Montag, 22. August 2011

CHINA - eindrucksvolle Geschichte und stürmische Gegenwart (Teil III)!

Schatzkammerberg in Dazu

Da wir unser Mittagessen bereits vor unserem Abflug nach Chongqing in Xi'an eingenommen hatten, verließen wir abends nach dem Duschen unser Hotel Holiday Inn, um Getränke und Obst zu kaufen. Obwohl hier in North Chongqing auf sehr engem Raum zahlreiche Hochhäuser (in denen die Chinesen wohnen) stehen, entdeckten wir bei unserem nächtlichen Ausflug kleine Parks in denen sich zahlreiche chinesische Familien tummelten (es war Sonntag). Sie waren auch uns gegenüber sehr freundlich und wir hatten erstmals auf unserer Rundreise das Gefühl, integriert zu sein und an dem Leben der Chinesen teilnehmen zu dürfen. Über das Leben der chinesischen Familien in der Vergangenheit und im heutigen China hat die bereits mehrmals zitierte ZEIT-Korrepondentin, Angela Köckritz, einen sehr informativen Beitrag geschrieben (Leben in CHINA).

Am Anfang meines Reiseberichtes (Teil I) habe ich bereits auf die Romane der amerikanischen Literatur-Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck hingewiesen. Insbesondere die Biographie der Kaiserinwitwe Cixi ("Das Mädchen Orchidee") und "Die gute Erde" (dafür erhielt Pearl S. Buck den Lieratur-Nobelpreis) haben mich fasziniert. "Die Frauen aus Hause Wu" lagen etwas fern meiner Vorstellungswelt. Und nun befasse ich mich mit ihrem Roman "Geschöpfe Gottes". Wieder ist es die geschichtliche Nähe, die mich begeistert: Zwei junge Missionarssöhne erleben den Boxeraufstand (initiert durch die Kaiserinwitwe Cixi) im Jahre 1900 und die schlimmen Christenverfolgungen in China und müssen das Land in Richtung USA (ihrer ursprünglichen Heimat) verlassen, wo sie Karriere machen.

Auch heute noch gibt es in China Christenverfolgungen. Deshalb ist eine "Untergrundkirche" entstanden, wo "jeden Sonntag der Aufstand gegen die Obrigkeit geprobt wird" - so die ZEIT-Korrespondentin in Peking, Angela Köckritz (Untergrundkirche) . Die Demütigungen, die das chinesische Volk während des 1. Opiumkrieges (1840 - 1842), des 2. Opiumkrieges (1856 - 1860) und während des Boxeraufstandes (1900) durch die Westmächte Großbritannien, Frankreich und Deutschland erlebt haben, sollen nach den Ausführungen des ZEIT-Autors Matthias Nass mit die Gründe für den Wiederaufstieg dieser Nation zur führenden wirtschaftlichen Macht sein (ZEIT-Beitrag "Die Versuchung heißt China" vom 26. Mai 2011 Nr. 22 S. 57).

Nach diesem Ausflug in die geschichtlichen und politischen Zusammenhänge China's möchte ich mich wieder auf unsere Rundreise durch dieses faszinierende Land konzentrieren: Am 7. Tag in China (Montag, 18. April 2011) gingen wir abends an Bord unseres Kreuzfahrtschiffes "Blue Whale" zu einer Tour stromabwärts auf dem Yangtse, die bis zum Donnerstagvormittag (21. April 2011) andauerte. Deshalb wurden im Hotel Holiday Inn nach dem Frühstück unsere Koffer eingesammelt und wir konnten diese auf dem Schiff wieder in Empfang nehmen (gegen ein stattliches Trinkgeld).

Durch den Wechsel unseres Kreuzfahrtsschiffes (siehe Schiffsbewertung "Blue Whale") hatten wir die Möglichkeit, am Vormittag  in der Nähe von Dazu im Schatzkammerberg die buddhistischen Höhlenskulpturen zu besichtigen.  Neben Dunhuang, Luoyang und Yungang sind dies die eindrucksvollsten, buddhistischen Höhlenskulpturen in China. Auf der Flucht vor religiöser Verfolgung kamen die Buddhisten von der Seidenstrasse in das halbautonome Königreich Shu. Seit der ausgehenden Tang-Zeit bis zur Jin-Dynastie (Ende 9. bis Mitte des 13 Jhdts.) schufen diese Bildnisse in fast 40 Bergen und Felsüberhängen. Über 50.000 bemalte Skulpturen zeugen von der Zusammenführung buddhistischer und konfuzianischer Motive. Damit vollzogen die Buddhisten wohl einen "Kotau" vor der konfuzianischen Staatsmacht. (Bilder "Schatzkammerberg") 
(Reisetipp "Schatzkammerberg")
DERTOUR-Reiseleiterin Shimbo im Schatzkammerberg

Die Fahrt von Chongqing dorthin (ca. 80 km Entfernung) dauerte mit unserem Bus ca. 3 Stunden und führte durch eine typische, chinesische Landschaft mit sehr viel Reisanbau. Die Höhlenskulpturen gehören seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Unsere DERTOUR-Reiseleiterin Shimbo führte uns in deutscher Sprache durch den interessanten Komplex. Besonders beeindruckend waren die Szenen zum "Jüngsten Gericht". Nach dem Mittagessen fuhren wir wieder nach Chongqing zurück, wo wir gegen 18 Uhr auf unserem Kreuzfahrtschiff Blue Whale eintrafen. Da das Restaurant auf dem Schiff bereits geschlossen war, besorgten wir uns das übliche Obst und die Getränke in einem großen Supermarkt oberhalb der Ablagestelle ("letzter Supermarkt vor dem Yangtse").
Anlegestelle am Yangtse

Das Einzugsgebiet des Yangtse erstreckt sich über ein Gebiet von ca. 2 Millionen Quadratkilometer mit feuchtheißen Sommern (mit reichlich Niederschlägen) und kalten, trockenen Wintern. Die Quellflüsse des Yangtse werden von 5.000 m hoch gelegenen Glestschern des Tangula im Nordosten des tibetischen Hochlandes gespeist. Bei der Einmündung des Min-Flusses (bei Yibin - bis dorthin ist der Yangtse schiffbar) beginnt der Mittellauf des Yangtse. Zwischen Fengjie und Yichang strömt er durch die beeindruckenden Drei Schluchten des mittelchinesischen Berglandes. Ab dem Staudamm von Gezhouba bei Yichang beginnt der Unterlauf des Yangtse. Dabei passiert er die Großstädte Wuhan, Wuhu und Nanjing. Nach über 6.300 km mündet der Yangtse in einem über 200 km breiten Mündungsdelta nördlich von Schanghai in das Ostchinesische Meer.  (Reisetipp "Yangtse-Kreuzfahrt")
Begrüssung durch den Kapitän der "Blue Whale"

Gegen 21.30 Uhr legte unser Schiff in Chongqing ab. In der Nacht erreichten wir Fengdu. Am Dienstagmorgen, den 19.4.2011, besuchten wir von 8.30 bis 10.30 Uhr die sehr interessante Geisterstadt. In 171 km Entfernung von dem Start unserer Jangtse-Kreuzfahrt in Chongqing liegt die Kleinstadt Fengdu, die seit der Han-Zeit als "Eingang zum Hades" verrufen ist. Gegenüber liegt die eindrucksvolle "Geisterstadt" auf dem 288 m hohen Tempelberg Ming Shan. Unterhalb des Tempelberges ankerte unser Kreuzfahrtschiff "Blue Whale". Die daoistische Tempelanalge und die neugeschaffenenen Figuren (nach der Zerstörung während der Kulturrevolution) könnte man auch besser als "Teufelsstadt" bezeichnen, denn hier wird gezeigt, was einem in den zehn chinesischen Höllen widerfährt.
Besucher der Geisterstadt

Nach Meinung der Chinesen muss man das Urteil des Höllengerichts abwarten und anschließend in furchtbaren Folterqualen für seine Sünden büssen. Danach wird man schließlich wiedergeboren - je nach Vorleben nur noch als Hund oder Wurm. Der Ursprung dieser Geister- oder Höllenstadt geht bis auf die Han-Zeit vor 2.000 Jahren zurück, als zwei Beamte, Herr Yin und Herr Wang, sich vom Staatsdienst zurückzogen und hier das Leben daoistischer Eremiten begannen. (Reisetipp "Geisterstadt Fengdu")
Kreuzfahrtschiff "Blue Whale" auf dem Yangtse

Unser Kreuzfahrtschiff Blue Whale hatte auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt Fengdu (mit 800.000 Einwohnern) angelegt. Wir wurden im 1. Abschnitt mit Elektrokarren nach oben transportiert. Von da ging der Fußmarsch weiter und nach 400 Stufen erreichten wir die "Geisterstadt", die auf dem 288 m hohen Tempelberg Ming Shan liegt. Auf diesem Ausflug, der ca. 2 Stunden dauerte, begleitete uns der Schiffsfotograf, der einen DVD-Film drehte und Bilder schoss.

 Um 11 Uhr legten wir ab und kamen gegen 16 Uhr in Shiboazai an. Dort konnte - auf Wunsch - die "Steinschatzpagode" besichtigt werden. Wir nahmen nicht daran teil. Die Fahrt ging gegen 19 Uhr weiter nach Fengjie, wo wir am Mittwoch, den 20.4.2011, ab 3 Uhr ankerten. Dort begann die Qutang-Schlucht (8 km lang, 15 min Durchfahrt), in die wir gegen 10 Uhr einfuhren. Um 12 Uhr kamen wir zu unserer nächsten Anlegestelle Wushan.

In Verbindung mit dem Dreischluchten-Staudammm wurde die Stadt Wushan neu gebaut. Dort legen die meisten Kreuzfahrtschiffe an und die Passagiere steigen auf kleinere Schiffe um, mit denen der Daning - Fluss (Daning He) befahren wird. Er war ein Nebenfluss des Jangtse, dessen Unterlauf aber durch den Stausee verschwunden ist. Man passiert unterwegs "Drei kleine Schluchten". In der mittleren Schlucht ("Misty Gorge") soll man an einer Felswand auf der linken Seite in einer niedrigen, unzugänglichen Grotte einen Holzsarg sehen (Bem.: trotz Hinweisen gelang uns das nicht). Diese Bestattungssitte wird auf die protochinesische Ba-Kultur zurückgeführt. Noch bis in die Ming-Zeit wurde sie in den abgeschiedenen Tälern gepflegt. (Reisetipp "Daning-Flussfahrt")
Auf dem Daning-Fluss

Wir stiegen auf ein kleineres Schiff um, mit dem wir die abenteuerliche Schlucht des Daning-Flusses befuhren. Es regnete zwar - aber das Anlegen von vorhandenen Schwimmwesten war nicht erforderlich. Wir passierten eine sehr spannende und eindrucksvolle Landschaft. Angeblich sollten Särge mit Toten in den Felswänden hängen. Wir konnten diese aber nicht orten. Der Steuermann (Kapitän) lud mich ein, in das geschlossene Führerhaus zu kommen und das Schiffsruder zu bedienen. Es klappte ganz gut. Wir fuhren ca. 2 Stunden stromaufwärts, legten nirgendwo an und waren nach 4 Stunden wieder auf unserem Kreuzfahrtschiff. (Bilder "Daning-Fluss")


Kreuzfahrtschiff "Blue Whale"

Um 17 Uhr fuhren mit der M.S. Blue Whale durch die Wu-Schlucht. Sie endet bei Badung. Am frühen Morgen des Donnerstag, den 21.4.2011, erreichten wir um 1.30 Uhr die erste Schleuse des Dreischluchten-Staudammes. Um 6 Uhr hatten wir alle 5 Schleusen passiert. Insgesamt hatten wir eine Strecke von 660 km zurückgelegt. Es folgte dann noch ein kurzer Abschnitt nach Yichang, wo wir nach Schanghei weiterflogen. Die gesamte Reise war sehr eindrucksvoll und der Service vorzüglich. (Yangtse-Kreuzfahrt)

Der Staudamm liegt in der Xiling-Schlucht (die 3.) bei der Stadt Sandouping, Kreis Yichang, Provinz Hubei, etwa 40 km von dem ersten Staudamm Gezhouba (gebaut 1986) im Yangtse-Fluss und 660 km von Chongqing entfernt. Die Länge des Staudammes beträgt 2309 m, die Höhe 185 m ü.d.M., die Breite der Dammkrone 18 m und die Breite des Dammfusses 124 m. Der maximale Wasserstand beträgt 175 m ü.d.M. und das Wassergefälle 113 m (Maximum). Der gesamte Stausee hat eine Länge von 650 km und die Breite beträgt durchschnittlich 1,1 km. Die Staukapazität beträgt 39,3 Mrd. m³ - davon ist der Anteil für die Hochwasserverhütung 22,5 Mrd. m³. Die Lieferfirmen der 32 Generatoren: 6 von Siemens, 8 von GEC Alsthom, 18 lokal). Die Leistung der einzelnen Generatoren beträgt 700 MW. Ingesamt werden 104,25 Milliarden KW Strom jährlich produziert.

Es gibt 5 Schleusenkammern je 280 m lang, 34 m breit, 5 m Tiefgang. Die Größe des z.Zt. gebauten Schiffshebewerks beträgt 120 m länge, 18 m Breite und 3,5 m Tiefgang. Die gesamte Bauzeit betrug 17 Jahre: 1993 bis 1997 die erste Phase, 1997 bis 2003 die zweite Phase, 2003 bis 2009 die dritte Phase. In der offiziellen Beschreibung von chinesischer Seite werden die Gesamtkosten nach jüngster Rechnung 180 Milliarden Yuan (20 Milliarden Euro) genannt (geplant waren ca. 200 Milliarden Yuan - 22,2 Milliarden Euro). Ingesamt mussten 1,4 Millionen Menschen umgesiedelt werden (13 Städte, 140 kleine Städte, 1352 Dörfer, 657 Fabriken, 1.600 Schulen und ca. 800 historische Stätten).  (Reisetipp "Dreischluchten-Staudamm")

Nachdem wir die 5 Schleusen des Dreischluchten-Staudammes gegen 6 Uhr passiert hatten, mussten wir noch bis gegen 8.30 Uhr auf unserem Kreuzfahrtschiff M.S. Blue Whale warten, bis wir bei dem kleinen Ort Sandouping an Land gehen konnten. Dort wartete ein Bus mit einer örtlichen Reiseleiterin (die aber nur Englisch sprach) auf uns und wir fuhren auf das bewachte Gelände des Staudammes. Wir durften dieses Gebiet erst betreten, nachdem unsere Taschen und Rucksäcke durchleuchtet worden waren. Wir besichtigten die große Staumauer und das Schiffshebewerk für kleinere Schiffe, das 2014 fertig werden soll. Danach sahen wir in einer Halle das Modell des gesamten Projektes. Von einem kleinen Hügel hatte man einen ausgezeichneten Überbick über die Schleusen, die mit mehreren Schiffen belegt waren. Gegen 11 Uhr kamen wir zurück zu unserem Schiff. Wir fuhren dann durch die 3. und letzte Schlucht, die Xiling-Schlucht. Gegen 13.30 Uhr schifften wir bei Yichang (40 km vom Staudamm entfernt) aus.  (Bilder "Staudamm")

                                                                                            Fortsetzung: siehe "Teil IV"
                                                                                            bisher:                    "Teil I"
                                                                                                                           "Teil II"

Text und Fotos: Klaus Metzger

Lesen Sie auch mein Buch: "CHINA - eindrucksvolle Geschichte und stürmische Gegenwart"
                                          (CHINA-Buch)
und meinen BILDBAND: (IMPRESSIONEN bei Nacht und in der Dämmerung)
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