Auch dies war - wie die Dauer der An- und Abreise - das Geheimnis der Reiseanbieters: Im Prospekt wurden vier Hotels zur Auswahl genannt. Erst unterwegs erfuhren wir den Namen unseres Dreisterne-Hotels. Warum das so ist, konnte ich noch nicht klären. Nach dem Eintreffen ging alles relativ schnell. Wir bekamen das Zimmer 6510, das ideal im ruhigen Teil der Hotelanlage gelegen war. Der Kofferservice funktionierte ausgezeichnet. Vom Balkon, den wir uns mit den Zimmmernachbarn in 6508 teilten, hatte man eine herrliche Aussicht auf Limone.

Limone bei Nacht (vom Balkon)
Für den Speisesaal gab es eine gelbe Karte mit unseren Daten. Vielleicht sollte die Farbe "gelb" ein Omen für die kommenden Probleme sein? Es begann mit dem Zugang zum Speisesaal! Man konnte diesen zwar ebenerdig verlassen, Eintritt bekam man aber nur nach mühseligem Treppensteigen bzw. mit den Fahrstuhl. Mit einer Absperrung wurde der Zugang zur Holztreppe kontrolliert, über die man von der ersten Etage in den ebenerdigen Speisesaal gelangen konnte. Insbesondere für ältere Leute war dies äußerst strapaziös! Warum diese schwierige Prozedur? Mit einer Tischreservierung (siehe unten) und festgelegten Essenszeiten liesse sich das Problem elegant lösen und das "Trepp auf" und "Trepp ab" - System könnte abgeschafft werden.

Alle Tische waren numeriert - aber nur für das Bedienungspersonal. Die Gäste mussten sich ihre jeweiligen Sitzplätze regelrecht "erkämpfen". Es gab kein Gewohnheitsrecht. Uns ist passiert, dass wir zwei Plätze reserviert hatten und zum Buffet gingen. Als wir zurückkamen, waren diese besetzt und wir mussten uns neue Sitzgelegenheiten suchen.

Vor dem Buffet bildeten sich lange Schlangen mit entsprechenen Wartezeiten. Um dies zu umgehen, hatten wir uns angewöhnt, uns relativ früh im 1. Stock vor der Absperrung anzustellen, den gewählten Tisch im Erdgeschoss deutlich zu reservieren und die Getränke zu ordern. Dann konnte die "Schlacht am Kalten Buffet" beginnen. Interessant war auch der Kassier-Vorgang des Bedienungspersonals. Noch während des Essens wurden wir aufgefordert, zu zahlen. Dies gefiel uns garnicht, denn wir waren es gewohnt, die Rechnung nach dem Essen zu begleichen bzw. den Abrechnungsbeleg für die Rezeption zu unterschreiben. Aber: Reklamieren war zwecklos (vielleicht lag es an dem rumänischen Bedienungspersonal?).

Viel Freude hatten wir mit dem Minimarkt im Hotel, wo die Getränke zu einem zivilen Preis angeboten wurden. Gegenüber dem Kauf im Zentrum von Limone sparten wir uns den Transport. Da sich auf dem Zimmer kein Kühlschrank befand, konnten wir uns immer mit Gekühltem aus dem Minimarkt bedienen.

Noch einige Ausführungen zum Thema "Anwendungen"! Nach dem Prospekt des Reiseanbieters wurde im Hotel ein Kurprogramm mit 21 Anwendungen (Massage, Fango, Magnet-, Elektro- und Ozon-Therapie) angeboten. Das polnische Personal und auch die Lokalitäten fanden wir nicht sehr überzeugend. Wir fühlten uns auch an unsere Kur in Swinemünde erinnert, von der wir 2010 sehr enttäuscht waren. Da uns auch die Wartezeiten vor der Behandlung störten, nahmen wir an diesem Programm nicht teil. Wir haben es nicht bereut. (Hotelbewertung "La Limonaia")

Unser erster Ausflugstag ins Zentrum von Limone wurde von einem leichten Regenschauer begleitet. Aufgrund dieser Begleitumstände nutzten wir den Minibus. Er brachte uns in 10 Minuten zum Busbahnhof und kostete 1 Euro p. Person. Von dieser Haltestelle gelangten wir über die Uferpromenade ins Zentrum. Jutta kaufte interessante Souveniers und wir versorgten uns mit Getränken. Letzeres hat sich nicht gelohnt, da man im Minimarkt des Hotels zum gleichen Preise einkaufen konnte (wie wir später feststellten).

Gegen 13.10 Uhr war die Rückfahrt ins Hotel vorgesehen. Da nur 8 Personen mitfahren konnten, mussten wir noch eine Runde warten. Wir nutzten die Wartezeit noch für eine Flasche FORST-Bier (0,66 l) aus Südtirol und ein Cola. Nach der Rückkehr assen wir in der Pizzeria noch eine Kleinigkeit zu Mittag. Der erste Eindruck von unserem Feriengebiet war sehr positiv und wir erkannten schon, dass wir uns gut erholen würden.

Die Pizzeria
Der 3. Mai 2014 war am Gardasee ein herrlicher Sonnentag. Deshalb entschlossen wir uns (nach dem Frühstück um 8 Uhr), über den Panoramaweg ins Zentrum zu wandern. Wir nahmen uns sehr viel Zeit für die herrlichen Aussichtsmöglichkeiten und entdeckten schöne Fotomotive. Am Treppenaufgang eines älteren Hauses fanden wir auch einen Hinweis auf die Kirche San Rocco. Nach einigem Klettern fanden wir den Eingang zu dieser kleinen Kirche.

Der Altar der Kirche San Rocco

Der Heilige San Daniele Comboni (geboren in Limone)

Ein Bild zeigte eine wichtige Persönlichkeit, deren Bedeutung für Limone ich erst später aus der Informationsbroschüre der Gemeinde Limone erfahren habe. Comboni wurde am 15. März 1831 in Limone geboren und starb am 10. Oktober 1881 in Khartum/Sudan.  Er arbeitete als Missionar in Afrika und hat dort eine ausgezeichnete Arbeit geleistet. Dafür wurde er 1996 selig- und am 5. Oktober 2003 heiliggeprochen. Das Missionarszentrum befindet sich immer noch in Limone.

Blick vom Panoramaweg
Kurz nach der Kirche hatten wir bereits das Zentrum in etwas weniger als einer Stunde erreicht. (Reisetipp: "Panoramaweg") Google+ hat unser Fotoalbum benutzt, um unter dem Titel "Panoramaweg" eine sehr interessante Collage zu erstellen. (Bilder "Panoramaweg")

Zitrone
An dieser Stelle möchte ich gerne einige geschichtliche Informationen über unseren Ferienort Limone beitragen. Das Gebiet wurde bereits 600 vor Christus von keltischen Stämmen besiedelt. Während der Venetianischen Republik (Anfang des 15 Jahrhunderts) entwickelte sich Limone zu dem am nördlichsten gelegenen Anbauzentrum für Zitrusfrüchte in Europa. Es herrschte ein extrem günstiges Klima.

Ehemalige Zitronenplantage (links) und Hotelanlage "La Limonaia"
Dies war aber nicht ausreichend, denn es fehlte kostbare Erde, die mit Schiffen vom südlichen Ufer herbeigeschafft wurde. Dicke Steinmauern dienten dem Schutz der Früchte vor den Nord-Ost-Winden. Noch heute erinnern meterhohe Steinpfähle an die Dachkonstruktion, die im Winter montiert wurde (ich dachte zuerst an Bauruinen, wie ich sie in der Türkei kennengelernt habe).

Johann Wolfgang von Goethe hat in seinem Reisebericht "Die Italienische Reise" (Sept. 1786 bis Mai 1788) die Zitronengärten von Limone auf dem Weg von Torbole nach Malcesine beschrieben:

 "13. September 1786 - Der Morgen war herrlich, zwar wolkig, doch bei der Dämmerung still. Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, Terrassenweise angelegt, und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein reiches und reinliches Ansehen geben. Der ganze Garten besteht aus Reihen von weißen viereckigen Pfeilern, die in einer gewissen Entfernung voneinander stehen und stufenweis den Berg  hinauf rücken. Über diese Pfeiler sind starke Stangen gelegt, um im Winter die dazwischen gepflanzten Bäume zu decken. Das Betrachten und Beschauen dieser angenehmen Gegenstände ward durch eine langsame Fahrt begünstigt."

Limone lag damals noch sehr abseits gelegen und konnte nur über den See oder über unwirtliche Bergwege erreicht werden. Der wirtschaftliche Aufschwung gelang erst ab 1931 mit der Fertigstellung der Westlichen Gardesana Strasse. Nun gab es auch eine weitere Einkommensquelle: den Tourismus.

Zitronen
In den 1770er-Jahren erlebte der Zitronenanbau einen Aufschwung (bis 1840 beliefen sich die Ernteerträge auf 6 Mio. Früchte pro Jahr). Bereits 1870 brachte Sizilien billigere Produkte auf den Markt. Den Zusammenbruch erlebte man in Limone mit dem "Schwarze Winter" 1928/1929 als rund um den Gardasee fast alle Zitronenbäume erfroren.

Uferpromenade
Im Zentrum von Limone folgten wir der (Uferpromenade), die am See entlangführte. (Bilder "Uferpromenade") Am Plaza Garibaldi entdeckte Jutta einen kleinen Laden, in dem man sich mit Proviant (frischgeschnittene Brötchen, leckeren Schinken und dickgeschnittenen Käse) versorgen konnte. Das entsprach genau unseren Vorstellungen und wir genossen diese deftige Mahlzeit nach der Rückkehr ins Hotel bzw. auf dem Balkon mit der herrlichen Aussicht auf Limone.

Der Swimmingpool
Auch der folgende Tag war wieder ein herrlicher Sonnentag. Diesen "Sonntag" genossen wir auf der Sonnenterrrasse unterhalb unseres Zimmers. Am Anfang war es windig. Dann wurde es für unsere Verhältnisse sehr warm und wir zogen uns auf den kühleren Balkon zurück, um wieder unsere Brotzeit mit einem Schluck Wein einzunehmen.

Einkaufspassage für Verlobungsringe
Auch am Montag, den 5. Mai 2014, wurden wir vom Wetter nicht enttäuscht, denn es herrschte wieder "eitel Sonnenschein". Wir entschieden uns erneut für den interessanteren Panoramaweg. Diesmal hatten wir uns vorgenommen, "Verlobungsringe" zu kaufen. Wir wurden relativ schnell fündig. Natürlich gibt es hier noch ergänzende Informationen, denn wir sind bereits seit 16 Jahren verheiratet. Leider gingen uns auf unseren Reisen die Eheringe verloren und wir versuchen es noch einmal mit den Verlobungsringen.

Limone bei Nacht (vom Balkon)
Im Touristikbüro an der Uferpromenade besorgte ich mir eine detaillierte Informationsbroschüre mit interessanten Details über Limone (aus der Geschichte habe ich bereits zitiert). Am Abend gelangen mir vom Balkon aus einige schöne Nachtaufnahmen (Langzeitbelichtungen) von Limone. Nachtaufnahmen finde ich besonders reizvoll, denn sie erfordern ein gewissen technischen Aufwand (Stativ, Fernauslöser und Fingerspitzengefühl). Dies konnte ich bereits auf meinen Südamerika-Reisen vor mehr als 40 Jahren üben.

Vom Hotel Tequendama in Bogota/Kolumbien (1975)
Der 6. Mai war wieder ein Tag mit sehr viel Sonnenschein. Die Zimmertür stand offen und ich konnte um 5.30 Uhr das Vogelgezwitscher hören. Dies sind vetraute Geräusche, die ich auch von meinen Waldspaziergängen zu Hause kenne. Wir versuchten es wieder mit der Sonnenterrasse. Dabei freuten uns schon auf den folgenden Tag, denn wir hatten eine Gardasee-Rundfahrt mit dem Boot gebucht.

Unser Boot für die Gardasee-Rundfahrt
Zum erstenmal im Urlaub klingelte am Mittwochmorgen um 7 Uhr unser Handy, denn wir wollten rechtzeitig zum Frühstück. Danach hatten wir bis zur Abfahrt des Bootes (9.30 Uhr) noch soviel Zeit, dass wir uns entschlossen, zu Fuss auf dem Panoramaweg in den Hafen zu gelangen.

Private Villa auf der Isola del Garda
Die Tour begann planmässig am Neuen Hafen von Limone an der Uferpromenade. Wir fuhren am westlichen Gardaseeufer vorbei an malerischen Orten und historischen Stätten, wie Gargnano (mit der Villa Feltrinelli - längere Zeit der Aufenthaltsort Mussolinis). Auch die größte Gardaseeinsel Isola del Garda konnte bewundert werden.
Der römische Dichter Gaius Valerius Catullus
Gegen 11.15 Uhr kamen wir in Sirmione - unserem ersten Ziel - an. Nun hatten wir über 2,5 Stunden zur freien Verfügung, um diesen interessanten Ort kennenzulernen. Zuerst besichtigten wir die versteckt gelegene Kirche Santa Maria Maggiore, die für ihre Freskenmalereien bekannt ist. (Reisetipp "Kirche Santa Maria Maggiore") Dann stiessen wir zufällig auf ältere Klosterruinen. (Klosterruine "San Salvatore") Nach diesen eindrucksvollen Sehenswürdigkeiten  wollten wir in der Nähe des Hafens noch eine Kleinigkeit Essen und Trinken. Das funktionierte gut - nur der Preis für das Weizenbier war exorbitant. ("Das teuerste Weizenbier")

Nach diesem Reinfall bestiegen wir planmässig wieder das Boot, um gegen 14.30 Uhr in Garda anzulegen. Die 1,5-stündige Pause benutzten wir zu einem gemütlichen Spaziergang an der Uferpromenade. Dort begegnete uns völlig  überraschend eine ältere Meerjungfrau. (Reisetipp "Die Meerjungfrau")
Die Meerjungfrau in Garda
Dann fuhren wir über Malcesine (dort stiegen mehrere Fahrgäste aus) weiter zu unserem Ausgangspunkt Limone. Obwohl sich das  Wetter zwischendurch (insbesondere während den Überfahrten) recht stürmisch zeigte, erschien zwischendurch auch die Sonne. Ich kann behaupten: es war eine rundum interessante Veranstaltung. (Reisetipp "Gardasee-Rundfahrt") Von meinen Bilder-Alben hat GOOGLE+ wieder eine eindrucksvolle Collage zusammengestellt. (Bilder "Gardasee-Rundfahrt")

Eidechsen im Blumenbeet
Bei strahlenblauem Himmel beobachteten wir am folgenden Morgen mehrere Eidechsen, die auf den Blumenbeeten am Balkon vorbeihuschten. Dies war auch eine günstige Gelegenheit, die Ereignisse des vorangegangen Ausflugstages zu rekapitulieren.

Der Freitag war der vorletzte Tag vor der Abreise. Deshalb fotographierte noch besondere Eindrücke für meine Hotelbewertung. (Bilder "Hotelanlage")  Sehr schnell ging es dann auch mit der Abreise am Samstag, den 10. März 2014. Über die längere Rückreisezeit habe ich bereits geschrieben. Aber entscheidend war, dass wir wieder gesund zu Hause ankamen. Es war diesmal ein Urlaub mit kleinen Hindernissen - aber einem sehr hohen Erholungswert.

Text und Fotos: Klaus Metzger



Kommentar veröffentlichen