Montag, 13. September 2010

August 1964 - meine erste Reise nach STRALSUND (DDR)!

Tragflügelboot
Nach dem erfolgreichen Abschluß der Mittelschule in Schwetzingen, begann ich im Frühjahr 1961 bei der Mohr & Federhaff in Mannheim-Rheinau eine Lehre als Maschinenschlosser. Meine Lehrfirma baute Krane, Aufzüge und Prüfmaschinen. Sie besteht heute nicht mehr. Dort war es Tradition, dass die Lehrlinge des 2. Lehrjahres eine gemeinsame Freizeit auf einer Hütte im Montafon/Österreich verbrachten. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt einen Badeunfall (ich hatte mir beim Springen vom Brett den rechten Ringfinger gebrochen), so daß ich erst im folgenden Jahr 1963 teilnehmen konnte. Ein Erinnerungsfoto aus dieser Zeit zeigt mich mit dem kleinen Sohn Hannes der Wirtsleute und meinen Lehrlingsfreunden Dieter und Franz. Es machte mir großen Spaß, Hannes mit "Bluadenz" zu ärgern. Dort stammte er her. Korrekt hieß der Ort natürlich Bludenz. Die Hütte lag auf einer Anhöhe im romantischen Tal von Gargellen. Ich kann mich noch erinnern, dass wir während der Anreise mit dem Zug durch das östereichische Feldkirch fuhren.
Lehrlingsfreizeit im Montafon/Österreich 1963

Offensichtlich war ich ein guter, vorbildlicher Lehrling. Zur Weihnachtsfeier 1963 war ich zuerst ein verkleideter Nikolaus, der die Geschenke verteilen durfte. Dann mußte ich mich schnell umziehen, denn "für meine guten Leistungen im dritten Lehrjahr" wurde ich mit meinem ersten Buchpreis "Taten und Schicksale - Höhepunkte weltgeschichtlicher Entwicklung" (Herausgeber: Gustav Wenz) ausgezeichnet.
Buchpreis Weihnachtsfeier 1963

Am 31. März 1964 (bereits nach 3 Jahren) beendete ich meine Ausbildung als Maschinenschlosser mit dem Facharbeiterbrief (Fertigkeitsprüfung: gut, Kenntnisprüfung: sehr gut). Und wieder gab es Buchpreise: "Ufer hinter dem Horizont - die grossen Entdecker der Erde von Kolumbus bis zur Weltraumfahrt" (Autor: Joachim G. Leithäuser) und "Unser Europa" von der Gewerbeschule I in Mannheim. Nach dem Abschluß dieser beruflichen Ausbildung wollte ich an der Ingenieurschule Mannheim studieren. Davor lag aber erst einmal meine geplante Reise nach Stralsund.

Trotzdem möchte ich bei dem Thema "Buchpreise und Auszeichnungen" gerne etwas vorgreifen. Für meine hervorragende Leistung in der Ingenieur-Vorprüfung erhielt ich am 11. Februar 1966 meinen 4. Buchpreis "Von der Alchemie zur Großsynthese - von R. Sachtleben und A. Hermann". Mit einem eindrucksvollen Bildband "Morgen des Abendlandes - von der Antike zum Mittelalter" (Herausgeber: David Talbot Rice) wurde ich am 28. Juli 1967 wieder für meine hervorragenden Leistungen in der Ingenieur-Hauptprüfung belohnt.

Meine renommierteste Auszeichnung war im Mai 1987 der "Artur-Fischer-DABEI-Erfinderpreis" (dotiert mit 10.000,- DM) für meine Innovation "Kavitationsüberwachung und -kontrolle von Pumpen". Am 12. April 1985 hatte ich mit der Hamburger Pumpenfirma, F. Stamp KG in Hamburg-Bergedorf, einen Lizenzvertrag zur weltweiten Nutzung meiner Innovation abgeschlossen. Schon im Vorfeld der Auszeichnung kam es von Seiten der größten europäischen Pumpenfirma KSB (Frankenthal bei Ludwigshafen) zu Intrigen und Machenschaften. Aus heutiger Sicht war das der Beginn der zahlreichen Schwierigkeiten, die im Jahre 1988 durch den vertragswidrigen Zahlungsstopp meines Lizenznehmers zu meinem wirtschaftlichen Zusammenbruch führten. Diese Zusammenhänge habe ich detailliert in meinem "Erfinderhandbuch" beschrieben, das seit mehr als einem Jahr unter der Plattform www.erfinderprofi.de hochgeladen werden kann. Erfinderhandbuch

Doch nun zurück zum August 1964. Vor dem Beginn meines Studiums der Fachrichtung "Verfahrenstechnik" wollte ich meine Verwandten in Stralsund besuchen. Zum Thema "Verfahrenstechnik" gibt es eine kleine Geschichte, die sich im April 1964 ereignete: Der Schulfreund meines Vaters, Prof. Dr.-Ing. Meixner, war der damalige Direktor der Ingenieurschule. Mein Vater und ich besuchten ihn privat in seinem Haus in Brühl. Eigentlich wollte ich die Fachrichtung "Maschinenbau" studieren. Da diese bereits "ausgebucht" war, empfahl er mir die neue Fachrichtung "Verfahrenstechnik". Ich entschied mich dafür und bin heute noch der Überzeugung, dass diese Fachrichtung mir das Tor zur Welt öffnete ("Milch gibt es auf der ganzen Welt").

Mit dem Zug fuhr ich über Hamburg nach Stralsund. Die Fahrt verlief ohne besonderen Vorkommnisse. Selbst das Buch "Hundejahre" von Günter Grass konnte ich für meine Tante Margot in die DDR schmuggeln. Mit dem bekannten Autor und Literatur-Nobelpreisträger, Günter Grass, gibt es interessante Berührungspunkte, über die ich bereits an anderer Stelle (siehe Reisebericht "Sommerferien 1954 - alleine mit dem Zug nach HANNOVER") geschrieben habe. Hannover

Neben meinem Opa Felix und meiner Oma Grete (die Eltern meiner Mutter) wollte ich Tante Margot (die Schwester meiner Mutter) und ihre Familie in Stralsund besuchen. Letztere waren 1954 auf Wunsch meines Onkels in die DDR übergesiedelt. Das letzte Mal hatte ich sie in Groß-Giesen bei Hildesheim im August 1954 gesehen, wo ich nach 14 Tagen meine Sommerferien bei ihnen überraschend abbrechen mußte. Nun bestand die Familie aus sieben Personen, denn in der DDR war "Bübi" am 26. Januar 1957 als männlicher "Nachzügler" hinzugekommen. Leider verstarb Bübi in jungen Jahren bei einem Verkehrsunfall. Meine älteste Cousine lebt immer noch in Stralsund. Während Malli, Margot und Daggi über einen Ausreiseantrag 1985 wieder in den Westen kamen.
Malli und Klaus nach Hiddensee August 1964

Die Ferien in Stralsund habe ich immer noch in sehr schöner Erinnerung. Als ich kürzlich über das Thema "DANZIG" (wo ich am 13. November 1944 geboren wurde) telefonisch Kontakt mit Elfriede (sie ist eine Cousine meiner Mutter und ist ebenfalls 1944 geboren) in Stralsund aufnahm, gab es ein lautes Hallo, denn sie konnte sich noch sehr gut an meinen Besuch 1964 in Stralsund erinnern. Danach hatten wir keinen Kontakt mehr. Elfriede ist die "Archivarin" der Familienbilder, die sie sorgfältig auch über die Zeit in DANZIG gesammelt hat. Von ihr erhielt ich auch verschollene Fotos aus meiner frühesten Jugendzeit.
Familienausflug auf Hiddensee August 1964

Mit ihrem damaligen Freund, Dietmar (sie haben 1965 geheiratet), unternahm ich mehrere "feuchtfröhliche" Kneipentouren durch Stralsund. Dabei kam ich auch mit jungen russischen Soldaten, die ebenfalls auf Zechtour waren, ins "Gespräch". Dummerweise habe ich bei einem etwas höheren Alkoholspiegel die Angewohnheit, Englisch zu "quatschen". Dies war aber bei den Russen garnicht so sinnvoll und gottseidank konnte mich Dietmar, der damals 22 Jahre alt war, aus der brenzligen Situation befreien. Darüber sprach ich kürzlich auch mit Dietmar. Obwohl diese "Abenteuer" mehr als 46 Jahre zurückliegen, konnte wir uns noch so daran erinnern, als ob es erst gestern passiert wäre. Mit meiner ältesten Cousine (sie ist zwei Jahre jünger als ich) besuchten wir eine Disco, in der kein Twist getanzt werden durfte. Damals waren "Jeans" der Renner - meine schenkte ich Christiane. Später bekam ich als Dankeschön einen Bildband über das "Puschkin-Museum" in Moskau.

Aber auch Ausflüge auf die Inseln Hiddensee und Rügen vor der Haustüre standen auf dem Programm. Das gemeinsame Foto auf der Insel Hiddensee zeigt, dass wir für einen anständigen Picknick alles dabei hatten. Beim Besuch der Insel Rügen waren wir mit dem "Rasenden Roland" (einem fauchenden Dampfroß, das ich 2002 wieder gesehen  habe) unterwegs. Am einsamen Strand von Binz machten meine beiden Begleiter (Oma Grete und Opa Felix) und ich es uns gemütlich. Im nahegelegenen Mitropa-Restaurant wollten wir etwas essen - leider waren die Speisen ausgegangen.
Strand bei Binz

Binz auf Rügen Oktober 2002

In der Zeit vom Montag, den 7. Oktober bis Sonntag, den 13. Oktober 2002, habe ich mit meiner zweiten Frau, Jutta Hartmann-Metzger, auf der Insel Rügen einen Kurzurlaub verbracht. Ich wollte bei dieser Gelegenheit auch auf alten Spuren wandeln. Auch hier wurde ich enttäuscht, denn von dem einsamen Strand in Binz war nichts mehr zu finden und das Mitropa-Restaurant gab es nicht mehr. Allerdings entdeckte auf der Heimfahrt unterhalb vom Rügendamm die Stelle im Schilf, wo ich das geschmuggelte Buch "Hundejahre" heimlich zu Ende gelesen hatte. Das Wetter war die gesamte Zeit einfach zu schlecht, um die schönen Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Und dann mißfiel uns auch das sehr hohe Preisniveau, dem keine passende Gegenleistung gegenüberstand. Ich habe das alles sehr bedauert, denn in meiner Erinnerung waren die Ausflüge nach Hiddensee und Rügen sehr schön.
Stralsund August 1977

Stralsund August 1977
Mehr Glück hatte ich im Jahre 1977 als ich zu Pfingsten und im August mit meinen Eltern von Dänemark (Kopenhagen) mit der Fähre von Gedser nach Warnemünde und von dort weiter nach Stralsund fuhr. Die Einreiseformalitäten waren von Dänemark aus viel weniger kompliziert und ich konnte auf normalem Wege mit Stralsund telefonieren. Die Familientreffen im Garten meiner Tante Margot (vor dem Gartenhaus, das Onkel Heinz sich gebaut hatte) fanden bei herrlichem Sommerwetter statt. Mit meinen zahlreichen DIA-Aufnahmen (die ich digitalisierte) habe ich kürzlich Malli und Daggi eine große Freude bereitet, denn diese waren die einzigsten Farbaufnahmen für sie aus dieser Zeit. Es gab auch einige Fotos von Stralsund.
Bilder "Stralsund" 

Doch nun wieder zurück zu meinem Besuch in Stralsund im August 1964. Der Abschied am Bahnhof von meinen Verwandten fiel mir sehr schwer. Wie ich bereits schrieb, sollte es 13 Jahre dauern, bis wir uns wiedersahen. Opa und Oma waren allerdings Rentner, die uns jederzeit in Westdeutschland besuchen durften. Entspannt und guten Gewissens genoß ich die Heimfahrt, bis zwei DDR-Grenzbeamten meinen Koffer kontrollierten und einen neuen Bademantel entdeckten. Meine Oma hatte das Etikett herausgetrennt - ohne mir etwas davon zu sagen. Und Textilien durften nicht ausgeführt werden! Wie ein Verbrecher wurde ich aus dem Zug geführt und in einer Baracke vernommen. Der Bademantel wurde beschlagnahmt. Draußen wartete mein Zug auf mich. Zum Abschied wünschten mir die Beamten "ein erfolgreiches Studium" und ich konnte erleichtert zur Weiterfahrt wieder einsteigen. Meine Oma hat auf "bürokratischem" Wege den Bademantel später zurückgefordert und auch wiederbekommen.

Dies war die vierte und letzte "Reise meiner Jugend". In meinem ZEIT online - Beitrag habe ich eine Bilanz über diese Reisen gezogen. (Reisen meiner Jugend)
Nach dem erfolgreichen Studium begann für mich eine berufliche Entwicklung, in derem Rahmen ich die gesamte Welt bereist habe. Darüber habe ich in zahlreichen Vorträgen und Reisenotizen berichtet. Nun befinde ich mich im Ruhestand (65) und freue mich auf die schönen Reisen, die ich noch gemeinsam mit meiner zweiten Frau, Jutta Hartmann-Metzger (53), erleben werde.


Fotos und Text: Klaus Metzger

Diesen Reisebericht finden Sie auch in meinem Buch:
"Abenteuer meines Lebens (Teil I)" (Reisen meiner Jugend)




Kommentar veröffentlichen