Mittwoch, 18. Januar 2017

7. Durch die "Kleine Karoo" in den Osten von Südafrika

Im 1.Teil habe ich unter dem Thema Ein Flug in das Herz Südafrika's die Anreise und den ersten Tag in Johannesburg und Pretoria beschrieben. Die längere Reise Von Johannesburg zum Kruger Nationalpark in Südafrika wurde im 2. Teil behandelt. Die Erlebnistouren im Kruger Nationalpark fanden ihren Platz im 3. Teil   Wilde Tiere - hautnah in Südafrika. Im 4. Teil erzählte ich von unserer längeren Fahrt  Durch das Swasiland nach KwaZulu-Natal in Südafrika. Die Fortsetzung im 5. Teil erlebten wir Unter Flußpferden, Krokodilen und Nashörnern in Südafrika. Eine spannende Metropole erschloss sich uns im 6. Teil über Die Goldene Meile von Durban in Südafrika.

Wieder mußten wir unser gesamtes Gepäck in unseren Reisebus verladen, denn wir sollten mehrere Tage in Richtung des östlichen Teiles von Südafrika unterwegs sein. Andrerseits waren wir froh, unser sehr unbequemes Zimmer verlassen zu können und hofften nach der Rückkehr nach Kapstadt (A) ein bequemeres Zimmer zu erwischen. (Hotelbewertung "Capetonian") Das klappte ja dann auch ausgezeichnet. 



Die beigefügte Karte über unsere Route nach Osten trägt den Titel "Kleine Karoo". Die Karoo ist eine Halbwüstenlandschaft in den Hochebenen des Landes Südafrika. Unterschieden werden Kleine Karoo, Große Karoo und Obere Karoo sowie Sukkulenten-Karoo und Nama-Karoo. Mit einer Ausdehnung von 500.000 km² umfasst die Karoo fast ein Drittel des Territoriums der Republik Südafrika.

Aber erst einmal fuhren wir auf der Nationalstrasse N1 in östlicher Richtung und legten in Worcester unsere erste Pause ein.  Und wieder konnte ich dort Webervögel beim Nestbau beobachten - wie im Protea Hotel in Hluhluwe (KwaZulu-Natal), das 1.800 km nordöstlich lag. Wir fuhren auch am Golden Valley Casino (bei Worcester) vorbei, das in Südafrika sehr bekannt ist. Hier kamen wir durch eines der berühmten Weinanbaugebiete mit den besten Weinen Südafrikas - rund um Robertson und Swellendam.an der Nationalstrasse N2 gelegen.

Der Weinanbau in Südafrika begann 1652 mit der Ankunft von Jan van Riebeek bei Kapstadt. Seine Mission im Auftrag der Vereenigde Oostindische Compagnie (VOC) bestand im Errichten einer Proviantstation auf der Route von Europa nach Indien. Bei seiner Ankunft bemerkte er das mediterrane Klima und beschloss, Rebsorten aus Europa zu importieren.

Er wusste, dass Wein auf langen Seereisen haltbarer als Süßwasser in Fässern ist und sich ebenfalls positiv auf den Verlauf der Seefahrer-Krankheit Skorbut auswirkt. 1655 pflanzte er erste Weinreben, und am 2. Februar 1659 wurde in Südafrika der erste Wein gekeltert. Van Riebeeck forderte die Bauern der Region um Kapstadt auf, Reben anzupflanzen. Aufgrund der Unerfahrenheit der dortigen Siedler misslang dies anfangs häufig.

Die Ankunft von 150 französischen Hugenotten (mit deren Fachwissen) zwischen 1680 und 1690 belebte den Weinanbau erheblich. Heute existieren aus dieser Zeit unter anderem noch die Weingüter Boschendal und Annandale Wines mit repräsentativen Häusern im kapholländischen Stil. 1679 wurde van Riebeeck durch Simon van der Stel ersetzt. Dieser war nicht nur Weinliebhaber, sondern hatte profunde Kenntnisse im Weinanbau. Er legte auf seiner Farm das 750 Hektar große Weingut Constantia an und gründete die Siedlung Stellenbosch.

Heutzutage gibt im Kapland mehr als ein Dutzend Weinanbaugebiete. Zentrale Gebiete sind Constantia, Stellenbosch und Franschhoek, im Osten Robertson, das daran nördlich anschließende Breedekloof bei Worcester sowie das nordwestliche und atlantiknahe Swartland. Von Worcester kommend fuhren wir durch Robertson und weiter nach Swellendam. Swellendam wurde im Jahre 1743 als Bezirk und 1746 als Stadt und Außenposten der Niederländischen Ostindien-Gesellschaft gegründet und ist damit nach Kapstadt und Stellenbosch die drittälteste Stadt Südafrikas.


Strasse durch die Langeberg Mountains

Auf dem Weg zum bunten "Kürbisdorf" Barrydale (B), das ebenfalls zur Gemeinde Swellendam gehört, mussten wir im Tal des Flusses Tradourivier eine zerklüftete Felslandschaft bewältigen, um in die "Kleine Karoo" zu gelangen. Dabei passierten wir den Tradouw Pass (Passhöhe 219 m) und genossen die herrliche Berglandschaft bei der Durchquerung der Langeberg Mountains. Das Wort Tradouw ist ein Wort der  Khoisan (Ureinwohner), es bedeutet „Pfad der Frauen“ und deutet darauf hin, dass dieser Pass schon lange vor der Ankunft der Europäer genutzt wurde. 2011 hatte Barrydale 4156 Einwohner. Die Stadt liegt 240 Kilometer östlich von Kapstadt an der Route 62 zwischen Montagu und Ladismith. (Reisetipp "Barrydale")


"Kürbis-Werbung" in Barrydale

Gegründet wurde die Stadt 1882. Sie ist benannt nach dem Händler John Joseph Barry, der zwar nie in Barrydale lebte, aber dessen Handelsgesellschaft von Swellendam aus im 19. Jahrhundert die Region beherrschte. Warum habe ich Barrydale als "Kürbisdorf" bezeichnet? Während unseres 2. Haltes (nach Worchester) an der berühmten Route 62 zur Mittagszeit konnte ich mich für die bunten Häuser begeistern und fand zahlreiche Hinweise auf grosse Kürbisse (engl.: Pumpkin), die hier gezüchtet werden. Es ist normalerweise nicht mein Interesse, Aufkleber von unterwegs mitzubringen. Diesmal war ich aber von der Route 62 begeistert, da sie mich an die traditionsreiche Route 66 in den USA erinnerte. Zusammen mit den Kap der Guten Hoffnung haben diese Aufkleber ihren Platz auf der Rückscheibe meines Wagens gefunden. (Bilder: "Kleine Karoo")

Auf der Route 62 fuhren wir nach der Mittagspause weiter nach Ladismith. Eigentlich war der kleine Ort unbedeutend - führte aber ein Jahr später beim Lesen des interessanten Buches ("Tod am Kap" von Martin Bossenbroek) zu einer bedeutsamen Verwechslung. Ladismith ist eine Stadt in der Gemeinde Kannaland, Distrikt Eden, Provinz Westkap in Südafrika. 2011 lebten dort 7.127 Einwohner. Die Stadt liegt 300 Kilometer östlich von Kapstadt zwischen Barrydale und Calitzdorp. Benachbarte Städte sind Calitzdorp (45 Kilometer entfernt), Laingsburg (85 Kilometer) und Oudtshoorn (100 Kilometer).


Die Kirche von Ladismith

Die Stadt wurde 1852 gegründet und erhielt ihren Namen nach Lady Juana Smith, Frau des damaligen Gouverneurs der Kapkolonie, Sir Harry Smith. Der ursprüngliche Name „Ladysmith“ wurde 1879 geändert zu „Ladismith“, um Verwechslungen mit der gleichnamigen Stadt in KwaZulu-Natal zu vermeiden. Im 2. Burenkrieg wurde diese Stadt in KwaZulu-Natal im Jahr 1900 118 Tage von Buren belagert, bis sie von britischen Truppen unter dem Kommando von General Redvers Buller befreit wurde. Die britische Garnison wurde damals von George Stuart White kommandiert. Diese kriegerischen Ereignisse wurden detailliert in dem obengenannten Buch beschrieben und im ersten Moment dachte ich dabei an Ladismith in der Kleinen Karoo.

Bis zu unserem nächsten Reiseziel, Oudtshoorn, mussten wir uns sputen, denn ein Teil der Reisegruppe (die sogannten "Frühbucher") bekamen in derSafari Ostrich Farm in Outshoorn (C) ein kostenloses Mittagessen: Salat, Sraußensteak und Nachtisch. Es schmeckte vorzüglich. Oudtshoorn liegt im Distrikt Eden, Provinz Westkap in Südafrika ist die bedeutendste Stadt der Kleinen Karoo (am östlichen Ende). 2011 hatte Oudtshoorn 61.507 Einwohner. Die 1847 gegründete Stadt liegt zwischen den Swartbergen im Norden und den Outeniqua-Bergen im Süden am Gobbelaars River.


Ein "Federpalast" der „Straußenbarone“ von Outshoorn

Die Region der Kleinen Karoo um Oudtshoorn ist das Zentrum der südafrikanischen Straußenzucht . Schon 1822 wurde der Strauß in Südafrika unter Schutz gestellt, da seine Ausrottung zu befürchten war. Seine Federn waren als Schmuck seit vielen Jahrhunderten heiß begehrt (auch von Europas Modeindustrie).1867 wurde dann in der Kleinen Karoo die erste Straußenfarm der Welt mit ca. 80 Tieren gegründet. 1895 gab es in diesem Gebiet schon 250.000 Tiere. Strauße werden bis zu 2,70 m groß und können ausgewachsen rund 125 Kilogramm wiegen. (Reisetipp: "Die Straußenfarm von Oudtshoorn")


Die gelangweilten Strauße in der Farm

Durch die starke Beinmuskulatur laufen sie bis 70 km/h schnell und tragen dabei auch das Gewicht eines Menschen. Von Oudtshoorn aus werden Lederwaren, cholesterinarmes Straußenfleisch, Straußenfedern (vor einigen Jahren noch eines der wichtigsten Exportprodukte Südafrikas) und andere Produkte in alle Welt exportiert. Zu Beginn des 20. Jh. erlebte Oudtshoorn dadurch seine wirtschaftliche Glanzzeit. Seit mehreren Jahren werden auch in anderen Ländern (z.B. USA, Namibia und sogar Deutschland) Strauße gezüchtet, so dass Südafrika neue Konkurrenz auf diesem Gebiet bekommen hat. (Bilder: "Straußenfarm")



Lebendige Darstellung des Lebens auf der Straußenfarm

Mit diesen Informationen versehen und gestärkt folgten wir unserem Strauß-Spezialisten (er sprach ein vorzuügliches Deutsch, denn er ist in Namibia geboren). Er hatte auf alle unsere Fragen eine Antwort und zeigte uns alle Aspekte der "Straußenindustrie".  Es ist schon erstaunlich wier verbreitet die Strauße in Afrika verbreitet sind. Wir sind diesen erstmals 2009 in freier Wildbahn im Tsavo East National Park in Kenia begegnet.


Strauß-Familie im Tsavo East National Park in Kenia

Gegenüber den freilebenden Tieren machten die Strauße in der Safari Ostrich Farm einen sehr viel unruhigeren und nervösen Eindruck. Sie scheinen auch nervöser zu reagieren. Mit gemischten Gefühlen begaben wir uns auf die Weiterreise. Noch nie während unserer Rundreise in Südafrika sind uns die beobachteten Tiere so traurig vorgekommen.

Über den Outeniqua Pass (609 m Passhöhe) gelangten über den interessanten Ort George nach Wilderness. Nachdem der Montagu Pass (der erste Pass über das Outeniqua-Gebirge) den zunehmenden Verkehr nicht mehr bewältigen konnte, brauchte man eine Alternative für diese in die Jahre gekommene Passstraße. P.A. de Villiers schlug 1937 eine völlig neue Route über die Outeniqua Berge vor. 1942 begann man mit 200 italienischen Kriegsgefangenen mit dem Bau des neuen Passes. Als der Krieg endete und die Kriegsgefangenen zurück in die Heimat konnten, war etwa 1/10 der 14 Kilometer langen Straße fertig. Das Projekt wurde mit südafrikanischen Arbeitern beendet und der Pass 1951 eingeweiht.

Der alte Montagu-Pass  über das Outeniqua-Gebirge

Aber auch diese Strecke konnte dem steigenden Verkehrsaufkommen nicht gerecht werden und wurde von 1993 – 1997 gründlich überholt und verbreitert. Heute ist es die Hauptverbindung zwischen der Küstenregion und der Kleinen Karoo. Trotz des großzügigen Ausbaus hat die Straße ihren Charme nicht verloren und bietet herrliche Ausblicke auf die umliegenden Berge. Outeniqua ist ein Begriff aus der Sprache der Khoi, die in dieser Gegend zu Hause waren. Er heißt soviel wie ‚Männer, beladen mit Honig‘ und erinnert daran, dass die Ureinwohner hier Honig gesammelt haben.

Die Stadt George liegt malerisch am Fuße der Outeniqua Mountains, die Höhen bis zu 1.370 m (George Peak) erreichen. George ist der Hauptort entlang der Garden Route, liegt 226 m über dem Meer und zählt über 50.000 Einwohner. Im Jahre 1811 wurde hier die zweite Landvogtei nach der britischen Kap-Besetzung gebaut. Den entstehenden Ort benannte man nach König George III. Auf der Gartenroute geht es dann weiter nach Wilderness (D), wo wir das ausgezeichnete The Wilderness Hotel (Bewertung) vorfanden.



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