Donnerstag, 18. August 2011

CHINA - eindrucksvolle Geschichte und stürmische Gegenwart (Teil II)!

Der Himmelstempel
Der Besuch des Himmelstempels mit der Halle der Erntegebete war die dritte touristische Attraktion am 3. Tag in Peking. Nach der Wanderung durch den Kaiserpalast in Nord-Süd-Richtung und anschließend über den Platz des himmlischen Friedens fuhren wir mit unserem Bus zum Himmelstempel, der das Wahrzeichen Pekings darstellt. Der Altar liegt ca. 2,5 km südöstlich des Platzes des himmlischen Friedens. Über eine Galerie, die zum Osttor führt, gelangt man zu einer Grünanlage, wo sich regelmäßig Laienmusiker treffen. (Reisetipp "Himmelstempel")

Es gibt in Peking neun Altäre, die nach geomantisch-kosmologisch-rituellen Kriterien angeordnet sind. Am besten erhalten ist der  Himmelstempel, der 1420 erbaut wurde und seit 1912 der Öffentlichkeit zugänglich ist. Mit dem alljährlichen Ritual erbat der Kaiser zum Frühlingsanfang ein gutes Gedeihen der Saat. Dies war eine seiner wichtigsten Aufgaben. Relativ früh (gegen 15 Uhr) waren wieder im Hotel. (Bilder "Himmelstempel")

Der 4. Tag (am Freitag, den 15. April 2011) war auch der letzte Tag in Peking, denn wir führen mit dem Nachtzug in das 1000 km entfernte Xi'an. Deshalb mußten wir bereits am Morgen unsere Koffer abgeben, die anschließend  zum Hauptbahnhof gebracht wurden. Vorher hatte uns Chen ausdrücklich darauf hingewiesen, die Koffer unbedingt sicher zu verschließen. Wir sahen diese erst am folgenden Morgen in Xi'an wieder. Unser Toilettenbeutel und die Schlafsachen verteilten wir in unsere beiden Rucksäcke, die wir auch im Bus zurücklassen konnten. Zum Thema Trinkwasser habe ich noch eine ergänzende Information: Auch in den modernen Hotels in China sollte man das Wasser nicht trinken. Deshalb standen jeweils dort zwei kleine Flaschen Wasser für die morgendliche Toilette im Bad. Das nicht verbrauchte Wasser nahmen für unseren Tagesbedarf mit.
Lama-Tempelkloster

Bereits gegen 9 Uhr fuhren wir zum Lama-Klostertempel, der von Mönchen bewohnt wird. Dies ist eine Ausnahme, denn die meisten Tempelklöster sind nicht mehr in Betrieb und werden vom Staat als Baudenkmäler erhalten. Im Falle des Lama-Tempelklosters haben die Mönche einen Status von Staatsangestellten, die auch einer staatlichen Kontrolle unterstehen. Sie sind allerdings gehalten, sich möglichst selbst zu finanzieren: durch Eintrittsgelder, durch den Verkauf von Souvenirs und auch durch religiöse Dienstleistungen. (Reisetipp "Lamatempel")
Mönch im Lama-Tempelkloster

Während der Kulturrevolution (1966 bis 1969) stand das Lama-Tempelkloster unter dem besonderen Schutz von Tschou En-lai (Premierminister der Volksrepublik China) und wurde deshalb nicht zerstört. Man gelangt über einen Seiteneingang in Vorgärten mit einem Glocken- und Trommelturm. Die einzelnen Tempel sind Buddha geweiht. Es finden sich auch tibetanische Gebetsmühlen dort (vor einer Gebetsmühle habe ich Jutta mit ihrem chinesischen Sommerhut fotographiert). (Bilder "Lama-Tempelkloster")

Unser Mittagessen genossen wir in einem besonderen Restaurant, das ich ausdrücklich erwähnen möchte. Es nannte sich "Western Restaurant" und alle Gerichte wurden an einem längeren Buffet arrangiert, von dem man sich je nach Lust und Laune bedienen konnte. Es gab sehr viele verschiedene Fleischportionen. Diese europäische Art zu essen, konnten wir später noch einmal in Xi'an  und auf unserem Yangtse-Kreuzfahrtschiff "Blue Whale" erleben.

Nach dem Mittagessen im Western Restaurant fuhren wir mit dem Bus in die Altstadt (Hudong) in der Nähe des Glockenturmes. Wir begegneten auf dem Fußmarsch Rikschafahrern mit zahlreichen Kunden und besuchten das Haus eines Chinesen, der uns vom Alltag und von den rasanten Veränderungen berichtete. Dieses Viertel wird bald nicht mehr bestehen, denn die Häuser werden über kurz oder lang abgerissen. (Bilder "Altstadt") Ich bin ein regelmässiger ZEIT-Leser und freute mich kurz nach der Rückkehr über einen Artikel der neuen ZEIT-Korrepondentin in Peking, Angela Köckritz, über ihre Eingewöhnungsprobleme in der Altstadt ("Wohnen auf dem Drachen") . Ich entdeckte noch weitere interessante Berichte über China von ihr (siehe auch den bereits erwähnten Beitrag "Konkubinen" ). (Reisetipp "Altstadt")
Chinese in der Altstadt

Den Rest des Nachmittages  (bis zur Abfahrt zum Hauptbahnhof in Peking gegen 17 Uhr) hatten wir zur freien Verfügung. Zuerst besorgten wir uns in einem kleinen Supermarkt Getränke und Obst für die Zugfahrt. Gerne hätten wir noch etwas Schokolade gekauft. Diese fanden wir aber zu teuer. In einem größeren, mehrgeschossigen Kaufhaus sollten wir alle unsere Wünsche befriedigen können, sagte uns Chen. Entsprechend aufdringlich war das Verkaufspersonal. Jutta konnte sich nur für zwei Fächer entscheiden. In einer Seitenstrasse setzen wir uns auf eine Bank, genossen das schöne Wetter und beobachteten die vorbeigehenden Menschen. Es fanden sich erstaunlich viele Weiße darunter - wir befanden uns wohl in einer besseren Wohngegend von Peking.

Da wieder Rushhour (was eigentlich für den gesamten Tag galt) war, dauerte die Fahrt zum Hauptbahnof über eine Stunde. Nach einem längeren Fußmarsch (Gottseidank hatten wir keine Koffer dabei) durch den riesigen Bahnhof kamen wir zum Abfahrtsgleis unseres Nachtzuges nach Xi'an. Unser Abteil mit 4 Betten hatten wir alleine zur Verfügung, denn wir hatten bereits in Deutschland für die Alleinbenutzung einen Zuschlag von 138,- Euro bezahlt.

Vor dem Einschlafen organisierten wir beim Zugpersonal noch den Weckruf gegen 6 Uhr am kommenden Morgen und je eine Portion Kaffee für das Frühstück. Die Nachtfahrt verlief ruhig und wir konnten sehr gut schlafen. Am Morgen war es eindrucksvoll, während der Fahrt die eintönige Lößlandschaft vorbeiziehen zu sehen. Die morgendliche Toilette verursachte wegen des großen Andranges (wie wir bereits vorhergesehen hatten) Schwierigkeiten. Dazu kamen auch die schlechten hygienischen Verhältnisse in der Toilette und im Waschraum (eine Dusche gab es nicht). Deshalb nutzten wir unsere Feuchttücher, die wir auf all unseren Reisen als Standardausrüstung mitführen, für eine erfrischende "Katzenwäsche".

Diese Zugfahrt verlief, wie bereits gesagt, unproblematisch. In Deutschland erfuhr ich später von einem Unglück auf einer der Hochgeschwindigkeitstrecken: Am 23. April 2011 stießen bei sehr schlechtem Wetter zwei Hochgeschwindigkeitszüge bei Wenzhou (südlich von Shanghai) zusammen. Es gab 40 Tote. Da die Informationspolitik der staatlichen Organe sehr zu wünschen übrig ließ, kam es zu einer großen Empörung im Internet. Für chinesische Verhältnisse war dies eine ungewöhnliche Reaktion und die ZEIT-Korrepondentin Angela Köckritz hat darüber ausführlich berichtet.(Zugunglück)
Unsere DERTOUR-Reiseleiterin Li (mit Brille) in Xi'an

Gegen 8 Uhr (am Samstag, den 16. April 2011) trafen wir auf dem Bahnhof in Xi'an ein. Bereits am Zug  wurden wir von unserer neuen Reiseleiterin Li begrüsst (zur Erkennung trug sie wieder die DERTOUR-Flagge bei sich). Auch in Xi'an mußten wir erst einen längeren Fußmarsch von ca. 15 min absolvieren, bis wir zu unserem Bus kamen, der uns zu unserem Garden Hotel Xi'an (Garden Hotel Xi'an) brachte, wo wir gegen 8 Uhr 30 eintrafen.
Garden Hotel Xi'an

Ausgehungert stürzten wir uns erst einmal auf das herrliche Frühstück, das in einem separaten Raum sehr geschmackvoll hergerichtet war. Auch das Bedienungspersonal erwies sich als zuvorkommend freundlich. Anschließend bekamen wir den Schlüssel für unser Zimmer (2462), sodaß wir uns erst einmal duschen konnten. Selbst passende Bademäntel waren vorhanden. Gegen 10 Uhr traf dann auch unser Gepäck ein, das wir am Morgen des vorangegengenen Tages im Hotel in Peking übergeben hatten. Diesmal gab Jutta 5 Yuan Trinkgeld je Koffer (über die gesamte Reise kam ein großerer Betrag in Höhe von 100,- Euro alleine für Trinkgelder zusammen).

Xi'an ist die Hauptstadt der Provinz Shaanxi und hat mehr als 5 Millionen Einwohner. Es liegt in der fruchtbaren Ebene des Wei-Flusses. Einst war Xi'an die größte Stadt der Welt und diente als Hauptstadt 11 Tang-Dynastien. Es entwickelte sich als Knotenpunkt zum bedeutenden Warenumschlagplatz an den wichtigsten Handelsrouten nach Zentralasien und Europa. Xi'an war auch der Endpunkt der alten Seidenstrasse.

Eine besondere touristische Attraktion ist die Terrakotta-Armee des 1. chinesischen Kaisers Qin Shihuandi. Sie befindet sich in einer größeren Museumsanlage ca. 28 km östlich von Xi'an und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der 1. Kaiser gab den Auftrag für die 60 km² große Grabanlage mit zahlreichen Gruben, Gräben und Mauern. 700.000 Arbeiter sollen in 36 Jahren diese Anlage gebaut haben (nach Notizen des Geschichtschreibers der Han-Zeit Sima Qian). Das Grab-Monument des Kaisers wurde bisher noch nicht geöffnet. 1974 entdeckte ein Bauer beim Brunnenbau die ca. 1,80 m großen Tonsoldaten. (Reisetipp "Terrakotta-Armee")
Terrakotta-Krieger

Der Weg von unserem Garden Hotel in Xian (Abfahrt  gegen 10 Uhr 30) zu dem Museum mit den Terrakotta-Armeen war mühselig, denn die Autobahn-Verbindung war wegen eines hohen Staatsbesuches gesperrt. Auf dem Rückweg war die Strecke wieder frei. Der Anblick war faszinierend - vor allem unter dem Aspekt, dass der 1. Kaiser der Qin-Dynastie ca. 200 v. Chr. gelebt hat. Sehr interessant war der Blick in die Reparaturwerkstatt, wo die einzelnen Scherben (es gab einen Bauernaufstand, bei dem viele Figuren zerstört wurden) wieder mühselig zusammengefügt werden. (Bilder "Terrakotta-Krieger")

Nach diesem eindrucksvollen Ausflug in die Frühgeschichte Chinas waren wir am späten Nachmittag wieder in unserem Hotel. Sehr interessante Informationen entnahm ich später auch einem Artikel von Angela Köckritz (Flüsse aus Quecksilber). Offensichtlich hatte unsere Reiseleiterin Li Schwierigkeiten mit der Organisation des Abendessens in unserem Hotel, denn  ursprünglich sollte es als Mittagessen woanders eingenommen werden. Mit dem Termin um 17 Uhr waren wir einfach zu früh und überforderten den Küchenchef und sein Personal, sodaß viele Wünsche offen blieben - wir hatten einfach schon besser in China gegessen.

Der folgende Tag (Sonntag, 17. April 2011) begrüßte uns mit sehr schönem Wetter und wir sogen die entspannte Stimmung in diesem ausgezeichneten Hotel in Xi'an förmlich auf. Nach dem ausgiebigen Frühstück bewunderten wir den Tang-Garten und einen älteren Chinesen beim Tai Chi. Dazu paßten zwei majestätische Schwäne, die in aller Ruhe vorbeischwommen. Wir wollten gegen 8 Uhr 30 die große Wildganspagode in der Nähe besichtigen.

Xi'an war in der Zeit  vom 11 Jhdt. v. Chr. bis zum 9. Jhdt. n. Chr. das Zentrum der chinesischen Welt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Wei-Flusses befand sich in Xianyang im 3. Jhdt. v. Chr. Chinas die erste Residenzhaupstadt mit dem Sitz des Kaisers. Unter der Han-Dynastie wurde die Residenz auf das südliche Flussufer verlegt. Der Höhepunkt lag in der Tang-Zeit im 7. und 8. Jhdt. n. Chr.  Aus dieser Zeit stammt die Große Wildganspagode. (Reisetipp "Große Wildgans-Pagode")
Große Wildganspagode

Wir besuchten die Große Wildganspagode, die in der Nähe unseres Garden Hotels lag, und sehr leicht zu Fuß erreicht werden konnte. Der 73 m hohe und siebenstöckige Turm aus Ziegelstein aus dem Jahre 647 wurde mehrmals durch Erdbeben und Buddhisten beschädigt und anschließend wieder restauriert. Er gehört zum Kloster der Großen Gnade und Güte, das nebenan liegt. Beim Betreten des Klosterhofes wurde wir freundlich gebeten, das Kloster wieder zu verlassen. (Bilder "Große Wildgans-Pagode)

Nun stand noch der Besuch der Großen Moschee auf dem Programm. Die Große Moschee gehört zu den Schönsten im chinesischen Stil und fasziniert durch die stillen Höfe, die harmonische Gesamtanlage und die feinen Reliefs an den Gebäuden (nur so konnte ich sie als islamische Werke wiedererkennen). Zwei kaiserliche Inschriftenstelen im zweiten Hof, die links und rechts vom steinernen Schmucktor stehen, stammen aus den Jahren 1606 bzw. 1768. Sie beziehen sich auf Bau- und Renovierungsarbeiten, die vom Hof gefördert wurden. Die "Pagode der Gewissensprüfung" dient als Minarett. (Reisetipp "Große Moschee")

Islamische Inschriften

Nach einer kurzen Busfahrt und  einem verwinkelten Fußmarsch durch den atemberaubenden Basar von Xian gelangten wir zur Großen Moschee. Dort fand gerade die Trauerzeremonie für einen verstorbenen Moslem statt. Die Moslems waren an ihren weißen Käppchen zu erkennen. An verschiedenen Gebäuden erkannte ich islamische Schriftzeichen. Überrascht hat mich das Minarett, vom dem Muezzin zum Gebet aufruft. Es war ein relativ niedriges Gebäude und in keiner Weise einem Turm. (Bilder "Große Moschee")

Nach der Stadtbesichtigung (Große Wildganspagode, Große Moschee) und dem Mittagessen (mit einem ausgezeichneten Buffet) fuhren wir zum Flughafen von Xian. Dabei sahen wir noch einmal einen Teil der alten Stadtmauer. Die Fahrtzeit betrug ca. 1 h. Wir flogen mit China Eastern (Flug-Nr. MU2262) in das 800 km entfernte Chongqing. Dort befindet sich der Hafen für die Kreuzfahrtschiffe auf dem Yangtse-Fluss. Wir checkten in Xian als Gruppe ein, so daß wir auch kein Problem mit dem Übergewicht hatten (zulässig 20 kg bei Inlandsflügen). Allerdings konnten bei diesem Verfahren die Sitzplätze nicht ausgewählt werden (Jutta hatte 5F und ich 12A). Sonst klappte der Flug sehr gut und wir kamen nach einer Stunde Flug in Chongqing an.(Reisetipp "Flug nach Chongqing") Die DERTOUR-Reiseleiterin Shimbo holte uns ab und brachte uns mit dem Bus in das Holiday Inn North Chongqing (Holiday Inn Hotel) . Uns überraschten die vielen Hochhäuser. Auch zu dem Thema "Immobilienblase" schrieb Angela Köckritz einen wichtigen Artikel, der meine Eindrücke in China bestätigt hat. (Immobilienblase CHINA)
Blick vom Hotel Holiday Inn

In Chongqing (regierungsunmittelbare Stadt) leben auf einer Fläche von 82.400 km² über 32 Millionen Einwohner. Diese Zahlen beziehen sich aber auch auf das umliegende Bergland, die Dörfer und andere Städte. Da es dort sehr gebirgig ist, bezeichnet man Chongqing als die einzige chinesische "Großstadt ohne Radler". Chongqing liegt 2.400 km von der Mündung des Yangtse in das Ostchinesische Meer entfernt. Hier mündet der Jialing Jiang in den Yangtse. 1935 wurde Chongqing Kriegshauptstadt als die Nationalregierung vor den anrückenden Japanern flüchtete.

                                                                                         Fortsetzung: siehe "Teil III"
                                                                                         bisher:                     Teil I

Text und Fotos: Klaus Metzger

Lesen Sie auch mein Buch "CHINA - eindrucksvolle Geschichte und stürmische Gegenwart"
                                          (CHINA-Buch)
und meinen BILDBAND: (IMPRESSIONEN bei Nacht und in der Dämmerung)












  













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