Dienstag, 3. Januar 2017

5. Unter Flußpferden, Krokodilen und Nashörnern in Südafrika

Im 1.Teil habe ich unter dem Thema Ein Flug in das Herz Südafrika's die Anreise und den ersten Tag in Johannesburg und Pretoria beschrieben. Die längere Reise Von Johannesburg zum Kruger Nationalpark in Südafrika wurde im 2. Teil behandelt. Die Erlebnistouren im Kruger Nationalpark fanden ihren Platz im 3. Teil   Wilde Tiere - hautnah in Südafrika. Im 4. Teil erzählte ich von unserer längeren Fahrt  Durch das Swasiland nach KwaZulu-Natal in Südafrika.

Von unseren Schwierigkeiten mit unserem Reisebus und den abendlichen Stromausfällen in unserem  Protea Hotel (A) in Hluhluwe ("Bewertung") habe ich bereits im vorhergehenden Kapitel 4 berichtet. Von weiteren Störungen blieben wir auf der weiteren Rundreise verschont. Im Innenhof des Hotels erlebte ich zahlreiche Webervögel, die den Zugang zu ihren typischen Nestern suchten. (Bilder "Webervögel im Protea Hotel in Hluhluwe")


Der Webervogel und sein typisches Nest.

Schon bei der Ankunft am Abend fiel mir auf, dass nur weibliches Personal bei dem Ausladen unseres Reisegepäckes aus unserem Bus half. Dieser Vorgang wiederholte sich am Morgen nach unserem ausgiebigen Frühstückes. Mich überfiel dabei ein merkwürdiges Gefühl.


Weibliches Personal beim Verladen

Nun waren wir sehr gespannt auf die Ereignisse dieses Tages, denn wir hatten so garkeine Vorstellungen, was uns in KwaZulu-Natal an Attraktivitäten geboten werden würde. Auf jeden Fall waren wir früh genug aufgestanden, um gegen 9 Uhr den Hluhluwe-Umfolozi Park (B) zu besichtigen.


Dieser älteste Nationalpark Afrikas liegt 280 km nördlich von Durban (unserem Tagesziel E). Er umfasst 960 km² meist hügeliges Gelände und liegt im zentralen Zululand in der Provinz KwaZulu-Natal in Südafrika. Die reichhaltige Natur bietet Lebensraum für zahlreiche Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien.  Elefanten, Nashörner, Büffel, Löwen und Leoparden sind ebenso im Park vertreten wie Geparde, Wildhunde, Giraffen und Nyalas (südostafrikanische Antilope). Hluhluwe und Imfolozi wurden 1895 als getrennte Reservoirs gegründet, als die Population dieser Tiere durch übermäßige Jagd gefährdet war.

Anfang der 1960er Jahre war das Breitmaulnashorn (Ceratotherium simium) vom Aussterben bedroht. Im Imfolozi existierten weltweit die letzten bekannten Vorkommen. In der Operation Rhino, die vom KwaZulu Nature Conservation Service durchgeführt wurde, fing man Exemplare ein und schickte sie an Reservate und Zoos in der ganzen Welt, so dass sich inzwischen die weltweiten Bestände erholt haben. Heute finden ähnliche Bemühungen mit dem Spitzmaulnashorn (Diceros bicornis) statt.

1999 wurde ein Projekt zur Erhaltung der Löwenbestände gestartet, die an Inzucht litten, so dass die Bestände durch neue Tiere ergänzt wurden. Im Laufe der Zeit wurden den Parks weitere Gebiete zugeordnet, 1964 Schutzzäune errichtet und 1989 die beiden Hauptgebiete (Hluhluwe und Umfolozi) und der trennende Korridor zum heutigen Park vereint.


Unsere Safari-Fahrzeuge für den Wildpark

Mit diesem Informationen versehen, begaben wir uns auf unsere 3. Safari im offenen Jeep. Das hügelige Gelände war sehr viel offener und besser zu überblicken als während der beiden Safaris im Kruger Nationalpark.("Wilde Tiere - hautnah in Südafrika") Somit waren auch die interessanten Tiere sehr viel leichter zu erkennen und konnten in Ruhe beobachtet werden. Das traf insbesondere auf die bereits genannten Breitmaulnashörner zu. (Reisetipp: "Hluhluwe-Umfolozi Wildlife Park")


Breitmaulnashorn bei der Mittagsruhe

Eindrucksvoll war auch die Beobachtung der größeren Herde von Wasserbüffeln, die sich alle zum Wiederkauen ihrer aufgenommenen Nahrung in die bequeme liegende Haltung begeben hatten - nur der hochgestreckte Kopf diente der Beobachtung der Umgebung. Als wir nach ca. 1,5 h wieder an dieser Herde vorbeifuhren, war der Verdauungvorgang beendet und die Herde war aufgestanden, um weiterzuziehen. Aufgrund der idealen Bedingungen und der reichhaltigen Tierwelt scheint mir dieser Wildpark sehr viel interessanter als der größere und viel berühmtere Kruger Park im Norden. (Bilder "Hluhluwe-iMfolozi Wildlife Park")


Wasserbüffel beim Wiederkauen

Wie der Name schon sagt, ist KwaZulu-Natal die Heimat der Zulu. Sie sprechen eine Bantusprache. Die Stämme, die in der Gegend der heutigen Provinz lebten, wurden im 19. Jahrhundert vom Zulu-König Shaka zu einem Volk vereinigt. In Erinnerung an diesen großen, kampfeslustigen König wurde der internationale Flughafen von Durban nach ihm benannt: King Shaka International Airport. Von dort flogen wir am folgenden Tag über Johannesburg (wo wir sechs Tage früher von Deutschland eingetroffen waren) nach Kapstadt, um den 2. Teil unserer Rundreise zu genießen.

Im Gebiet des heutigen KwaZulu-Natal befand sich die  kurzlebige Burenrepublik Natalia, die am 11. November 1839 nach der siegreichen Schlacht am Blood River über die Zulu von den Voortrekkern (Buren) gegründet wurde. Sie lag an der Küste des Indischen Ozeans, nördlich des Ostkap.  Obwohl die Republik Natalia von Buren gegründet wurde, überwiegt heute der englische Anteil in der europäischstämmigen Bevölkerungsminderheit in KwaZulu-Natal. Die Buren zogen weiter nach Norden in das Gebiet, das später als Oranje-Freistaat und Transvall bekannt wurde, nachdem das Vereinigte Königreich 1842 Natal annektiert hatte. Daraufhin ließen sich viele britische Einwanderer in dieser fruchtbaren Gegend nieder. Der Name Natal wird als „Weihnachtsland“ übersetzt, da es am Weihnachtstag, dem „dies natalis“, 1497 von Vasco da Gama auf seiner Reise nach Indien entdeckt wurde.

Begünstigt wurden die Ansiedlungsbemühungen besonders im Umfeld der Bucht von Natal, dem heutigen Durban, wo sich seit dem 19. Jahrhundert der Hafen Durban schrittweise entwickelte. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Inder als Arbeiter für die Zuckerrohrplantagen nach Südafrika angeworben. Diese zogen später größtenteils in die Städte. Sie stellen den Großteil der Hindus Südafrikas, es gibt aber auch Moslems unter ihnen. Durban ist die Stadt mit der größten indischstämmigen Bevölkerung außerhalb des indischen Subkontinents. Es ließen sich auch deutsche Einwanderer im heutigen KwaZulu-Natal nieder. In der Gegend um Wartburg, Harburg und Hermannsburg leben auch heute noch deutschsprechende Südafrikaner.


Zulu-Frauen mit ihren Kunstgegenständen für den Haushalt

Was ist aus den ursprünglichen Bewohnern, den Zulu, geworden? Heute gibt es über elf Millionen Zulu und diese stellen die  größte ethnische Gruppe Südafrikas dar.. Sie leben hauptsächlich in der von uns besuchten südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal. Wir konnten ein ehemaliges Zulu-Dorf (C) (Reisetipp: "Traditionelles Zulu-Dorf") besichtigen und mehrere Zulus führten uns ihre handwerklichen Fähigkeiten vor, die sie vor mehr als 200 Jahren für die Herstellung ihrer Waffen und hauswirtschaftlichen Geräte entwickelt haben. Leider fehlte diesem Zulu-Dorf die lebendige Atmosphäre, denn die unbewohnte Anlage wird offensichtlich nur für Vorführungen, die den Touristen mit wenig motivierten Zulu-Darstellern geboten werden. (Bilder: "Traditionelles Zulu-Dorf")

Vor unserer Weiterreise nach Durban sollten wir nun noch an einem spannenden Unternehmen teilnehmen: eine Bootsfahrt auf dem St.-Lucia-See (B, D) mitten unter die Krokodile und Flußpferde. Der See ist im Süden durch die 21 Kilometer langen Wetland Narrows mit dem Indischen Ozean verbunden und ist der größte Südafrika's. Die Wetland Narrows lassen einen Austausch von Wasser in beiden Richtungen zu. Folglich schwankt der Salzgehalt des Sees, der im Südteil den Salzgehalt des Ozeans annehmen kann, während der Nordteil Brackwasser oder Süßwasser enthält. Der See liegt etwa 250 Kilometer nordöstlich von Durban.

Der St.-Lucia-See wurde am 13. Dezember 1575 von dem portugiesischen Seefahrer Manuel Perestrerello entdeckt und nach dem Feiertag St. Lucia benannt. 1897 wurde der See zum Game Reserve erklärt, 1999 wurde er als Teil des ISimangaliso-Wetland-Parks als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet. Wir besuchten zuerst den gleichnamigen Ferienort St.-Lucia, wo wir in der dortigen Bank Euro in Rand wechselten. Dies war wieder ein langwieriges Unterfangen, bei dem unsere Reisepässe ausgiebig untersucht wurden. Wie sich später zeigte, war dieser zeitraubende Tausch zuverlässiger als die unsichere Nutzung der Bankautomaten. (Reisetipp: "St.-Lucia-See")


Träge Flußpferde im St.-Lucia-See

Auf einem wenig vertrauenswürdigen, flachen Ponton-Boot mit Außenborder-Motoren begaben wir auf flachen See, der nur eine mittlere Tiefe von 1 Meter hat und sich über eine Länge von 112 km erstreckt. Deshalb war auch sehr schnell verständlich, dass die Flußpferde gemächlich im Wasser am Ufer liegen konnten und uns nur relativ wenige Tiere im entgegenschwammen.Von den über 1.000 Krokodilen, die es im St.-Lucia-See geben soll, haben wir nur nur ein Exemplar entdeckt, das träge gegenüber der Bootsanlagestelle in der Uferböschung die Sonnenwärme genoß. Nach über 2 Stunden voller unvergeßlicher Eindrücke kehrten wir zur Bootsanlagestelle zurück und unser Bus wartete bereits zur Weiterfahrt nach Durban (E). (Bilder: "St.-Lucia-See")






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