Mittwoch, 11. Januar 2017

6. Die Goldene Meile von Durban in Südafrika

Im 1.Teil habe ich unter dem Thema Ein Flug in das Herz Südafrika's die Anreise und den ersten Tag in Johannesburg und Pretoria beschrieben. Die längere Reise Von Johannesburg zum Kruger Nationalpark in Südafrika wurde im 2. Teil behandelt. Die Erlebnistouren im Kruger Nationalpark fanden ihren Platz im 3. Teil   Wilde Tiere - hautnah in Südafrika. Im 4. Teil erzählte ich von unserer längeren Fahrt  Durch das Swasiland nach KwaZulu-Natal in Südafrika. Die Fortsetzung im 5. Teil erlebten wir Unter Flußpferden, Krokodilen und Nashörnern in Südafrika.

Durbans sechs Kilometer langer Sandstrand, "Golden Mile" genannt, ist zweifellos die größte Attraktion der Stadt. Bedingt durch das warme, subtropische Klima ist Baden im Indischen Ozean ganzjährig möglich. Die Strände sind zudem gut bewacht und mit Hainetzen gesichert. Als wir abends nach der längeren Busfahrt vom St.-Lucia-See in Durban ankamen war es bereits dunkel, sodass eine Strandbesichtigung nicht mehr möglich war. Dies wäre auch nicht empfehlenswert gewesen, da man uns vor kriminellen Elementen gewarnt hat, die sich überall in Durban herumschlichen.

Wir freuten uns auf das Raya Balmoral Hotel (Bewertung) und wurden überrascht, denn es ist zwar in die Jahre gekommen und hat sicherlich bessere Tage gesehen, aber die zahlreichen, farbigen Frauen in ihren bunten Kleidern waren in diesem Hotel eine Augenweide. Wir haben später erfahren, dass die Farbigen es nach der Aufhebung der Apartheid (1994) genießen, sich frei an diesen Plätzen zu bewegen, die ihnen vorher verwehrt waren. Diese Gruppe kam aus einem kleinen, abgelegenen Dorf und befanden sich gewissermaßen auf einem "Betriebsausflug". Unser farbiger Busfahrer kannte eine Teilnehmerinnen dieser Gesellschaft. Meine Frau, Jutta Hartmann-Metzger, war so begeistert, dass sie die älteren Damen um die die Erlaubnis bat, sie nach dem Frühstück fotografieren zu dürfen. (Bilder: "Gäste im Raya Hotel Balmoral")




Freundliche Gäste im Raya Hotel Balmoral

Noch etwas war anders in diesem besonderen Hotel: Unsere Koffer wurden auf unser Zimmer gebracht während wir im Restaurant unser Abendessen einnahmen und uns dort für die farbigen Hotelgäste interessierten, die uns während  unserer Rundreise erstmals in einem unserer Übernachtungshotels begegneten. Sonst mussten wir immer auf unsere Koffer im Hotelzimmer warten und den Empfang gewissermaßen mit einem "Trinkgeld" quittieren. Dies ist zwar die persönlichere und sicherere Lösung, die aber auch viel Zeit in Anspruch nehmen kann.


Surfer im Indischen Ozean (Durban)

Bei Tageslicht konnten am folgenden Morgen den berühmten Sandstrand ("Golden Mile") erkennen. Obwohl das Wetter sehr stürmisch war und es teilweise auch regnete, entschlossen wir uns zu einem einstündigen Spaziergang entlang der Strandpromenade. Es hat sich gelohnt, denn wir sahen stürmische Wellen , die vereinzelte Surfer herausforderten. Aber auch fleißige, farbige Jugendliche beobachten, die die Wasserbecken der Spaßbäder (die ebenfalls zur "Goldenen Meile" gehören) reinigten. (Reisetipp: "Strandpromenade von Durban")


Farbiges Reinigungspersonal für die Spaßbäder

Eine größere Gruppe Farbiger in blauen Arbeitsanzügen war dabei, Schäden an der Uferpromenade zur Strandseite hin auszubessern. Es ist schon überraschend, wie diese Menschen, die noch vor mehr als 20 Jahren unter der Apartheid litten, sich vorbildlich in das Arbeitsleben integriert haben. (Bilder: "Strandpromenade von Durban")


                              Farbige Arbeiter bei Ausbesserungsarbeiten an der Strandpromenade

Durban (früher Port Natal) ist eine wichtige Stadt am Indischen Ozean an der Ostküste Südafrikas. Mit über 3,4 Millionen Einwohnern nach der Volkszählung von 2011 ist der Großraum von Durban die größte Stadt der Provinz KwaZulu-Natal und nach Johannesburg und Kapstadt die drittgrößte Stadt der Regenbogen-Nation. Durban selbst hatte im Jahre 2011 595.061 Einwohner. Diese Metropole ist eine bedeutende Industrie- und Hafenstadt mit dem größten Hafen Afrikas und  wegen des subtropischen Klimas ein vielbesuchtes Urlaubszentrum des Landes KwaZulu-Natal.

 

Nun wieder zurück zu unseren touristischen Interessen in Durban: Gegen 9 Uhr startete die Stadtrundfahrt mit unserem Reisebus - nachdem unser Reisegepäck sicher verladen war, denn wir flogen am Nachmittag über Johannesburg nach Kapstadt. Entlang Durban's "Golden Mile" ging es erst einmal zum berühmten Hafen und von dort zur historischen City Hall (B). (Bilder: "Stadtrundfahrt")


Eingang zur City Hall

Das Rathaus von Durban wurde 1910 fertiggestellt und zeigt ein schönes Beispiel der neobarocken Architektur. Das aktuelle Rathaus ist eigentlich das zweite Gebäude in Durban zu diesem Zweck, als das erste Rathaus wurde von der Post übernommen, das nicht weit entfernt ist. In den späten 1880er Jahren wuchs Durban sehr stark und es wurde beschlossen, dass die Stadt ein größeres Rathaus benötigt. 1903 kündigte der Stadtrat an, neue Entwurfsvorlagen für das Rathaus entgegenzunehmen. Der gewählte Entwurf stammt vom Architekten Stanley G. Hudson, der vom Rathaus in Belfast (Nordirland) inspiriert wurde. Der Bau wurde 1910 fertig gestellt und wurde zu seiner Zeit wegen seinem "sehr kühnen und progressiven Design" als vorbildlich betrachtet.

Das Äußere verfügt über eine Kuppel und eine Reihe von Statuen, die die Künste, Musik, Literatur, Handel und Industrie darstellen sollen. Im Inneren der Halle werden polierte Holzböden, komplizierte Glasmalereien, schmiedeeiserne Balustraden, Marmorsäulen und verzierte Bögen gezeigt. Es gibt drei große Räume hinter der Fassade, die als Standorte für die städtischen Kammern, die Kunstgalerie und Bibliothek, sowie das Auditorium verwendet werden.

Turm der City Hall

Im zweiten Stock des Gebäudes befindet sich die Durban Art Gallery, in der eine beeindruckende Sammlung internationaler und südafrikanischer Kunst zu sehen ist. Das Naturwissenschaftliche Museum ist auch im Gebäude untergebracht und zeigt eine einzigartige Vielfalt an Stofftieren, Vögeln, Reptilien und Insekten, sowie ein Dodo-Skelett und Südafrikas einzige alte ägyptische Mumie.

Gegenüber dem Haupteingang der City Hall befindet sich ein großer Platz mit mehreren Denkmälern. Darunter fiel mir insbesondere  das eindrucksvolle Monument für Jan Christiaan Smuts auf. Ein Jahr später las ich das Buch ("Tod am Kap" von Martin Bossenbroek) und diese südafrikanischen Persönlichkeit fiel mir erneut auf. 


Denkmal für Jan Christiaan Smuts

Jan Christiaan Smuts (geb. am 24. Mai 1870 in Bovenplatz bei Riebeek West in der Kapkolonie und gestorben am 11. September 1950 in Irene bei Pretoria) war ein südafrikanischer Staatsmann, Philosoph, burischer General und britischer Feldmarschall. Von 1919 bis 1924 und von 1939 bis 1948 stand  er als Premierminister der Spitze der Südafrikanischen Union.


Seilbahn zum Dach des Moses Mabhida Stadions

Die nächste Station unserer Stadtrundfahrt war das Moses Mabhida Stadion (C). Auf Wunsch man auch mit der Seilbahn auf das Dach des Stadions fahren und von dort den herrlichen Ausblick über die Stadt genießen (dieses Vergnügen ist aber nicht kostenlos). Es ist an dieser Stelle sicher ganz sinnvoll, sich mit dem Namensgeber des Stadions zu befassen, denn er stand während der Apartheid als Farbiger auf der anderen, gefährlicheren Seite.


Denkmal Moses Mbheki Mnacane Mabhida vor dem Stadion

Moses Mbheki Mnacane Mabhida (geb. am 14. Oktober 1923 in Thornville bei Pietermaritzburg; gest. am 8. März 1986 in Maputo) war ein südafrikanischer Gewerkschaftsführer und Oppositionspolitiker. Mabhida war der Sohn armer Eltern, die von ihrem Land vertrieben wurden. Aufgrund der finanziellen Lage der Familie besuchte er die Schule bis zur 9. Klasse und begann 1942 als Kellner und in einer Manufaktur zu arbeiten.

Über seinen Vater hatte er früh Kontakt zu sozialistischen Idealen, sodass er 1942 der Communist Party of South Africa beitrat. Wegen des Verbots vieler Gewerkschaften zwischen 1952 und 1953 ging Mabhiba in den Untergrund und widmete sich vollständig der Arbeit für die Gewerkschaft. In den folgenden Jahren organisierte er die Arbeiterschaft in Natal und baute er den South African Congress of Trade Unions (SACTU) mit auf, zu dessen erstem Vizepräsidenten er 1955 gewählt wurde.

Seit Mitte der 1950er arbeitete er auch als Sekretär des ANC in Pietermaritzburg, wo er in engem Kontakt zu Albert John Luthuli stand. Nach der Ausrufung des Ausnahmezustandes nach dem Sharpeville-Massaker 1960 wurde Mabhida ins Ausland geschickt. Bis 1963 repräsentierte er den ANC in Prag und organisierte internationale Protestkundgebungen mit dem Weltgewerkschaftsbund. Aufgrund seiner Wahl in den geschäftsführenden Vorstand des ANC im Oktober 1962 überzeugte Oliver Tambo ihn, nach Südafrika zurückzukehren und beim Aufbau des Umkhonto we Sizwe ("Speer der Nation") mitzuwirken.

Nach einer militärischen Ausbildung wurde Mabhida Politoffizier für neue Rekruten, später Kommandeur des Umkhonto. 1969 wurde Mabhida wieder in den geschäftsführenden Vorstand gewählt, darüber hinaus in den Revolutionsrat und den Politisch-Militärischen Rat des ANC. Er baute den Sicherheits- und Geheimdienst des ANC auf und wurde 1979 Mitglied der Politisch-Militärischen Strategiekommission und Generalsekretär der Kommunistischen Partei.


Erinnerungstafel beim Moses Mabhida Stadion 

Mabhiba war zu dieser Zeit Anhänger des Marxismus-Leninismus und der Sowjetunion. In den Folgejahren lernte er bei seinen Reisen durch Afrika Samora Machel, den Anführer der Frelimo kennen, mit dem ihn bis zu seinem Lebensende eine enge Freundschaft verband. Bei einem Aufenthalt in Havanna 1985 erlitt er einen Infarkt; nach einer Krankheit verstarb Mabhida 1986 im Maputo, wo er auch begraben wurde. Die Trauerrede hielt Samora Machel. 2006 wurde der Leichnam von einer Delegation der Provinz KwaZulu-Natal nach Südafrika übergeführt und am 2. Dezember 2006 in Slangspruit bei Pietermaritzburg in Anwesenheit des damaligen Präsidenten Thabo Mbeki begraben.


Frauengruppe beim Moses Mabhida Stadion

Dass die Farbigen sich vor über 20 Jahren von den Fesseln der Apartheid befreien konnten, haben sie auch den ANC-Helden Moses Mabhida und Nelson Mandela zu verdanken. Deshalb war es für uns eine besondere Freude, farbige Frauengruppen zu entdecken, die ihre neugewonnene Freiheit genossen. (Bilder"Farbige beim Ausflug")

 

Bei diesen interessanten Eindrücken war es Mittagszeit geworden und wir begaben uns zum  King Shaka International Airport in La Mercy (außerhalb von Durban), um nach Johannesburg zu fliegen. Wir mußten uns von unserem liebgewonnenen, farbigen Busfahrer und unserer tüchtigen Reiseleiterin Margot (in Kapstadt empfing uns ihre Kollegin Brigitte von Reisebetreuung "African Eagle") verabschieden, den sie fuhren mit dem Reisebus zurück nach Johannesburg.

Der Flug nach Johannesburg war unproblematisch. Schwieriger war dort die Orientierung, den richtigen Flugsteig für die Maschine nach Kapstadt zu finden. Hilsbereit bot sich ein junger Mann als Guide an, der allerdings für seine Dienste entlohnt werden wollte (10 Rand). Gegen 20 Uhr kamen wir in Kapstadt an und freuten uns wieder auf unser Capetonian Hotel im Stadtzentrum (Bewertung).


Hinweistafel 

Aber hier herrschte erst einmal  Verwirrung, denn der Fahrstuhl funktionierte nicht einwandfrei und die Gepäckverteilung machte Schwierigkeiten. Zuguterletzt war unser Zimmer sehr enttäuschend. Dies änderte sich bei unserem 2. Aufenthalt in Kapstadt sehr entscheidend (siehe unsere (Hotelbewertung "Capetonian").





 

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