Dienstag, 17. August 2010

IRLAND - Wiedersehen nach 20 Jahren!

Kurz nachdem ich von meiner USA-Rundreise im Februar 1974 (siehe Reisebericht "USA" ) zurückkam, wechselte ich wieder in mein ursprüngliches Aufgabengebiet (Eindampfanlagentechnik für die internationale Milchwirtschaft) bei meiner Firma WIEGAND GmbH Karlsruhe zurück. Mit den Ländern in Südamerika, die nun zu meinem Verantwortungsbereich gehörten, war ich teilweise bereits durch meine 1. Südamerika-Reise 1972 (siehe Reisebericht "Argentinien" ) vertraut. Neu waren für mich die europäischen Länder Großbritannien und Irland. Bereits nach kurzer Zeit entstand insbesondere mit der grünen Insel Irland eine ganz innige Beziehung.

Aus heutiger Sicht - also nach mehr als 30 Jahren - kann ich diese "Liebe auf den ersten Blick" viel besser erklären, als es mir damals möglich gewesen wäre. Dabei half mir auch unsere langgeplante Irland-Reise (vom 30.August bis zum 10. September 2000) mit meiner 2. Frau JUTTA in die ärmste Gegend Irlands - nach Connemara (westlich von Galway). Es war eine richtige PKW-Rallye mit der irischen Fähre vom französischen Brest (wegen eines Streiks war die Abfahrt von Cherbourg nicht möglich) nach Rosslare in Irland. Und dann mitten in der Nacht (wegen der Verspätung durch den Streik von ca. 8 Stunden) quer durch Irland nach Cleggan (bei Clifden) an der Westküste. Die Rückfahrt gestaltete sich etwas einfacher, in dem wir über Großbritannien wieder nach Hause fuhren. Wir bewährten uns beide als Super-Team (Jutta erhielt von mir anschließend ein Zertifikat "Best Co-Pilot of the World"!). Die detaillierte Geschichte dieses Abenteuer-Urlaubes folgt später!

Es war die Freiheit und die Gelassenheit, die ich in Irland wiederfand und die meiner eigenen Mentalität sehr entgegenkam. Schließlich liebte ich es, bereits im Alter von 15 Jahren, eigene Touren alleine mit meinem Kanu auf den Altrhein-Armen meiner näheren Umgebung (ich bin in Brühl bei Mannheim aufgewachsen) zu unternehmen und - je nach Lust und Laune - auf kleinen, einsamen Inseln zu übernachten. Und dann kamen die spannenden Reisen in Südamerika (1972). In über 30 Reisen (mit einer Dauer bis zu 3 Monaten 1979 während der Montage und Inbetriebnahme bei Waterford Coop. in Dungarvan) für den Zeitraum von 1974 bis 1980 lernte ich dieses herrliche Land in allen Facetten kennen und schloss Freundschaften mit typischen Vertretern dieser irischen Mentalität, wie z.B. mit Jim O'Connor in Dungarvan.


Schon meine erste Reise nach Irland (vom Dienstag, dem 15. April bis Dienstag, dem 24. April 1974) verlief nach demselben Muster, das sich während der folgenden Reise wiederholte. Diesmal flog ich von Frankfurt nach Shannon an der Westküste Irlands. Ursprünglich wurden dort die Propeller-Flugzeuge vor ihrem Flug in die USA aufgetankt. Mit der Einführung der Düsenverkehrsflugzeuge war dies nicht mehr erforderlich. Man lockte nun die USA-Touristen zu einem Zwischenstopp auf der Heimreise in den reichhaltigen  Duty Free - Bereich des Flughafens von Shannon. Für mich war er der angenehmste irische Flughafen, denn ich konnte mich - nachdem ich die größere Stadt Limerick mit 54.000 Einwohnern (2002) gefahrlos passiert hatte - auf einsamen, schmalen Strassen an den Linksverkehr gewöhnen.

Es gab nicht allzuviel Gegenverkehr, nur manchmal blockierten Kühe, die von einem Weidegrund zum nächsten transportiert wurden, die Strasse. Mir begegnete auch ein "Cowgirl" mit Pferd. Man mußte also immer konzentriert und trotzdem entspannt fahren. Dann und wann tauchten verlassene Ruinen auf, die ursprünglich eine Kirche, eine Hütte oder vielleicht auch ein größeres Anwesen darstellten. Nach den Pausen, in denen ich z.B. Fotos zur

Erinnerung aufgenommen hatte, galt es achtsam zu sein, denn sehr schnell begann man wieder im gewohnten Rechtsverkehr zu fahren. Die Lichthupe des entgegenkommenden Fahrzeugs verwies einen - nach einer Schrecksekunde - aber sofort wieder auf die richtige Spur. Mit der Zeit ging mir das Linksfahren in Fleisch und Blut über. Selbst nach 20 Jahren Pause hatte ich im Jahre 2000 mit meinem eigenen Fahrzeug (mit Linkssteuerung) in Irland keine Schwierigkeiten.



Als störend empfand ich die relativ hohen Steinmauern, die die Fahrbahn auf diesen kleinen Strassen auf beiden Seiten begrenzten. Diese machten es unmöglich, sich über den Verlauf der Strecke im voraus zu orientieren. Sehr unangenehm waren kleine, gewölbte Brücken, nach denen die Strasse eine Rechts- oder Linkskurve machte. Nach dem Satz mit dem Auto, den die Brücke verursachte, musste man auch noch die richtige

Kurve finden (in solchen Situationen ähnelte das Autofahren mehr dem Ski-Abfahrtslauf - aber ohne Schnee).

Die irische Natur auf diesem Weg in den Süden Irlands (nach Killarney) war anders als ich es von meiner süddeutschen Heimat her gewöhnt war. Überall sattes Grün in einer hügeligen Landschaft. Auf der Weide, die wegen des milden Klimas (an der Westküste fließt der warme Golfstrom vorbei und vereinzelt sieht man Palmen) ganzjährig benutzt werden kann, grasten Kühe, Schafe und vereinzelt auch Pferde. Und ganz selten traf ich Menschen - selbst nicht in den kleineren Ortschaften, die ich passierte.

Manchmal war es wirklich notwendig, sich nach dem richtigen Weg zu erkundigen, denn die Beschilderung war damals miserabel. Da ich niemand fragen konnte, musste ich mich auf meinen 6. Sinn verlassen und meistens klappte es dann auch, den richtigen Weg wieder zu finden. Eine richtiggehende Katastrophe waren Nachtfahrten. Diese sollte man tunlichst vermeiden. Bei meiner Nachtfahrt quer durch Irland im Jahre 2000 konnte ich mich nur auf meine alten, irischen Orientierungsfähigkeiten verlassen, um uns sicher und wohlbehalten ans Ziel - nach Cleggan in Connemara an der Westküste Irlands - zu bringen.

Bereits auf meiner ersten Tour begegnete ich "Travellers", die mit Pferdegespannen und geschlossenen Wagen übers Land zogen. Dies sind keine Zigeuner - obwohl sie diesen im Verhalten ähneln. Man nennt sie  das "Fahrende Volk Irlands". Insgesamt soll es 4.000 Traveller-Familien mit ca. 18.000 Mitgliedern geben. Die "Travellers" wurden erstmals im Jahre 1175 urkundlich erwähnt. Ihre Sprache ist Shelta oder Gammon (eine Mischung von Gälisch, Englisch und Romanisch). Da viele Traveller ihren Unterhalt mit "Kesselflicker-Arbeiten" verdienen, heißen sie in Irland auch "Tinker".


Da mich das Land, die Menschen und deren Musik sehr schnell fasziniert haben, legte ich mir eine Schallplatten-Sammlung der irischen Folk-Song-Gruppe "DUBLINERS" zu. Eines der von ihnen gesungenen, herrlichen Lieder handelt von einem "Tinker". Da ich meine DUBLINERS auch unterwegs im Auto hören wollte, überspielte ich die schönsten Lieder auf eine Kassette. Und von dieser Kassette habe ich mir vor einigen Jahren eine CD hergestellt, damit ich sie auch heute noch mit der Musik-Anlage in meinem OPEL COMBO Tour (einem sehr praktischen Van, den ich nun schon über 6 Jahre ohne Störungen fahre) genießen kann. Am Samstagabend, den 23. Oktober 1993, lud mich mein Sohn Jochen in Berlin zu einem DUBLINERS-Konzert in einem Zelt in der Nähe des Kongreßgebäudes ("Schwangere Auster" - die 1980 teilweise einstürzte) ein. Es begleiteten uns damals unsere Freundinnen Iris und Sabine. Ein großartiger Abend! Drei, vier Lieder kamen mir bekannt vor. Die Veranstaltung begann um 20 Uhr und endete gegen 23 Uhr. Bilder "Irland"

Aber viele Lieder handeln auch vom Befreiungskampf aus der Knechtschaft der Engländer, die das arme Land ausgebeutet haben. Und natürlich auch von der IRA. In diese "Troubles" wurde ich bei meinen Reisen nach Nord-Irland hineingezogen (aber davon später). An dieser Stelle möchte ich mich ein wenig mit der irischen Geschichte befassen, denn nur so kann man die irische Mentalität, den Stolz und die Gelassenheit (manche sagen: Faulheit) besser verstehen und diese - je nach der eigenen Einstellung - sympathisch finden oder ablehnen.

Zuerst kamen die Kelten im 1. Jahrtausend v. Chr. (zwischen der Bronze- und Eisenzeit) nach Irland und das Land nahm den keltischen Charakter an. Die Griechen und Römer erreichten die grüne Atlantik-Insel nicht. Das Christentum brachte St. Patrick im Jahre 432 n. Chr. Er kehrte hierher zurück, wohin man ihn vorher entführt hatte. Es folgte im 6. und 7. Jahrhundert eine schnelle Ausbreitung durch irische Mönche. Diese kamen im 6. Jahrhundert als Missionare bis nach Schottland und auf das europäische Festland.

Um 795 n. Chr. überfielen Wikinger die Insel Lambay vor der Küste Dublins, um dann weitere Siedlungen in Irland zu gründen (Dublin, Waterford, Wexford..). Die Normannen aus England kamen erstmals 1170, um Dermot, dem späteren König von Leinster, zu helfen. Eine Festigung der Macht der Tudors in Irland erfolgte unter Heinrich VIII (1491 bis 1547). Mit den Stuart's (Jakob I von England) wuchs der Einfluß des Protestantismus in Irland. Viele Schotten wanderten damals nach Ulster (heute Nord-Irland) aus. Am 23. Oktober 1641 kam es zum ersten Aufstand in Irland. Im Spätsommer 1649 landete Oliver Cromwell mit 30.000 Mann im abtrünnigen Irland.

Die aufrührerischen Iren wurden besiegt und deren Grundbesitz wechselte von den Katholiken in die Hände der Protestanten. Im Jahre 1724 griff Jonathan Swift (er wurde 1667 in Dublin geboren und war dort als Dekan an der St. Patricks-Kathedrale tätig) in einer Reihe von Briefen die englische Regierung an. Im Jahre 1846 gab es in Irland eine große Hungersnot, die durch die Kartoffelfäule entstanden ist. Zwischen 500.000 und einer Million Menschen starben. Über 1,5 Millionen Iren wanderten aus nach Übersee (Kanada, Australien und die USA). Seit 1841 war die Einwohnerzahl von 8,1  auf 6,5 Millionen nach der Hungerkatastrophe gesunken. Die irischen Pächter mußten auch während der Hungersnot die  Pacht in Form von Getreide und tierischen Produkten nach England exportieren.

In den Jahren von 1870 bis 1903 erfolgte der Rückkauf des Landes durch irische Pächter (über 300.000 Iren kauften bis 1920 10 Millionen Morgen). Am 24. Oktober 1916 kam es beim General Post Office zum Osteraufstand in Dublin. Obwohl militärisch fehlgeschlagen, kann dies als die Wende in Richtung der irischen Unabhängigkeit betrachtet werden. 1922 kam es zur Gründung des Freistaates Irland, nachdem 1921 Waffenstillstand mit London geschlossen wurde. Es erfolgte die Aufteilung in 26 Grafschaften (counties) mit 90 Prozent der Katholiken im Freistaat Irland und 6 Grafschaften mit einer protestantischen Mehrheit als Nord-Irland im britischen Königreich. In Irland leben heute 4 Millionen und in Nord-Irland 1,5 Millionen Einwohner (davon 56% Protestanten und 44% Katholiken).

Im Sommer 1922 begann der Bürgerkrieg zwischen Unterstützern und Gegnern der anglo-irischen Vereinbarung, die zum Freistaat Irland (dem Vorläufer der heutigen Republik Irland) geführt hatte. Der Krieg dauerte 11 Monate. In dem bekannten Spielfilm "Michael Collins" (Hauptdarsteller Liam Neeson) wird der Freiheitskampf von 1916 bis 1922 sehr realistisch beschrieben. Da der irische Freiheitsheld Michael Collins für die anglo-irische Vereinbarung war (und diese teilweise mitverhandelt hatte), wurde er am 22. August 1922 heimtückisch in der Nähe von Cork (wo er geboren war) ermordet. Michael Collins war auch der Mitbegründer der IRA (Irish Republican Army) und deren Organisator als Guerilla-Armee. 1949 verließ Irland das britische Commonwealth. Seit 1955 ist Irland Mitglied der UNO und 1973 erfolgte der Eintritt in die EWG.

Nach diesem Ausflug in die Geschichte lassen sich viele Aspekte im immer noch armen Irland sehr viel besser verstehen. Beispielsweise flossen mit dem Eintritt in die EWG im Jahre 1973 beträchtliche finanzielle Mittel in den Aufbau der Molkereiwirtschaft, da man die idealen Bedingungen Irlands als Weideland erkannte und fördern wollte. Und so war ich nun als Projekt-Ingenieur für WIEGAND-Eindampfanlagen unterwegs, um als "Trouble-Shooter" Fehler und Störungen in neuinstallierten Anlagen zu beseitigen. Eine derartige Anlage befand sich bei der Firma CADBURY in Rathmore - einem kleinen Ort ca. 20 km östlich von Killarney gelegen.

Ich hatte auf meiner 1. Irland-Reise sehr großes Glück: Erstens liegt Killarney in einer schönsten Gegenden Irlands. Die 179 km lange Panorama-Küstenstraße "Ring of Kerry" startet in Killarney. Und zweitens gibt es hier das exquisite 5-Sterne-Hotel EUROPE. Das Hotel gehört zur deutschen LIEBHERR-Gruppe. Im Jahre 1958 begann die Firma LIEBHERR mit einer Fertigung bei Killarney. Da die Besucher kein passendes Quartier fanden, baute LIEBHERR das Hotel EUROPE, das sehr idyllisch am Lough Leane liegt.

Heute werden bei LIEBHERR in Irland Container-Krane hergestellt (460 Mitarbeiter und 120 Millionen Euro Umsatz).

Im Hotel befanden sich zu dieser Zeit sehr viele Amerikaner irischer Abstammung. Das störte mich aber nicht. Im Gegenteil - sie bestärkten mich beim ausgezeichneten Abendessen in meiner gehobenen Stimmung, wie ich sie in einer ähnlichen Art und Weise erstmals am 22. Februar 1974 im Restaurant des Terminals am Flughafen Boston erlebt hatte (siehe Reisebericht "USA" ). Das Steak schmeckte hier genauso gut wie 1972 in Argentinien und der Rotwein war ausgezeichnet. Sehr gerne aß ich dazu "French Fried Onions" - eine Delikatesse, die es nur in Irland gab. Es waren umhüllte und gebackene Zwiebelringe.

Ich sprach bereits vom Muster, das sich in Irland (und auch in Nord-Irland) fast immer wiederholte: Sehr schlechte Arbeitsbedingungen in den Molkereien und gute Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten in den Hotels (Hotel Europe in Killarney, Jury's Hotel in Cork, Newpark Hotel in Kilkenny, Gresham Hotel in Dublin und das Belmont House in Banbridge bei Belfast). Das war äußerst wichtig für die eigene Moral. Gerade am Beispiel CADBURY Rathmore war dies sehr deutlich zu erkennen, denn ich war bei der Fehlersuche völlig auf mich alleine gestellt. Nach einigen Tagen fand ich die Ursache. Ich entdeckte aber auch im Nachbargebäude eine Herstellung der Rohmasse für die CADBURY-Schokoladenherstellung in England. In die offenen Anmischbehälter konnte alles fallen (auch Ratten und Mäuse). Die Masse wurde zwar anschließend in Öfen erhitzt - trotzdem esse ich seit dieser Zeit meine geliebte CADBURY-Schokolade nicht mehr. Es war in diesem Betrieb alles ungeheuer schmutzig und wenig hygienisch. Derartige, extreme Bedingungen begegneten mir in Irland immer wieder. Die Menschen waren immer noch sehr arm und hatten wenig Gespür für Sauberkeit entwickelt.


Den Schmutz konnte man ja im nächsten Pub mit einem Glas Guinness hinunterspülen. So haben es wohl die Bauern gehalten, die mit dem Eselskarren ihre Milch in der Molkerei ablieferten und dann den restlichen Tag in der Kneipe verbrachten (der Esel wartete seelenruhig mit seinem Anhänger und den leeren Milchkannen vor der Eingangstür). Was ist Guinness? Ein braunes, alkoholisches Getränk, das für mich ungenießbar war. Im Jahre 1759 pachtete Arthur Guinness eine Brauerei am St. James Gate in Dublin auf 9.000 Jahre bei einem Zins von 45 Pfund/Jahr. Ursprünglich war Guinness ein Porter-Getränk der Lastenträger vom Covent Garden in London. Der Gesamtumsatz betrug 1995 46,8 Milliarden Pfund (11 Milliarden Mark).

Ich liebe folkloristische Musik. Deshalb besuchte ich bereits während meiner 1. Südamerika-Reise 1972 immer gerne die "Pena Folkloricas". Dort wurden zu Guitarren-Musik einheimische Lieder gesungen. Das Gegenstück dazu fand ich in Irland. Dort nannte man das Ganze "Sing-Song". Und die Amerikaner in Killarney liebten diese Veranstaltungen in den Pub's genauso wie ich.

Neben meinen Reisen als "Trouble Shooter" und als der Leiter der Montage und Inbetriebnahme verschiedener Anlagen war ich auch als Verkaufsingenieur für WIEGAND-Eindampfanlagen in Irland und Nord-Irland unterwegs. Unser Verkaufsteam bestand meistens aus drei Personen: Derek Cornwell (der zuständige Vertreter aus London), Hans Justesen (Niro Atomizer A/S, Kopenhagen) und ich. Als routinierter Linksfahrer (Derek war Engländer) übernahm er immer die Chauffeur-Funktion. So reisten wir quer durch Irland, um an einem Tage mehrere Kunden zu besuchen. Da wir gemeinsam nach Hause flogen, übernahm ich gerne die Tradition von Derek Cornwell: meine 1. Bestellung bei der Stewardess war immer ein Gin-Tonic mit Eis. Derek empfahl mir auch den ausgezeichneten irischen Räucher-Lachs (Smoked Salmon). Auch daraus wurde eine richtiggehendeTradition: Bei meinen Reisen vor Weihnachten kaufte ich am irischen Flughafen "Smoked Salmon", der transportsicher verpackt war. Zu Weihnachten bei uns zu Hause war dann diese Delikatesse mit Meerrettich-Sauce ein besonderes Highlight.

Neben dem Flughafen Shannon, gibt es noch den größeren Flughafen bei Dublin und einen kleineren bei Cork. Selten benutzte ich den Flughafen Belfast in Nord-Irland. Den Flughafen Dublin wählte ich ungern, denn ich musste erst das weitläufige Dublin in Richtung Süden durchqueren, bevor ich meine Kunden besuchen konnte. Der Flughafen Cork lag zwar sehr viel günstiger. Dort konnte es aber passieren, dass wegen der starken Seitenwinde (wegen der Meeresnähe) der Pilot Schwierigkeiten mit der Landung hatte. In einem Falle klappte die Landung erst nach dem 3. Anflug.

Aus heutiger Sicht kann ich die Benutzung der Fähre nach Irland nur für private Reisen empfehlen. In der Zeit vom 26. August bis 30. August 1974 reiste ich mit Dr. Barker (einem Kollegen von Derek Cornwell) erst mit seinem Landrover durch Süd-England, wo wir mehrere Kunden besuchten. So war es eigentlich naheliegend, die Reise nach Irland mit der Fähre von Swansea (Wales) nach Cork an der Südküste zurückzulegen, da am Donnerstagmorgen, den 29. August 1974, ein wichtiger Termin bei CADBURY in Rathmore (bei Killarney) vorgesehen war. Die Nacht auf der Fähre war die reinste Katastrophe, denn ich konnte wegen des starken Seegangs kaum schlafen. Ich kam wie "gerädert" zu dem Treffen in Rathmore und es kostete mich große Anstrengung, mich zu konzentrieren. Daraus habe ich gelernt: Geschäftliche Termine und Reisen mit der Fähre nach Irland passen nicht zusammen!

Als die Fähre sich am Morgen des 29. August 1974 dem Zielhafen Cork näherte, fuhren wir an dem kleinen Hafen Cobh vorbei. Mit diesem Namen sind zwei der größten Schiffsunglücke verbunden. Am 11. April 1912 legte hier das als unsinkbar geltende Passagierschiff TITANIC an, bevor es drei Tage später vor Neufundland einen Eisberg rammte und sank. Über 1.500 Menschen ertranken bei diesem Unglück. Am 7. Mai 1915 wurde am "Old Head of Kinsale" das amerikanische Passagierschiff LUSITANA von einem Torpedo des deutschen U-Boots U20 getroffen und sank in kürzester Zeit. Bei dieser Katastrophe starben 1.198 Menschen. Auf dem Friedhof von Cobh wurden 150 Opfer des Schiffsunglücks in einem Massengrab beerdigt. Während der großen Hungersnot im 19. Jahrhundert sind viele Iren über Cobh ausgewandert.


Ich sprach bereits über die problematischen Reisen nach Nord-Irland. Vom Montag, den 28. Juli 1975, bis zum Dienstag, den 12. August 1975, verbrachte ich mit zwei Mitarbeitern (Monteur Glöckner und Regelungstechniker Müller) eine sehr schwierige Zeit in Banbridge (ca. 30 km südlich von Belfast). Unsere Aufgabe war die Inbetriebnahme einer neuen Eindampfanlage bei ARMAGHDOWN Creameries. Wir flogen zuerst nach Manchester, um bei der englischen Molkerei MMB Maelor in Wrexham (bei Chester) unseren Werkstattwagen (ein umgebauter FORD Transit) abzuholen. Dann fuhren wir mit diesem Fahrzeug über den Motorway nach Norden bis nach Carlisle, um dann über die A 75 zum englischen Fährhafen Stranraer zu gelangen. Von dort brachte uns die Fähre nach Larne in Nord-Irland.

Nun war uns bereits sehr mulmig zu Mute, denn wir mussten durch Belfast fahren, um zu unserem Ziel in Banbridge zu gelangen. Das klappte ohne Probleme. In Banbridge fanden wir ein ausgezeichnetes Quartier im Belmont House - einem früheren Herrensitz mit einer ausgezeichneten Küche. Während in Irland und auch Nord-Irland normalerweise der charakteristische Spruch galt:
"Letztes Jahr fiel der Sommer auf einen Montag!", waren wir diesmal in eine ungewöhnliche Hitzeperiode geraten. Deshalb konnte im Belmont House auch nur an jedem 2. Tag gebadet oder geduscht werden. Diese Zeit in Nord-Irland war wirklich schrecklich. Jede Nacht hörten wir von anderen Terror-Anschlägen (einmal wurde eine irische Musiker-Truppe mit 4 Personen auf der Rückfahrt nach Dublin ermordet und in einer anderen Nacht gab es 2 Tote).


Die "Troubles" endeten erst 1993 mit einer Feuerpause. Die IRA akzeptierte am 31. August 1994 die bedingungslose Waffenruhe (nach 25 Jahren des bewaffneten Kampfes). Im Februar 1996 beendete die IRA den Waffenstillstand durch ein Attentat in London. Die politische, irische Partei Sinn Fein blieb in der Folgezeit von den Nordirland-Verhandlungen ausgeschlossen. Der Engländer Tony Blair nahm nach seinem Regierungsantritt im Mai 1997 das Gespräch mit der Sinn Fein wieder auf. Mit dem "Stormont-Abkommen" vom 10. April 1998 sollte der Konflikt beendet werden und die Entwaffnung aller paramilitärischen Verbände innerhalb von 2 Jahren erfolgen.

Das Werksgelände war umzäunt und wir pendelten nur zwischen dem Belmont House, das oberhalb auf einem Hügel lag, und der Molkerei. Nach Belfast trauten wir uns nicht. Da wir aber trotzdem einen Badeausflug bei dem heißen Wetter an die Küste nach Newcastle machen wollten, mieteten wir uns einen Leihwagen. Aber je mehr wir uns der irischen See näherten, um so nebliger wurde es. Den Strand konnte man nicht sehen, denn er wir im Nebel verhüllt. Man hörte nur Stimmen. Da die irische See auch zu dieser Zeit relativ kühl war, kam es dort zur Nebel-Bildung. Zum Baden war es uns definitiv zu kalt und wir fuhren bei herrlichem Sonnenschein wieder landeinwärts in die Mourne Mountains. Und dort konnte man die Auswirkungen der Trockenperiode sehr deutlich erkennen, denn das Gras, das normalerweise saftig grün ist, war ausgesprochen braun.

Da die Inbetriebnahme bei ARMAGHDOWN Creameries rechtzeitig abgeschlossen war, fuhren wir mit dem Werkstattwagen noch nach Artigavan (in der Nähe von Londonderry - damals ein sehr heißes Pflaster, da es an der Grenze zur Republik Irland lag). In der LECKPATRICK Creamery führten wir einige Servicearbeiten durch. Am Dienstag, den 12. August 1975, nahmen wir uns einen Leihwagen bis zum Flughafen Belfast, um von dort wieder nach Deutschland zu fliegen. Als wir im Flugzeug saßen, fiel uns ein Stein vom Herzen. Es war zwischendurch in Nord-Irland so schlimm, dass wir überlegten, unsere Inbetriebnahme-Arbeit abzubrechen und nach Deutschland zurückzukehren.

Der Werkstattwagen blieb in der Molkerei LECKPATRICK Creamery bis zum Montag, den 26. April 1976, stehen. Zusammen mit dem Monteur Volkmann holte ich den FORD Transit an diesem Tage ab, um an der eindrucksvollen Westküste Irlands (die Donegal Bay!) entlang in den Süden Irlands zu fahren. Dort besuchten wir mehrere Betriebe, um Wartungsarbeiten an Eindampfanlagen zu erledigen. In der Eindampfanlage von CADBURY in Rathmore (bei Killarney) führten wir Tests durch. Da wir diesmal den Werkstattwagen wieder nach Deutschland zurückbringen sollten, fuhren wir am Sonntag, den 2. Mai 1976, nach Dublin, um mit der Fähre von Dun Laoghaire nach Holyhead in Großbritannien zu gelangen. Dort ein Quartier für eine Nacht zu finden, war ein sehr schwieriges Unterfangen. Wir bekamen ein kleines Zimmerchen unterm Dach und waren glücklich. Zwei Tage waren wir dann noch bei unserem wichtigen, englischen Kunden MMB Maelor in Wrexham (dort hatte ich den Werkstattwagen am 28. Juli 1975 abgeholt). Über Harwich gelangten wir am 5. Mai 1976 zum Hoek van Holland und von dort auf dem schnellsten Wege nach Deutschland. An der deutschen Grenze in Emmerich stieg ich in den Zug nach Karlsruhe ein und Monteur Volkmann fuhr mit dem Werkstattwagen weiter zu unserem Fertigungsbetrieb, Gebr. Becker in Beckum (dorthin gehörte das Fahrzeug).


Dazwischen lagen zahlreiche Reisen quer durch Irland und Nord-Irland, die alle nach dem bereits beschriebenen Muster abliefen und in erster Linie dem Kundenkontakt und der Vorbereitung von Verkaufsverhandlungen dienten. Mehrmals hatten wir Gelegenheit in Newpark Hotel in Kilkenny zu übernachten. Das ausgezeichnete Essen des Hotel-Restaurants ist mir immer noch sehr positiv in Erinnerung. Mit der Zeit hatte ich mich für irische Antiquitäten interessiert und nahm auch schon an Versteigerungen teil. So kam ich zu mehreren antiken Wanduhren, zwei illustrativen Petroleum-Lampen, einer "Carriage Clock", einer kupfernen Bettpfanne und zwei Kutscher-Leuchten. Im Rahmen meiner Scheidung 1989 sind diese Schätze leider aus meinem "Blickfeld" verschwunden. Bei diesen Reisen durch Irland kam auch die Kultur nicht zu kurz. In dem ausgezeichneten Buch von Jill and Leon Uris "IRELAND a terrible beauty" fand ich eben (am 20. Mai 2010) einen Programmhinweis des GATE THEATER in Dublin. Am Donnerstagabend, den 19. Februar 1976, habe ich mit Derek Cornwell das Theaterstück "The Doctor's Dilemma" von Bernard Shaw besucht.

Ende 1976 fand für mich eine Neuorientierung statt, denn eine mehrjährige Tätigkeit bei NIRO ATOMIZER A/S in Kopenhagen stand an. Ursprünglich sollte ich als Koordinations-Ingenieur ab Januar 1977 für meine deutsche Firma WIEGAND GmbH zu der befreundeten Firma NIRO ATOMIZER A/S nach Dänemark versetzt werden. Da die Dänen damals die französische Verdampfer-Firma LAGUILHARRE kauften, wechselte ich erst als Gruppenleiter und später als Technical Manager (in Holland) zu diesem Konzern. Ich war für den gesamten Eindampfanlagenbau zuständig und auch an den Verkaufsverhandlungen der neuen Anlage (Eindampfung und Sprühtrocknung) für WATERFORD Creameries in Dungarvan/Irland beteiligt. In der Zeit vom 31. Januar bis 11. Mai 1979 leitete ich - mit Unterbrechungen - in Dungarvan die Montage und die Inbetriebnahme. Die Fertigung erfolgte bei unserer Schwesterfirma LAGUILHARRE in Paris. Die Anlieferung der großen Teile mit den Trailern war nicht ganz einfach, denn zu diesem Zeitpunkt gab gerade wieder einen Streik in den irischen Häfen.


Als LAGUILHARRE-Spezialist stand mir der französische Monteur, Jean Maurais, zur Verfügung. Er sprach sehr gut Englisch und ich konnte ausgezeichnet mit ihm zusammenarbeiten. Obwohl die Wetterbedingungen zu dieser Jahreszeit sehr unangenehm waren (es war nasskalt) und wir teilweise im Matsch arbeiten mussten, entwickelte sich die Kooperation mit den Mitarbeitern unseres Kunden Waterford Creameries in Dungarvan sehr positiv. Insbesondere mit dem irischen Projektleiter, Jim O'Connor, ergab sich eine Freundschaft, die auch nach meinem Ausscheiden bei NIRO ATOMIZER A/S weiter bestand. Im Rahmen unserer Irland-Ferienreise im Jahre 2000 war ich mit ihm mehrmals in telefonischem Kontakt - leider klappte es nicht mit dem beabsichtigten Treffen.

Von meinem ehemaligen Chef bei Niro Atomizer Holland, Adriaan den Hollander, erfuhr ich im vergangenen Jahr, dass in zahlreichen irischen Betrieben meine Pumpen-Innovation "Kavitationsregelung" installiert wurde (durch meinen Lizenznehmer F. Stamp KG, Hamburg-Bergedorf). Vielleicht ergibt sich für mich im Rahmen einer Irland-Rundreise die Möglichkeit, diese Betriebe zu besichtigen und mich dabei doch noch Jim O'Connor zu treffen. Das würde mich sehr freuen! Die Montage selbst verlief - neben den Streiks in den Häfen - auch ansonsten nicht problemlos. Ganz am Anfang stürzte ein irischer Gerüstbauer von einem Träger in die Tiefe und verletzte sich tödlich. Für einen Tag ruhte die Arbeit auf der Baustelle. Da wir unter Termindruck standen, mußte auch am Sonntag gearbeitet werden. Gegen 10 Uhr war plötzlich ein Teil meiner irischen Montage-Mannschaft verschwunden. Nach zwei Stunden kehrten diese reumütig auf die Baustelle zurück. Als ich sie zur Rede stellte, teilten sie mir mit, dass sie die Kirche besuchen mussten. Im Scherz sagte ich darauf: "Am kommenden Sonntag werdet Ihr zur Messezeit angekettet!"

Neben diesen anstrengenden, aber trotzdem entspannten "irischen" Montagebedingungen, hatte ich aber auch Zeit, mich an der eindrucksvollen Südküste umzusehen (mir stand die ganze Zeit einen Mietwagen zur Verfügung, den ich am Flughafen Cork ausgeliehen hatte). Insbesondere das beliebte Seebad von Tramore (in der Nähe von Waterford) hatte mit einem 5 km langen Sandstrand seine besonderen Reize (eine Mischung von Blackpool und Playa de Ingles). Dort fotographierte ich einen auseinandergebrochenen, deutschen Frachter am Strand, den man fast vollständig "ausgeschlachtet" und einige Stahlbleche mit einem Schweißbrenner entfernt hatte. Die "Hauptstadt" des County ist Waterford - weltweit bekannt durch das Kristallglas "Waterford Crystal". Die Fertigung wurde von den Engländern in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch hohe Zölle fast zum Erliegen gebracht. Ab 1947 gelang mit Hilfe von Fachleuten aus Böhmen und Italien wieder ein erfolgreicher Neubeginn.

Auf der Heimfahrt von unserer Irland-Ferienreise erreichten wir am Freitag, den 8. September 2000, gegen 23 Uhr Waterford (wir fuhren gegen 14 Uhr an der Westküste von  Connemara in Cleggan los). Eigentlich wollten wir nach einigen Bieren im Auto übernachten. Dann überlegten wir es uns anders und fanden für diese Nacht (von 0 Uhr bis 6 Uhr am Samstagmorgen) doch noch ein "Notquartier". Die hilfsbereite Pub-Betreiberin organisierte dies für uns und zeigte uns den Weg mit ihrem Auto zu der privaten Unterkunft. Am frühen Samstagmorgen fuhren wir von Waterford zum Hafen von Rosslare (in ca. 80 km Entfernung). Gegen 8 Uhr konnten wir auf die Fähre nach Fishguard, mit der wir nach 3,5 Stunden in England (Wales) eintrafen. Vorher suchte ich noch zweimal nach Jim O'Connor, mit dem ich mich verabredet hatte, im Terminal - leider vergeblich! Dies machte mich traurig. Aber vielleicht findet sich in diesem Leben noch einmal die Gelegenheit (Jim müsste in meinem Alter - also 65 - sein)?



Ganz anders war die Küstenlandschaft in der Nähe von Ardmore (20 km westlich von Dungarvan), denn die sehr felsige Küste vermittelte einen ganz anderen, stürmischeren Eindruck. Der Ort Dungarvan selbst (dort hatte ich mein "primitives" Quartier oberhalb von einem Schnell-Imbiss) war ein lebhaftes Städtchen und man lebte in erster Linie von der Fischerei. Es gibt dort die Ruinen eines Normannen-Kastells aus dem 12. Jahrhundert und eines Klosters aus dem 7. Jahrhundert, dessen Gründer, der heilige Garvan, dem Ort seinen Namen verlieh. In der Nähe gelangen mir sehr schöne Aufnahmen des Sonnenuntergangs an der Südküste. In all diesen Fällen war es zum Baden viel kalt. Zum Abschluss der erfolgreichen Montage und Inbetriebnahme gab es eines dieser herrlichen Essen in einem stimmungsvollen, alten Herrenhaus in der Nähe von Dungarvan, zu dem unsere gesamte Mannschaft von Jim O'Connor eingeladen wurde. Es sind diese Freuden, die in Erinnerung geblieben sind. Der Schmutz, der Dreck und die unhygienischen Verhältnisse verloren mit der Zeit ihren Einfluß auf das erfreulich positive Bild von dieser grünen Insel Irland.

Um auch meine Familie an meinem - zugegebenermaßen - idealisierten Irland-Bild teilhaben zu lassen, nahm ich - ausnahmsweise - meine damalige Frau ULLA und meinen neunjährigen Sohn Jochen (er hatte gerade Herbstferien an der Deutschen Schule in Den Haag) mit auf eine Geschäftsreise nach Irland. Wir fuhren bereits am Sonntag, den 19. Oktober 1980, mit meinem Dienstwagen von unserem Wohnort Gouda (Holland) nach Calais in Frankreich und weiter mit der Fähre nach Dover in England. In Guilford (südlich von London) übernachteten wir in einem kleinen, gemütlichen Hotel. Am Montagmorgen ging die Reise weiter zum Fährhafen in Fishguard (Wales). Die letzte Etappe (nach Swansea - denn dort endete der Motorway) über schmale Strassen gestaltete sich sehr spannend, denn wir hatten die Abfahrt mit der Fähre für 16 Uhr reserviert. Es klappte ausgezeichnet und wir konnten in Ruhe das Ablegen der Fähre beobachten.

Gegen 20 Uhr trafen wir am Montagabend, den 20. Oktober 1980, am irischen Fährhafen Rosslare (in der Nähe von Wexford) ein. Nun begann wieder die abenteuerliche Quartiersuche. In der Nähe von Rosslare war nichts zu finden. Da ich mich am Dienstagvormittag, den 21. Oktober 1980, mit Jim O'Connor in seinem Betrieb "Waterford Creameries" in Dungarvan treffen wollte, suchte ich eine Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe. In einem romantischen Herrenhaus wurde ich fündig. Beim Wiedersehen mit Jim - nach mehr als 1,5 Jahren - vergaßen wir nicht, uns an die erfolgreiche Zusammenarbeit zu erinnern. Mein "Baby", das ich mit ihm im Mai 1979 in Betrieb genommen hatte, funktionierte einwandfrei.

Wir verabschiedeten uns, ohne zu ahnen, dass wir 20 Jahre später (im Jahre 2000) so grosse Schwierigkeiten haben würden, uns wiederzusehen. Nun konnte ich meiner Familie eine Irland-Tour bieten, die uns vom südlichen Teil fast bis zur Grenze nach Nord-Irland führte. Ich mußte nach Ballghaderreen (Route N 5) im County Roscommon fahren, denn dort war für Donnerstagmorgen, den 23. Oktober 1980, eine Treffen mit meinem langjährigen Kunden, Mr. Cassidy, von der Shannonside Milk Products Cooperative Ltd. vorgesehen. Wir konnten uns unsere Zeit am Dienstag und Mittwoch für die Fahrt in Richtung Norden gemütlich einteilen. Leider spielte das typisch irische Wetter nicht mit und es regnete fast fortlaufend. Meine Frau war von Irland erst einmal enttäuscht. Jochen nahm's lockerer!

Nach der informativen Besprechung fuhren wir am Donnerstag über die N 4 direkt nach Dublin, denn dort wollte ich mich am Freitagmorgen, den 24. Oktober 1980, mit Mitarbeitern der Firma Consolidated Pumps (dem Vertreter meines späteren Lizenznehmers F. Stamp KG) am Flughafen treffen. Die Stimmung meiner Frau verbesserte sich, da wir im Dubliner Gresham Hotel (es zählt zur Spitze in Irland) übernachten konnten. Alleine die Damenkränzchen beim Fünf-Uhr-Tee in der Lounge zu beobachten, war eine besonderer Genuß. Meine Frau blieb während meinem Kundenkontakt im Hotel. Nach dem Auschecken fuhren wir direkt zum Fährhafen Dun Laoghaire. Die Überfahrt nach Liverpool war sehr stürmisch und mein Sohn Jochen hat sein Essen im Restaurant der Fähre sofort wieder erbrochen. Dies  war uns zwar unangenehm - der Kellner hatte aber ein Einsehen und berechnete nichts für sein  Essen.


Die Suche nach einem Quartier in Liverpool gestaltete sich zu später Stunde (gegen 23 Uhr) als äußerst schwierig. Nach einigen Anläufen fanden wir eine sehr teure Suite (der teuersten Übernachtung meines bisherigen Berufslebens) und waren froh, als wir uns in die Betten fallen lassen konnten. Das Irland-Abenteuer hatten wir mit gemischten Gefühlen hinter uns gebracht - was ich zu einem gewissen Grade für meine Frau bedauerte. Auf dem bequemen Motorway fuhren wir am Samstag, den 25. Oktober 1980, über Birmingham in die Nähe von London. Wir suchten einen Ort mit einer S-Bahn-Verbindung ins Londoner Zentrum. Ich kann mich an die Stadt nicht mehr genau erinnern - es könnte Luton gewesen sein. Wir fanden dort eine Übernachtungsmöglichkeit und fuhren am Samstagnachmittag mit der Bahn nach London, um die Tower-Bridge und den Tower zu besichtigen. Also hatten meine Fahrgäste auch noch ihre touristischen Attraktionen und wir konnten anschließend über Harwich und Hoek van Holland in der Nacht auf den Sonntag, den 26. Oktober 1980, wieder wohlbehalten in unser Haus in Gouda (Holland) zurückkehren.

Damit waren nach über 6 Jahren interessanter und auch abenteuerlicher Reisen quer durch Irland und Nord-Irland meine irischen Geschäftskontakte beendet. Sehr schnell änderte sich auch meine berufliche Situation, denn im Frühjahr 1982 begann ich als unabhängiger Beratender Ingenieur eine sehr interessante Tätigkeit in der Molkereiwirtschaft im norddeutschen Raum (im März 1984 zog ich mit meiner Familie von Gouda in unser neues Haus in Hildesheim). Aber meine "Liebe" und Begeisterung für die grüne Insel ging nicht verloren.

Nach schwierigen Zeiten, die aufgrund eines äußerst trickreichen Verhaltens meines weltweiten Lizenznehmers (F. Stamp KG, Hamburg-Bergedorf - Geschäftsführer Wolfgang Stamp) im Jahre 1988 zu meinem wirtschaftlichen Zusammenbruch und meiner nachfolgenden Scheidung führten, lernte ich am 20. Februar 1996 sehr überraschend in der Schuhstrasse in Hildesheim meine zauberhafte, zweite Frau JUTTA (53) kennen und lieben (am 20. Februar 1998 haben wir standesamtlich und am 5. Juni 1999 evangelisch geheiratet). Ihr erzählte ich so begeistert von meiner Zeit in Irland, dass wir für die Zeit vom 22. August bis zum 3. September 1998 eine Irland-Reise planten. In dieser Zeit kam es aber zu meiner überraschenden Entlassung bei der Hildesheimer Firma EUROKERN (Fertigung von Gießerei-Kernen). Dadurch entfiel auch die wirtschaftliche Basis für die Reise (die abgeschlossene Reise-Rücktrittsversicherung zahlte nicht bei Arbeitsplatz-Verlust).

Erst zwei Jahre später - in der Zwischenzeit hatte ich erfolgreich meine Rente beantragt und mit Reisevorträgen begonnen - konnten wir endlich unsere langgeplante Irland-Reise in der Zeit vom Mittwoch, den 30. August 2000, bis zum Sonntag, den 10. September 2000, antreten. Bereits am Anfang dieses Reiseberichtes habe ich die besonderen Umstände dieses "Wiedersehens nach 20 Jahren!" beschrieben. Wir hätten es uns einfacher machen können, wenn wir nach Cork oder Shannon geflogen wären und uns dort einen Mietwagen ausgeliehen hätten. Oder wir hätten wir auch über England nach Irland (wie 20 Jahre vorher) fahren können. Aber ich wollte auf Nummer sicher gehen und erst in Irland wieder meine Sicherheit mit dem Linksfahren gewinnen.
Reisetipp "1. Fahrversuche in Irland"
In einem Reisetipp für www.holidaycheck.de schrieb ich: Nachdem wir planmäßig am Hafen von Cherbourg angekommen waren, teilte man uns dort mit, daß die Irland-Fähre wegen der Blockade von französischen Fischerbooten nicht auslaufen könne. Da der Streik voraussichtlich erst in zwei bis drei Tagen beendet sei, empfahl man uns nach Brest zu fahren und an Bord der dortigen Irland-Fähre zu gehen. Wir hatten keine andere Wahl! Unterwegs stellte meine Frau noch fest, daß man uns unsere "Bed & Break-Vouchers" in Cherbourg nicht zurückgegeben hatte. Also der blanke Horror! Die Fähre in Brest sollte um 1 Uhr nachts (und nicht um 17 Uhr wie von Cherbourg) ablegen.

Im Hafen von Brest - wo offensichtlich eine größere Party stattfand - konnte uns niemand die Ablegestelle der Irland-Fähre nennen. Nach einem letzten Versuch in einem Bereich außerhalb des offiziellen Hafens fanden wir erleichtert unser Schiff. Über Funk konnte ich die Probleme mit den Vouchers klären. (Hinweis/Insider-Tipp: Kurz vor Beginn der Reise sollte auf jeden Fall die Hafensituation - Streik usw.- geklärt werden). Da die Transferzeit von beiden Häfen nach Irland ca. 17 Stunden beträgt, kam unsere Fähre in Rosslare nicht vormittags, sondern erst um 18 Uhr am Abend an. Unser Ziel in Cleggan/Connemara lag dann noch 8 Stunden entfernt (dies bei Nacht, Linksverkehr und unzureichenden Beschilderungen). Im Nachhinein sind meine Frau und ich immer noch stolz auf diese Abenteuerreise.

Soweit mein Reisetipp! Und dabei fing diese Reise sehr schön an. Jutta hatte am Mittwochvormittag, den 30. August 2000, noch gearbeitet und meine Aufgabe war es, den Wagen zu packen. Gegen 13 Uhr fuhren wir in Hildesheim los. Über Belgien kamen wir ohne Probleme nach Nordfrankreich (Jutta hatte die Fahrtrouten ausgearbeitet und war ein ausgezeichneter Navigator). Bei Cambrai fanden wir ein kleines, gemütliches Hotel in der Industrie-Zone. Erstmals konnte Jutta meine Französisch-Kenntnisse beobachten und war fasziniert.

Am Donnerstag, den 31. August 2000, starteten wir rechtzeitig gegen 8 Uhr, denn wir mußten - an Paris vorbei - unbedingt die Fähre in Cherbourg (Abfahrt 17 Uhr) erreichen. Von einem eventuellen Streik wußten wir natürlich noch nichts. Allerdings ahnten wir bereits Probleme, denn unterwegs sind wir in einen größeren LKW-Stau hineingeraten, der durch einen Streik verursacht wurde. Wir hatten unterwegs noch soviel Zeit, sodass wir bei Saint-Aubin-sur-Mer (nördlich von Caen) den schönen Strand besichtigten und eine kleine Strandwanderung unternahmen.

Und dann die Hiobs-Botschaft im Hafen von Cherbourg: Wegen eines Streiks der Fischer konnte die Irland-Fähre nicht auslaufen (vielleicht in 2 - 3 Tagen?). Man nannte uns als Alternative die Irland-Fähre, die gegen 1 Uhr nachts von Brest auslief. Wie lange die Fahrt mit dem Auto dauern würde, konnte man uns aber nicht sagen. Wir hatten aber keine andere Wahl und ließen uns auf diesen ersten Teil des Irland-Abenteuers ein. Über die zurückgelassenen Vouchers für "Bed and Breakfast" habe ich bereits gesprochen. Über die Kommunikationskanäle der zuständigen Reedereien konnte ich das Problem schließlich auf der Fähre in Brest und bei der Ankunft in Rosslare (Irland) lösen.

Sehr überraschend kamen wir in Brest bereits um 22 Uhr an (also noch 3 Stunden Zeit bis zur Abfahrt!). Im Hafen waren Menschenmassen unterwegs (ein Festival bzw. ein Hafenfest?). Aber keiner konnte uns sagen, wo die Irland-Fähre ablegt. Nach einigem Hin und Her hatte ich gegen 23 Uhr eine Eingebung: Wir fuhren außerhalb des Hafenbereiches und dann entdeckte ich voller Freude an einem weißen Fährschiff den Schriftzug "Irish Ferries"! Und wieder gab es Probleme, denn erst einmal standen wir mit unserem Wagen vor einem verschlossenen Bauzaun. Wir mußten erst weiter in den Terminal-Bereich fahren. Sie können sicher jetzt noch den Stein hören, der uns damals vom Herzen fiel! Und wir hatten gelernt, uns als Team zu bewähren, das auf gemeinsamen Reisen noch die Welt erobern wird (Nilkreuzfahrt in Ägypten - 2003/2004, Radjasthan-Rundreise in Nordindien - 2007, Kenia-Reise - 2009, China-Rundreise 2011).

Über die Reederei in Rosslare informierten wir unseren irischen Vermieter, die Familie in Hughes in Cleggan an der irischen Westküste, dass wir voraussichtlich in 6 Stunden (wir haben am Freitag, den 1. September 2000, um 18 Uhr nach 17 Stunden Reisezeit im Rosslare-Hafen angelegt)  eintreffen würden. Später teilte uns Mr. Hughes (der auf uns gewartet hatte), dass er mit 8 Stunden rechnete. Dass wir überhaupt in der Nacht ankamen, hatte sehr viel mit Glück und auch mit meiner jahrelangen Reise-Erfahrung in Irland zu tun. Allerdings war mir das Gebiet von Connemara, das wir besuchen wollten, völlig unbekannt.

Einige Beispiele von unterwegs sollen das Abenteuer verdeutlichen. Es war wieder ein Regenbogen-Erlebnis, das kurz nach Rosslare für mich eine "magische" Bedeutung hatte (gewissermassen eine irischer Willkommensgruß!). Unterwegs war Jutta auf der Suche nach einem Geld-Automaten. An einer Tankstelle erklärte man ihr, wo das "hole in the wall" zu finden ist. Um etwas zur Ruhe zu kommen, kauften sie in der Nähe den teuersten Rotwein ihres Lebens. Wir waren also vorgewarnt. Ich hielt mich mit meinen DUBLINERS-Kassetten wach. Gegen 1 Uhr am Samstagmorgen stoppte ich den Wagen am Strassenrand, um etwas frische Luft zu schnappen. Ich vergaß die Scheinwerfer auszuschalten. Dadurch fiel ich einer Polizei-Streife auf. Sie hielten auf der gegenüberliegenden Seite mit ihrem Wagen an und erkundigten sich nach meinem Befinden. Ich nutzte die Gelegenheit, sie nach dem weiteren Weg nach Clifden bzw. Cleggan zu befragen (der 1. Glücksfall).


In unserem Zielort Cleggan verließ gerade eine größere Gruppe von angeheiterten Gästen eine Hochzeitsfeier. Sie waren aber noch so nüchtern, dass sie uns den Weg zum abseitsgelegenen Haus der Familie Hughes erklären konnten (der 2. Glücksfall). Nach einigen Stunden Schlaf und einer gewissen Enttäuschung über unser primitives "Bed and Breakfast"- Quartier (ich versuchte Jutta zu trösten: "That's Ireland!") unternahmen wir am Samstag, den 2. September 2000, unsere erste Strandwanderung (am Hausstrand Saleana Beach), die auf einer Wiese endete (der Besitzer musste uns befreien). Zu unserer Überraschung entdeckten wir dort auch einen DOLMEN. Das Wort DOLMEN stammt aus dem Keltischen und bedeutet Steintisch und stellt eine vorgeschichtliche Grabkammer dar. Es besteht aus Tragsteinen, die in der Erde befestigt sind und den Decksteinen, die wie eine Tischplatte aussehen. Das Grab konnte einen oder mehrere Toten enthalten. Besonders häufig kommen DOLMEN in Irland vor. (Reisetipp "Dolmen")

Am Sonntag, den 3. September 2000, unternahmen wir den ersten PKW-Ausflug zum Kylemore Castle (15 km in östlicher Richtung, an der N 59 gelegen). Mitchell Henry war der Erbauer von Kylemore Castle und wurde 1826 in Manchester geboren. Er heiratete 1850 Margarete Vaughan, die Tochter von George Vaughan aus Quilly, Grafschaft Down, Nord-Irland. Die Kosten für den Bau des Schlosses betrugen 1/4 Million Pfund. Der Beginn der Bauarbeiten war 1864. Die Grundsteinlegung von Kylemore Castle fand am 4.9.1867 statt. Der Einzug erfolgte 1868. 1871 zog Mitchell Henry als Abgeordneter für Galway in das Parlament ein. Die Henrys verbrachten 6 glückliche Jahre in Kylemore Castle. 1874 starb Mrs. Henry während einer Ägyptenreise an Ruhr - sie war 45 Jahre alt. 1903 wurde das Schloß von einem Mr. Zimmermann aus Cincinnati/USA erstanden, der es seiner Tochter, der Herzogin von Manchester schenkte. Das Mädcheninternat mit integrierter Tagesschule wurde 1665 in Ypern gegründet und seit 1920 in Kylemore weitergeführt. Kylemore wurde für etwas mehr als 45.000 Pfund von der Ordensgemeinschaft gekauft. 1959 brach im Westflügel der Abtei ein Feuer aus und die Hälfte des Gebäudes wurde zerstört. Heute ist ein Kloster der Benediktinerinnen in Irland. (Reisetipp "Kylemore Abbey")

Auf dem Rückweg verfuhren wir uns zweimal (auch das typisch "Ireland"). Dafür fanden wir auch die sehr schöne Bucht von Renvyle. Selbstverständlich war am Sonntag das einzigste Restaurant in Cleggan geschlossen. Im SPAR-Laden konnten wir uns notdürftig und preiswert versorgen. Am Montag, den 4. September 2000, war ein typischer, irischer Regentag. Allerdings klärte es am Nachmittag auf und wir unternahmen wieder einen schönen Strandspaziergang. Wir fanden auch unser verfallenes Traumhaus! Mrs. Hughes sagte uns, dass es 150.000 Irische Pfund (fast 400.000,- DM) kosten sollte (unglaublich). Diesmal war Oliver's Seafood Bar & Restaurant am Hafen geöffnet. Allerdings war man erst bereit, das Essen um 18 Uhr zu servieren. Ich genoß die "Fisher's Plate", die köstlich schmeckte und Jutta ließ sich "Connemara Lamb" schmecken. Das Guinness (1/2 pint) war genauso scheußlich wie immer und die Rechnung "gesalzen" (23 Irische Pfund entsprechend 60,- DM). Das war auch meine erste Erkenntnis dieser Irland-Reise: Das Leben in Irland ist sehr teuer geworden (verglichen mit meiner Zeit vor 20 bis 25 Jahren).

Am Dienstag, den 5. September 2000, war ein Besuch von Inishbofin-Island geplant. Diese Insel liegt ca. 10 km vor der Küste und ist mit dem täglichen Postboot (für 10 bis 15 Personen und 10 Pfund p.P.) vom Hafen in Cleggan in 30 Minuten sehr leicht zu erreichen (wenn die See nicht gerade sehr stürmisch ist - wie wir es auf der Rückfahrt erlebten). Jutta hatte eine besondere Beziehung zu dieser Insel aufgebaut, denn unser gemeinsamer Traum war damals nach Irland bzw. Inishbofin Island auszuwandern. Vor Ort wollten wir uns einen Eindruck verschaffen. Bei der Einfahrt erkannte man die Ruinen der Cromwell Barracks. Dort war im 17. Jahrhundert das Hauptquartier Cromwell's für Connemara. Während der Zeit von Oliver Cromwell wurden auf der Insel irische Priester, Mönche und Lehrer gefangengehalten. Die ruhige Insel hat traumhafte Strände, weites Grasland und kleinere Seen im Inneren. Im Mai findet das Kunstfestival (mit Musik, Lesungen und Schauspiel) auf der Insel statt. Dann übersteigt die Besucherzahl die Anzahl der 180 Bewohner (vor 100 Jahren gab es noch 900) beträchtlich.
Reisetipp "Inishbofin Island"
Die Cromwell Barracks standen auf demselben Grund, wo 100 Jahre zuvor BOSCO, ein Pirat und Verbündeter von GRACE O'MALLEY (auch einer Seeräuberin von der Insel Clare Island) ein Schloß errichtet hatte. Noch einige Informationen zu Oliver Cromwell: Er besiegte die aufrührerischen Iren (1. Aufstand am 23. Oktober 1641) und ließ in den Jahren 1649 und 1650 viele Iren ins armselige Connacht (County Galway) vertreiben - frei nach seinem Motto: "Zur Hölle oder nach Connaught!". In Connemara (ein Teil von Connaught) ist heute noch die Hochburg der GAELTACHT, einer Region, in der Gälisch (gleich Irish) gesprochen wird.



Vor der katholischen Kirche von Inishbofin Island (diese hat der damalige Pfarrer zur Jahrhundertwende in Eigenleistung mit seiner Kirchengemeinde selbst gebaut) organisierte Jutta eine Sightseeing-Tour mit dem Kleinbus über die gesamte Insel (Fahrpreis 5 Pfund p.P.). Bei relativ schönem, aber kühlem Wetter konnten wir uns so einen sehr guten Eindruck von der Insel verschaffen. Wir fuhren auch an dem verfallenen Kloster St. Colmans Abbey aus dem 7. Jahrhundert vorbei. Gegen 15 Uhr wurde das Wetter schlechter und stürmischer. Sehr interessant war das Treiben an der Pier im "Bofin Harbour". Da am Wochenende ein Festival (einige Touristen waren bereits eingetroffen) stattfinden sollte, mussten die notwendigen Waren vom Postboot ausgeladen und wegtransportiert werden. Eine sehr schöne fotographische Studie der typischen Iren gelang mir bei dieser Gelegenheit. Gegen 17 Uhr ging das Fährboot zurück nach Cleggan. Wegen des sehr schlechten Wetters wurden wir mächtig durchgeschaukelt.

Da wir uns bei unseren Reisen für Kirchen und Friedhöfe interessierten, erkundigten wir uns bei Mrs. Hughes nach der katholischen Kirche, die zur Gemeinde gehörte. Überraschend nannte sie uns den Ort CLADDAGDUFF. Wir kamen auf dem Weg dorthin an verlassenen und verfallenen Cottages vorbei. Die Kirche fanden wir sehr schnell. Nur den Friedhof vermißten wir. Dieser befand sich auf der gegenüberliegenden Insel OMEY ISLAND. Der Weg dorthin war nicht ganz ungefährlich, denn es mußte Ebbe und Flut beachtet werden. Als ich unterwegs ein verlassenes Cottage fotographieren wollte, sah ich in einem verfallenen Wohnwagen das Bein eines schlafenden Menschen. Kurz danach kam der ältere Einsiedler heraus und fragte uns: "Are you Germans?" Als wir dies bejahten, grüsste er mit "Heil Hitler!" Für ihn war wohl der Krieg gegen seine Todfeinde, die Engländer, offensichtlich immer noch nicht vorbei.


Vor der Kirche von Claggaghduff trafen wir den zuständigen Pfarrer - bereits um 10 Uhr mit einer "Whisky-Fahne"! Da wir den Friedhof nicht fanden, erkundigten wir uns bei ihm. Er wies auf die bereits genannte OMEY Island. Die Gezeiten für Ebbe und Flut konnte er uns nicht nennen, da er erst 14 Tage Pfarrer in dieser Gemeinde sei. Wir wagten es auf gut Glück und kamen trockenen Fußes wieder zurück. Auf dem Rückweg begegnete uns eine einsame Kuhherde, die auf dem Weg zum Friedhof unterwegs war und dort wohl neues Weideland ergründen wollte. (Reisetipp "Inselfriedhof")

Sehr interessant war die "Lobster-Farm" (Hummer) auf dem Rückweg nach Cleggan. Den interessanten Tag beschlossen wir in Oliver's teurem Restaurant am Hafen. Beide aßen wir "Sirloin Steak with French Fried Onions, Chips and Side Salad" - also typisch "Irish". Im weißgestrichenen Pub an der Hafen-Pier mit dem bezeichnenden  Namen "Irish Evening" stimmten wir uns vorher mit einigen Pints auf das folgende Abendessen ein.



In unserer Sammlung von lokalen Sehenswürdigkeiten fehlte noch die irische Kleinstadt CLIFDEN. Sie hat ca. 1.500 Einwohner (2006) und liegt ca. 80 km von Galway entfernt. Wir benutzten wieder die N 59 (in der entgegengesetzten Richtung kamen wir nach Kylemore Castle). Am letzten Tag vor unserer Abreise, Donnerstag, den 7. September 2000, fuhren wir nach Clifden. Eindrucksvoll waren die beiden Kirchen (für die katholische und die protestantische Gemeinde). Offensichtlich hat sich die protestantische (englische) Gemeinde immer mehr verkleinert, denn von ihr sind nur noch verfallene Grabsteine auf dem protestantischen Friedhof übriggeblieben. Vereinbarungsgemäß kümmerte sich Jutta um das Geldwechseln (irische in englische Pfund) und ich betankte meinen roten CITROEN ZX. Zum Abendessen gab es diesmal die SPAR-Version: Bier und belegte, französische Baguettes). Als Reiselektüre hatte ich "Schindler's List" von Thomas Keneally dabei. Damals ahnte ich noch nicht, dass OSKAR SCHINDLER eine so grosse Bedeutung für mich gewinnen würde (siehe Reisebericht "Argentinien" ). Oskar Schindler hat von 1949 bis 1957 in Argentinien gelebt.

Am Freitag, den 8. September 2000, war der Tag der Abreise. Diese habe ich teilweise im Zusammenhang mit dem Ort "Waterford" an der irischen Südküste bereits beschrieben. Eigentlich wollten an diesem Abend eine "Sing-Song-Veranstaltung" im Pub besuchen (sie wäre leider die einzigste geworden). Dann erst wollten wir fahren. Wir besuchten noch einmal unseren Hausstrand Saleana Beach und wurden dabei richtig nass. Freundlicherweise warf Mrs. Hughes die feuchten Klamotten in den Trockner. Wir hatten nun die "Nase gestrichen voll" und verabschiedeten uns gegen 14 Uhr. Die Frage mit den "Vouchers" war wohl immer noch offen - aber für Mrs. Hughes kein Problem. Die Rückreise verlief ohne größere Schwierigkeiten in einer entspannten Stimmung statt (offensichtlich waren wir beide froh das "irische" Abenteuer glimpflich überstanden zu haben). Die erste Rast war in Galway, wo Jutta mich zum - für uns untypischen - Hamburger mit Pommes Frites und Coca-Cola einlud.

In Ennis nahmen wir uns Zeit für eine kleine Stadtbesichtigung. Das Bunratty Castle bei Limerick blieb uns leider verschlossen, denn dort war eine geschlossene Veranstaltung (nach alter Manier konnte hier gegessen und getrunken werden - begleitet von irischer, traditioneller Musik). Über Limerick (dort hatte ich erstmals vor einem Vierteljahrhundert das Linksfahren erfolgreich geübt) fuhren wir ohne Stopp nach Waterford (über die angenehmen Erfahrungen in Waterford habe ich bereits berichtet).

Auf der Fähre von Rosslare nach Fishguard (Wales), am Samstag, den 9. Oktober 2000, unterhielt ich mich mit Jutta über ein "mysteriöses" Erlebnis: Beide hatten wir auf der Rückfahrt in Irland den Eindruck, dass bei uns ein  Kind (ein Schutzengel!) begleiten würde. Und Irland ist ja das Land der Feen und Elfen! Sehr konkret und weniger mystisch waren meine Zahnschmerzen und meine geschwollene Backe (ich behandelte sie mit Schmerztabletten). Die Fahrt quer durch England meisterte ich mit Bravour - Dank der hilfreichen Unterstützung meiner Co-Pilotin Jutta. Insbesondere der Weg auf den mehrspurigen Autobahnen im dichten Verkehr - um London herum - ist mir immer noch lebhaft in Erinnerung. Nachdem wir mit der Fähre von Dover nach Calais wieder das Festland erreicht hatten, hielt uns nichts mehr: am Sonntagmorgen, den 10. September 2000, um 8 Uhr standen wir wohlbehalten und gesund wieder vor unserer heimatlichen Wohnung in Hildesheim.

Nach diesen zahlreichen Reisen nach Irland und Nord-Irland, die sich über einen Zeitraum von 25 Jahren erstrecken, möchte ich gerne Bilanz ziehen. Dabei kann ich nicht verschweigen, dass meine jetzige Frau und Begleiterin bei wunderschönen Reise-Abenteuern, mein idealisiertes Bild sehr stark beeinflusst hat. Sie hat mich gewissermaßen auf den Boden der Tatsachen (was Irland anbelangt) zurückgeführt. Es war vor allen Dingen der Schmutz und auch die unhygienischen Verhältnisse, die uns beide irritiert haben. Nun habe ich ähnliches auf meinen Reisen in Südamerika auch erlebt (siehe Reisebericht "Venezuela" ). Dort sind die Menschen aber immer noch arm. Irland hat man dagegen sehr viele EG-Mittel zur Entwicklung zur Verfügung gestellt. Und was ist dabei herausgekommen? Das Leben ist sehr teuer und die netten Iren sind sehr unfreundlich geworden! Unabhängig davon lasse ich mir aber meine alten Träume nicht nehmen. Meine DUBLINERS und deren "kämpferische" Musik versetzen mich immer noch in eine abenteuerliche Zeit, die ich nicht mehr missen möchte!

Fotos und Text: Klaus Metzger

Siehe auch BILDBAND: (IMPRESSIONEN bei Nacht und in der Dämmerung)

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