Mittwoch, 2. Oktober 2013

Reisen nach Süd- und Mittelamerika vor über 40 Jahren


Der Autor (28) bei den Iquazu-Wasserfällen in Südmerika
Es war immer schon mein Jugendtraum, nach Südamerika zu reisen und dort zu leben. Im April 1972 erfüllte sich mein Wunsch: Als junger Ingenieur schickte mich mein Arbeitgeber KRUPP Chemieanlagenbau mit Kollegen zur Inbetriebnahme einer größeren petrochemischen Anlage nach La Plata (bei Buenos Aires). Durch betriebsbedingte Verzögerungen hatte ich reichlich Zeit, Land und Leute kennenzulernen. Der Aufenthalt in Argentinien dauerte über ein halbes Jahr. Meine vielfältigen Erfahrungen und spannenden Erlebnisse habe ich in meinem Abenteuer-Buch ("ARGENTINIEN - Land meiner Träume") ausführlich beschrieben.


Kurz nach meiner Rückkehr aus Argentinien wechselte ich zu einer kleinerer Ingenierfirma,  WIEGAND Karlsruhe GmbH in Süddeutschland, und war dort verantwortlich für Milch-Eindampfanlagen in Irland/Großbritannien und Südamerika. Als Sonderaufgabe der Geschäftsleitung betreute ich auch ABCOR-Ultrafiltrationsanlagen für den Einsatz in der Molkereiwirtschaft. In diesem Zusammenhang besuchte ich im Februar 1974  den amerikanischen Hersteller in der Nähe von Boston/USA. Da ich noch weitere Geschäftskontakte in den USA zu erledigen hatte, war ich über 14 Tage auf einer Rundreise unterwegs. Meine interessanten Eindrücke habe ich in dem Reise-Buch ("Die USA und die Niagarafälle im Winter") festgehalten.

Die Niagarafälle im Winter (1974)
Drei Jahre nach meinem ersten Aufenhalt in Argentinien war ich 1975 erstmals wieder in Südamerika. Diesmal besuchte ich zuerst die klimatisch angenehm gelegene Hauptstadt von Venezuela: Caracas. Ich verbrachte ein sehr angenehmes Wochenende mit dem damaligen Vertreter unserer Firma. Er war Däne mit dem typischen Namen Rosenkilde und war für mich kein Unbekannter, denn ich hatte ihn bereits vorher in Deutschland getroffen.

Mr. Rosenkilde's Club in Caracas
Der eigentliche Zweck meiner Reise nach Venezuela war die Inbetriebnahme einer neuen Milcheindampfanlage, die in Caja Seca an der PANAMERICANA (ganz in der Nähe des Maracaibosees) installiert worden war. Ich hatte bei meinen "Troubleshooter-Aktivitäten" in Irland schon sehr viel Schmutz kennengelernt - hier kam dann noch die schwüle Hitze dazu. Dies war auch eine Erfahrung in meinem Leben, die ich nicht mehr missen möchte. Sehr viele Jahre später unternahm ich mit meiner zweiten Frau, Jutta Hartmann-Metzger, abenteuerliche Reisen nach Ägypten, Kenia, Marokko, Indien und China. Aufgrund meiner Erfahrungen in jungen Jahren konnte mich nichts mehr überraschen - siehe dazu mein Abenteuer-Buch ("VENEZUELA - von Caracas zum Maracaibosee").

Umso größer war die Überraschung bei meinem Weiterflug nach Bogota. Aufgrund der Höhenlage von über 2.600 m herrschte in der kolumbianischen Hauptstadt nur eine Temperatur von 15 grd. C und es war regnerisch. Nach verschiedenen Kundenbesuchen in Bogota (wo man mich vor den diebischen Strassenjungen ausdrücklich gewarnt hatte) flogen ich mit dem kolumbianschen Vertreter nach Medellin. Dieses spätere Drogenzentrum war im Oktober 1975 noch relativ ruhig und ungefährlich. Später kam es dort zu regelrechten Bandenkriegen mit vielen Toten. Trotz allem hat auch Kolumbien einen bleibende Erinnerung in meinem Abenteuer-Buch ("KOLUMBIEN - Drogen, Kaffee und Strassenkinder") erhalten.


Nach diesen Geschäftsbesuchen verliess ich Südamerika (Kolumbien, Venezuela) und flog nach Mittelamerika weiter. Das nächste Ziel war Costa Rica. Da ich in Panama City eine Unterbrechung des Fluges von über vier Stunden hatte, wollte ich den berühmten Panama-Kanal besuchen. Im Flugzeug hatte ich eine ältere Amerikanerin kennengelernt, die mit mir den Kanal gemeinsam besichtigen wollte. Wir organisierten ein Taxi für unser Gepäck und liessen uns zum Panama-Kanal fahren.

Am Panama-Kanal (1975)
Um sicherzugehen, dass der Fahrer nicht mit unserem Gepäck verschwand, bat ich die Amerikanerin im Taxi zu warten, bis ich von der Besichtigung zurückkommen würde. Bei meiner Rückkehr brach eine Welt für mich zusammen: Die Amerikanerin war verschwunden - vom Taxi keine Spur. Nach verzweifelten Überlegungen entdeckte ich das Taxi mit dem Fahrer und meiner Begleiterin auf einem etwas entfernt gelegegen Parkplatz: das Parken am Absperrzaun des Panama-Kanals war verboten.

Panama habe ich in dieser kurzen Zeit als sehr unangenehm empfinden. Das für die Amerikanerin von PANAM im Zentrum von Panama City reservierte Hotel stellte sich als eine "Räuberhöhle" heraus. Sie fand dann ein Quartier in einem der modernen Hotels in Flughafennähe. Der Weiterflug nach Costa Rica war unproblematisch und der gute Ruf dieses kleinen Staates als "Schweiz Mittelamerikas" fand ich in hervorragender Weise bestätigt. Ich war mehrmals in Costa Rica und habe dies in meinem Abenteuer-Buch ("Von COSTA RICA über SAN ANDRES nach NICARAGUA") beschrieben.



Bei meinen Geschäftskontakten in Kolumbien wurde bei meiner Frage nach der schönsten Karibik-Insel auf "San Andres" hingewiesen. Diese gehört zu Kolumbien - liegt aber östlich von Nicaragua. Da ich nach den Geschäftsbesuchen in Costa Rica nach Nicaragua weiterreisen wollte und dazwischen ein Wochenende lag, nutze ich die Zeit für einen Abstecher auf die zauberhafte Karibik-Insel "San Andres". Ich gewann atemberaubende Eindrücke von der Morgendämmerung. Kurz danach ging schon wieder weiter mit dem Flugzeug nach Managua.

Morgendämmerung auf San Andres (1975)
Was ich in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, erlebte, war der reine Horror: eine Geisterstadt!
Am 23. Dezember 1972 hatte dort ein zerstörerisches Erdbeben stattgefunden. Auch nach fast drei Jahren haben die Bewohner es sich nicht getraut, im Zentrum ihre Häuser wieder aufzubauen. Sie zogen den Stadtrand vor. Geschäftlich war für mich nicht allzuviel zu tun: Ich konnte nur eine Milch-Eindampfanlage überprüfen, ob sie noch einwandfrei funktionieren würde. Ich war froh, dass ich nach fast drei Wochen in Süd- und Mittelamerika wieder nach Hause fliegen konnte.

Die Geisterstadt Managua (1975)
Aber dies ging nicht ohne ein richtiges "Bombenabenteuer". Es fing bereits am Flughafen von Managua an, als ich mich ausführlich mit einem Engländer über unsere Taucherlebnisse unterhielt und wir dadurch den Boarding-Aufruf überhörten und das Flugzeug ohne uns aber mit dem Gepäck losflog. Die gebuchte PANAM-Maschine flog nach Houston und es sollte von dort weiter nach Chicago gehen.

Mexico City bei Nacht (1975)
Über Mexico City (wo die PANAM-Maschine zwischenlandete und unser Gepäck auslud) mit einer dortigen Übernachtung und schönen, abendlichen Stimmungsbildern flog ich am folgenden Morgen nach Chicago und von dort mit der Lufthansa-Maschine nach Deutschland. Nach der Landung in Chicago wurden wir weit enfernt vom Terminal geparkt und rote Feuerwehrwagen kreisten uns ein: Bombenalarm! In meinen Abenteuer-Buch ("Die Abenteuerreise von MEXICO CITY nach CHICAGO") habe ich davon ausführlich berichtet.


Im Jahr darauf (1976) sollte meine letzte, größere Reise nach Mittel- und Südmaerika stattfinden. Es war auch die erste Reise mit einem dänischen Kollegen, Vagn Westergaard. Dies war sehr angenehm, da ich mich für eine Koordinierungstätigkeit bei seiner Firma NIRO ATOMIZER in Kopenhagen interessierte. Er lieferte mir wichtige Informationen, so dass ich mich erfolgreich bewerben konnte und Anfang 1977 mit meiner Familie nach Dänemark zog. Die sehr schöne Zeit in Kopenhagen dauerte drei Jahre. Anschließend arbeitete ich noch zwei Jahre als Technical Manager für den NIRO ATOMIZER-Konzern in den Niederlanden.

Landung mit der CESSNA am Flughafen Valera (1976)

Zurück zur großen Reise von Honduras nach Chile! Auf dem Rückweg gab es wieder einen außerplanmässigen Zwischenstopp in Lima/Peru und von dort ging es weiter nach Kolumbien. In Venezuela wurden wir von einem Kunden (Mr. Straziota von INLATOCA) in der Nähe des Maracaibosees vom Flughafen Valera mit seiner CESSNA abgeholt. Die Eindrücke aus der Luft vom Maracaibosee waren berauschend. Die Reise ging dann weiter nach Costa Rica und die letzte Station war wieder Honduras, wo unsere Rundreise begonnen hatte. Diese Erlebnisse waren wieder ein Abenteuer-Buch ("Der lange Weg von HONDURAS nach CHILE") wert!



Mit Ausnahme von Brasilien habe ich in den Jahren von 1972 bis 1976 alle südmerikanischen Länder kennengelernt. Auch die interessanten mittelamerikanischen Länder habe ich auf meinen Geschäftsreisen besucht. Meistens war ich alleine unterwegs - nur meine Spiegelreflexkamera war mir ein treuer Begleiter. So entstand ein Fundus von DIA-Aufnahmen, die ich für meine zahlreichen DIA-Vorträge (über 700) in Senioreneinrichtungen verwertete. Später kamen bebilderte Reiseberichte dazu. Und schließlich gestaltete ich die vorliegenden Abenteuer-Bücher, auf die ich sehr stolz bin.

Text und Fotos: Klaus Metzger
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